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Erdbeben
Italien: Suche nach weiteren Opfern des Erdbebens
Mehr als 90 Tote nach Erdbeben in Mittelitalien

"Alles ist eingestürzt"

Italien steht nach der Erdbeben-Katastrophe in den Abruzzen unter Schock. Mindestens 92 Todesopfer sind zu beklagen, Krankenhäuser der Region berichten von mehr als 150 Toten. 50.000 Menschen sollen obdachlos geworden sein. In der Provinzhauptstadt L'Aquila sind alle öffentlichen Gebäude zerstört. Auch Ministerpräsident Berlusconi bekam die Auswirkungen des Bebens zu spüren.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekam das Beben am eigenen Leib zu spüren. Während einer improvisierten Pressekonferenz am Nachmittag in der Nähe von L’Aquila gab es noch einmal einen leichten Stoß, ein Nachbeben des großen Erdbebens der Nacht. 20 Sekunden hatte dieser nächtliche Albtraum gedauert - Stärke 6,3 auf der Richterskala. Das Ergebnis sei verheerend, so Berlusconi: "Das historische Zentrum von L’Aquila ist überhaupt nicht mehr bewohnbar. Alle öffentlichen Gebäude sind zerstört: und es hat sich nach und nach ein Brand ausgebreitet, vom Polizeipräsidium zum Gericht. Leider gab es auch in einem Studentenwohnheim zwei Opfer, eine Studentin aus Tschechien und ein Student."

Überlebende sind schockiert

Unter den Trümmern des völlig zerstörten Studentenwohnheims wird nach weiteren Opfern gesucht. Die Rede ist von sieben oder acht Vermissten. Ihre Mitbewohner, die die Katastrophe überlebt haben, sind schockiert: "Hier ist alles blockiert", sagt ein Student, "wir wissen nicht, ob wir nach Hause können. Man weiß gar nichts mehr." Und eine Kommilitonin berichtet: "Wir schliefen, plötzlich dieser heftige Stoß, der Strom ist ausgegangen. Und dann war es dunkel und wir haben nur noch Staub geatmet."

Noch traut sich niemand, eine Bilanz zu ziehen. Man spricht von mindestens 92 Toten. Innenminister Roberto Maroni fürchtet, dass am Ende zwischen 100 und 150 Tote zu beklagen sind. Aber, so Maroni man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben, jetzt gebe es nur eine Devise: Graben, graben, graben. Deshalb gibt es auch immer wieder solche Geschichten: Ein junger Mann, begraben unter Trümmern, konnte mit dem Handy seine Schwester anrufen, die dann die Rettungskräfte an den richtigen Ort lotste.

Erdbeben in Italien (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Helfer aus ganz Italien sind im Erdbebengebiet im Einsatz.]
Ein Mann läuft an einem zerstörten Gebäude vorbei (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein Mann guckt ein vom Erdbeben zerstörtes Gebäude in Tempera, Region Aquila an.]
 

"Wir sind in die Knie gezwungen"

Andere Menschen hatten weniger Glück. "Überall Steine, alles eingestürzt, alles kaputt, alles zerstört, alte Häuser, neue Häuser, es gibt Tote", sagt ein Mann, der bei den Bergungsarbeiten hilft. "Hier sind jetzt ein Mann und eine Frau, und noch eine andere Frau könnte unter den Trümmern liegen. Alles ist eingestürzt. Wir sind in die Knie gezwungen."

Helfer befürchten, weitere Todesopfer zu finden

50.000 Menschen sollen obdachlos sein, Tausende Häuser sind eingestürzt oder schwer beschädigt. 50 Prozent der Gebäude sind nicht mehr benutzbar. Das historische Zentrum von L’Aquila gleicht einem Trümmerfeld. Die Kathedrale soll eine Ruine sein. Aus ganz Italien treffen zur Stunde Rettungskräfte in der Region ein. 100 Carabinieri, 100 Polizisten, circa 1.500 Feuerwehrleute, dazu das Militär. In L’Aquila wurden provisorische Lazarette errichtet, im Fußballstadion der Stadt gibt es Essen für die Obdachlosen.

Ministerpräsident Berlusconi lobt die Notfallmaßnahmen und verzichtet vorerst auf Hilfe aus dem Ausland: "Wir haben das, was wir brauchen. Weitere Hilfen können später organisiert werden. Jetzt würden sie unserem Einsatz, der schnell und ausreichend war, nichts nützen."

Richterskala:

Stärke 1-2: Nur durch Instrumente nachweisbar.
Stärke 3: Selten nahe dem Bebenherd zu spüren.
Stärke 4-5: Im Umkreis von 30 Kilometern um das Bebenzentrum spürbar mit leichten Schäden.
Stärke 6: Mäßiges Beben, Todesopfer und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen.
Stärke 7: Starkes Beben, das zu Katastrophen führen kann.
Stärke 8: Großbeben.
 
Stand: 06.04.2011 01:56 Uhr

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