Nach dem Erdbeben Hilfe für Haiti aus aller Welt

Stand: 14.01.2010 08:08 Uhr

Das Internationale Rote Kreuz geht von bis zu drei Millionen Betroffenen aus, die nach dem Erdbeben in Haiti Hilfe brauchen - das wäre jeder dritte Bewohner. Das bitterarme Land kann die Folgen der Katastrophe aus eigener Kraft nicht bewältigen. Haitis Botschafter in Deutschland, Jean Robert Saget, sagte in Berlin: "Wir brauchen praktisch so gut wie alles im Moment." Am dringendsten benötigt würden Medikamente, Lebensmittel, Zelte und Decken.

Rettungsteams
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Aus vielen Ländern reisen Rettungsteams nach Haiti: z. B. Feuerwehrleute aus London ...

Venezonalisches Rettungsteam
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... und ein medizinisches Rettungsteam aus Venezuelas Hauptstadt Caracas.

US-Minister sagen Auslandsreisen ab

Zahlreiche Länder kündigten bereits Hilfe an. So brach US-Außenministerin Hillary Clinton ihre Asien- und Pazifikreise ab, um den Hilfseinsatz der USA zu koordinieren. Auch US-Verteidigungsminister Robert Gates verschob eine geplante Australienreise. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama dem Karibikstaat bereits umfassende Katastrophenhilfe in Aussicht gestellt. Die USA würden neben Bergungshelfern auch lebenswichtige Güter wie Medikamente, Nahrungsmittel und Wasser liefern. Die US-Küstenwache kündigte an, Schiffe und Flugzeuge mit Hilfsgütern zu entsenden. Ein erstes US-Team traf derweil in Haiti ein. Bereits vor Ort sind mehrere hundert kubanische Ärzte, die Verletzte in Feldlazaretten behandelten.

Millionenhilfen von Weltbank und UN

Die Weltbank sagte Haiti 100 Millionen Dollar Nothilfe zum Wiederaufbau der zerstörten Metropole Port-au-Prince zu. Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach von einem "schockierenden Ereignis" und kündigte an, seine Organisation entsende auch ein Team, das helfen soll, den Schaden und die nötigen Aufbaukosten zu ermessen.

Die Vereinten Nationen stellten zehn Millionen Dollar als Soforthilfe bereit. "Ich danke allen Ländern, die schon Hilfe geschickt haben und fordere alle übrigen auf, es ihnen gleich zu tun", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er kündigte an, demnächst selbst nach Haiti zu reisen.

Die EU will dem Land mit drei Millionen Euro helfen. Großbritannien schickte ebenfalls ein Team in das Land, um die Lage zu beurteilen. Italien kündigte an, ein Flugzeug mit einem Notarztteam und einem Feldkrankenhaus nach Haiti zu schicken. Frankreich werde umgehend Rettungskräfte sowie eine Einheit der Gendarmerie entsenden, die bei den Rettungsarbeiten und bei der Suche nach möglicherweise vermissten Franzosen helfen sollen, sagte Präsident Nicolas Sarkozy.

1,5 Millionen Euro aus Deutschland

Hilfe kommt auch aus Deutschland: Die Bundesregierung sagte Haiti 1,5 Millionen Euro Soforthilfe zu und bot die Entsendung von Bergungsteams an. Die mit dem Geld unter anderem geplante Nahrungsmittelversorgung soll über die auch in Haiti im Bundesauftrag tätige Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) erfolgen, sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). Zudem flogen vier Experten des Technischen Hilfswerks (THW) umgehend via Chicago in die Krisenregion. "Deutschland wird, wo immer es kann, den Menschen in Haiti beistehen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend. Sie zeigte sich betroffen und schockiert über das Ausmaß der Schäden in dem mittelamerikanischen Land.

Im Auswärtigen Amt wurde ein Krisenstab eingerichtet. Er soll prüfen, ob auch Deutsche unter den Opfern des Erdbebens sind. "Wir hoffen es nicht, ich kann es leider auch nicht ausschließen", sagte Außenminister Guido Westerwelle.

Schon vor dem Beben schlechte Versorgung

Mitarbeiter der LA County Fire Urban Search and Rescue Task Force 2 bereiten sich auf einen möglichen Einsatz im Erdbebengebiet vor
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Die Hilfe rollt an: Rettungsteams bereiten sich in Los Angeles auf den Einsatz vor.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bereitete den Einsatz eines mobilen Krankenhauses vor. Es habe schon vor dem Beben keine medizinische Versorgung und kein funktionierendes Katastrophenschutzsystem auf Haiti gegeben, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters. Die Hilfe müsse nun von außen kommen. Das Technische Hilfswerk (THW) schickte ein vierköpfiges Erkundungsteam in das Gebiet. Auch "Cap Anamur" und "Care" kündigten an, rasch Hilfe zu leisten und riefen ebenso wie das DRK zu Spenden auf. Papst Benedikt XVI. mobilisierte das Netzwerk der katholischen Hilfsorganisationen.

Nach Angaben der Leiterin des örtlichen Büros der Hilfsorganisation "Care" in Haiti, Sophie Perez, ist die Nothilfe bereits angelaufen. "Jetzt geht es darum, die Menschen aus den Trümmern zu befreien, sie mit Nahrung und Wasser zu versorgen", berichtet sie.

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