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Ein starkes Erdbeben hat den Osten der Türkei erschüttert. In der Provinz Van wurden zahlreiche Menschen unter Trümmern verschüttet. 500 bis 1000 Menschen seien bei dem Beben in der Provinz Van getötet worden, sagte der Leiter des Seismologischen Instituts Kandilli, Mustafa Gedik. Rettungshelfer fanden bislang mindestens 138 Tote und mehr als 1000 Verletzte, wie türkische Fernsehsender berichteten.
Zunächst gruben Anwohner mit Schaufeln und Händen nach Überlebenden. Rettungskräfte und Notarztwagen versorgten Verletzte. Der Krisenstab der Regierung erklärte, aus dem ganzen Land würden 500 Rettungshelfer und Notärzte in die Provinz geflogen. Die Organisation "Roter Halbmond" mobilisierte Helfer und bereitete den Transport von Zelten ins Krisengebiet vor. Der Präsident der Organisation ging von schweren Verwüstungen aus. Auch die Armee sollte für die Rettungsarbeiten herangezogen werden. Es wurde erwartet, dass Temperaturen um den Gefrierpunkt während der Nacht die Rettungsarbeiten erschweren würden. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan reiste am Nachmittag in die Region.
In der ganzen Provinz brach nach dem Beben Panik unter der Bevölkerung aus. Das Zentrum des Bebens lag unter dem Dorf Tabanli. Die schwersten Schäden gab es in der Stadt Ercis am Van-See, wo nach Regierungsangaben mehr als 50 Gebäude eingestürzt sind. Bis zum Abend wurden dort 50 Leichen gefunden. Das staatliche Krankenhaus der Stadt berichtete, es seien etwa 1000 Verletzte in die Klinik gebracht worden. Einwohner klagten, dass die Regierung nicht schnell genug helfe. Ercis ist eine Kreisstadt mit mehr als 70.000 Einwohnern.
In der Provinzhauptstadt Van hielten etwa zehn Gebäude der Gewalt des Bebens nicht stand. Dort stützte auch ein siebenstöckiges Haus ein. Dem türkischen Sender NTV zufolge wurde auch der Flughafen der Stadt beschädigt. Die Behörden teilten jedoch mit, die Anlage sei noch betriebsfähig. Der gesamte Schaden sei bislang schwer einzuschätzen, sagte Vans Bürgermeister Bekir Kaya. Die Kommunikation sei aufgrund blockierter Telefonsystem erschwert.
Türkische Fernsehsender berichteten unter Berufung auf die Erdbebenwarte in Istanbul zunächst von Erdstößen der Stärke 6,6. Dies wurde inzwischen auf 7,2 hochgestuft. Die US-Erdbebenwarte USGS nannte ebenfalls eine Stärke von 7,2. Mit einer Tiefe von 20 Kilometern sei das Beben oberflächennah gewesen und könnte daher größeren Schaden angerichtet haben. Es wurden mehrere Nachbeben registriert.
Der türkische Sender NTV berichtete, das Beben sei bis in die Nachbarprovinzen deutlich zu spüren gewesen. Erdbeben sind in der Türkei, die von Verwerfungslinien durchkreuzt wird, keine Seltenheit. 1999 kamen bei zwei Erdbeben im Nordwesten 18.000 Menschen ums Leben.
Auch im benachbarten Armenien waren die Erschütterungen zu spüren. In der Hauptstadt Jerewan seien Hunderte besorgte Menschen ins Freie gerannt, berichteten armenische Medien. Bei einem Erdbeben in Spitak im Norden Armeniens kamen 1988 mindestens 20.000 Menschen ums Leben. 30 Kilometer von der Hauptstadt Jerewan entfernt steht ein Atomkraftwerk sowjetischer Bauart. Experten kritisieren, dass es nicht sicher vor schweren Erdbeben sei und es keinen Plan im Fall einer Katastrophe gebe.
Außenminister Guido Westerwelle bot der türkischen Regierung Hilfe an. "Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer, der Verletzten und denen, die durch das Erdbeben ihr Hab und Gut verloren haben." Deutschland stehe der Türkei in dieser schweren Stunde bei, sagte der FDP-Politiker. Für schnelle und unbürokratische Hilfe sprachen sich auch die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir aus. Russland offerierte der Türkei Rettungskräfte, Suchhunde sowie ein mobiles Feldlazarett. Präsident Dmitri Medwedjew beauftragte das Zivilschutzministerium, zwei Transportmaschinen vom Typ Iljuschin Il-76 abflugbereit zu machen.
Israels Präsident Shimon Peres bot den Opfern bei einem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül Hilfe an, berichtet die Agentur Reuters. Die Türkei habe diese jedoch abgelehnt, sagte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak Reuters zufolge. Dazu sagte ein Vertreter des türkischen Außenministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte, bislang sei kein Angebot angenommen worden. Israel habe die gleiche Antwort erhalten wie Dutzende andere Staaten auch. Zwischen den einstigen strategischen Partnern gibt es seit Montaten Spannungen. Ein Grund ist der Tod von neun Türken beim Sturm der Gaza-Hilfsflotte durch israelische Soldaten.
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