Karte: Nordkorea

Erdbeben in Nordkorea Ein oder kein Atomtest?

Stand: 23.09.2017 16:24 Uhr

In Nordkorea hat die Erde in der Nähe einer Atomtestanlage gebebt. Behörden in Österreich, Norwegen und Südkorea vermuten eine natürliche Ursache und gehen nicht von einem Atomtest aus. Nicht ganz so eindeutig sehen das Experten in den USA und in China.

In Nordkorea hat es erneut ein Erdbeben gegeben. Die Einschätzungen von Wissenschaftlern über die Ursache sind nicht eindeutig.

Die südkoreanische Meteorologiebehörde teilte mit, die Erschütterung habe eine Stärke von 3,0 gehabt und sich in dem Gebiet im Nordosten Nordkoreas ereignet, in dem das Land zuletzt einen Atomtest vorgenommen hatte. Die Behörde kam zu der Einschätzung, dass es sich um ein natürlich hervorgerufenes Beben behandelt habe. Eine Analyse der seismischen Wellen und der Mangel an Schallwallen zeigten eindeutig, dass das Beben nicht künstlich hervorgerufen worden sei, sagte eine Vertreterin.

Die Erschütterung wurde im Raum um Kilju aufgezeichnet, wie eine Vertreterin der Wetterbehörde sagte. Rund 20 Kilometer weiter südöstlich hatte Nordkorea am 3. September seinen sechsten und bislang kräftigsten Atomtest mit einer Wasserstoffbombe verübt. Das Ausland war damals durch ein Erdbeben der Stärke 6,3 darauf aufmerksam geworden. Später dann meldete Pjöngjang die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe, die sich auch als Raketensprengkopf nutzen lasse.

China: "mutmaßliche Explosion"

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete unter Verweis auf die chinesische Erdbebenbehörde von einem Beben der Stärke 3,4 in Nordkorea. Im Gegensatz zu Südkorea vermuten die chinesischen Experten eine Explosion als Ursache für das neue Beben.

Beben "wahrscheinlich nicht menschengemacht"

Atomtestbeobachter in Wien vermuteten dagegen auch eher eine natürliche Ursache. "Die beiden seismischen Aktivitäten waren wahrscheinlich nicht menschengemacht", teilte der Vorsitzende der in Wien ansässigen Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO), Lassina Zerbo, über Twitter mit. Die Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Lassina Zerbo @SinaZerbo
Two #Seismic Events! 0829UTC & much smaller @ 0443UTC unlikely Man-made! Similar to "collapse" event 8.5 mins after DPRK6! Analysis ongoing https://t.co/DXaDn8TZOf

Auch die norwegische Erdbebenwarte Norsar vermutet, dass das Beben wahrscheinlich nicht von einem neuen Nukleartest ausgelöst wurde. Die bisher ausgewertete seismischen Signale sprächen eher für ein Nachbeben oder Felseinsturz als für einen neuen Atomtest, teilte Norsar mit.

Die US-Erdbebenwarte USGS registrierte das Beben ebenfalls und gab dessen Stärke mit 3,5 an. Die Behörde erklärte allerdings, es sei nicht möglich, zu bestätigen, ob die Erschütterung eine natürliche Ursache habe.

Nordkorea droht mit Wasserstoffbombe

Nordkorea hatte erst am Freitag mit dem Test einer weiteren Wasserstoffbombe gedroht. Damit reagierte es auf erneute Verbalattacken von US-Präsident Donald Trump in einer Rede vor der UN-Vollversammlung.

Kim Jong Un bei der Inspektion einer Wasserstoffbombe. Das Foto wurde von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlicht. | Bildquelle: dpa
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Kim Jong Un bei der Inspektion einer Wasserstoffbombe. Das Foto wurde von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2017 um 12:55 Uhr.

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