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Es war das heftigste Beben der vergangenen Jahrzehnte im Osten der Türkei: Mindestens 200 Tote sind bislang geborgen worden, 1000 Menschen wurden verletzt. In der Nacht suchten Rettungskräfte weiter nach Überlebenden - weitere Helfer werden erwartet. Unter den Trümmern werden noch viele Verschüttete vermutet. Und die Zeit drängt: Nicht nur Durst und Hunger drohen den Verschütteten, sondern auch Kälte.
Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Die ganze Nacht hindurch dauerten die Bergungsarbeiten in der Provinzhauptstadt Van an. Helfer suchten bei Flutlicht nach Überlebenden. Über 200 Tote sind in dem Katastrophengebiet an der iranischen Grenze bereits gefunden, mehr als 1000 Verletzte sind geborgen worden. Viele Hundert, so wird vermutet, sind nach dem heftigen Beben noch unter Trümmern eingeschlossen.
[Bildunterschrift: Viele Verschüttete werden noch unter den Trümmern vermutet. Die Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren. ]
Die Zeit arbeitet gegen die Helfer. Denn neben Verletzungen, Durst und Hunger bedroht auch die zunehmende Kälte die Verschütteten. Van liegt auf 1700 Metern Höhe. Nachts wird es bereits empfindlich kalt. Wegen der vielen Nachbeben haben Zehntausende von Menschen in Van und der Kreisstadt Erciş die Nacht im Freien verbracht. Hilfe sei unterwegs, versicherte Ahmet Lütfi, Generalsekretär des Roten Halbmonds und Koordinator für die Rettungsarbeiten.
"In die Region sind in ausreichender Menge Zelte, Decken und Feldküchen geschickt worden. Erste Transporte sind bereits angekommen, Zeltlager werden aufgebaut. Unsere Hilfe konzentriert sich auf Erciş und umliegende Ortschaften und Dörfer", sagt Akar.
Mit 7,2 auf der Richterskala zählt das gestrige Erdbeben im Osten des Landes zu den heftigsten Beben der vergangenen Jahrzehnte. Vor zwölf Jahren waren bei zwei Erdbeben im Westen der Türkei rund 20.000 Menschen umgekommen. Aus der damaligen Katastrophe habe sein Land gelernt, sagt Nasuh Mahruki. Der 43-Jährige Mount Everest-Bezwinger ist Leiter des Bergungsvereins AKUT, der auch jetzt im Erdbebengebiet nahe der iranischen Grenze aktiv ist.
"Aus allen Teilen der Türkei kommen Rettungs- und Bergungsmannschaften - staatliche und private. Aber natürlich ist es damit nicht getan. Es ist eine Tatsache, dass die Bausubstanz in der Türkei meistens schlecht ist. Solange sich das nicht ändert, also die Gebäude nicht abgerissen und neu gebaut oder verstärkt werden - werden wir solche Bilder wie jetzt in Van noch häufiger erleben", sagt Mahruki. Was aber den Katastrophenschutz betrifft, da habe die Türkei seit 1999 sehr viel dazugelernt, fügt er hinzu.
Über 1300 Retter aus dem ganzen Land sollen im Katastrophengebiet helfen. Zahlreiche Staaten – darunter Deutschland, Griechenland, Israel und die USA - haben der Türkei bereits gestern ihre Unterstützung angeboten. In großen Städten wie Istanbul und Ankara spendeten viele Menschen Blut für die zahlreichen Verwundeten und sammelten Kleider, Decken und Lebensmittel. Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan war bereits gestern Abend mit mehreren Ministern in dem Katastrophengebiet eingetroffen. Er sicherte den betroffenen Menschen rasche Hilfe zu.
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