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Lebensmittelskandal verunsichert Verbraucher
Pferdefleisch verdirbt Briten den Appetit
Erst waren es tiefgekühlte Hamburger, jetzt ist auch Lasagne betroffen: Statt reinem Rindfleisch fanden britische Lebensmittelprüfer Pferdefleisch in den Produkten. Die Verbraucher sind verunsichert. Von einer "erschreckenden Situation" spricht auch die Chefin der Lebensmittelaufsicht - und räumt Versagen ein.
Von Torsten Huhn, ARD-Hörfunkstudio London
In Großbritannien herrscht Aufregung um Pferdefleisch, das als Rind deklariert wurde. Bei neuen Untersuchungen entdeckte die britische Lebensmittelüberwachungsbehörde in Rindfleisch-Lasagne eines großen Herstellers bis zu 100 Prozent Pferdefleisch. Es handelt sich um den zweiten Fund von Pferdefleisch in Produkten, in denen nur Rindfleisch enthalten sein sollte.
"Der erste Fall war der Tesco-Value-Burger. Der zweite wurde gestern entdeckt - die Rindfleisch-Lasagne von Findus", sagt Andrew Rhodes von der Lebensmittelüberwachungsbehörde FSA. Beide Produkte seien zurückgezogen worden. Der Hersteller habe kooperiert und genau das Richtige getan. "Wir testen nun selbst viele Rindfleischprodukte und haben die Produzenten aufgefordert, selbst ihre Fertigprodukte zu überprüfen - damit da nichts drin ist, was nicht hineingehört."
Aufregung in Großbritannien um Pferdefleisch in Fertigprodukten
T. Huhn, ARD London
08.02.2013 15:55 Uhr
Die Verbraucher sind aufgeregt und verunsichert. "Wie kann so etwas passieren"?, fragen sie. Die Chefin der Lebensmittelaufsicht, Catherine Brown, räumt ein, dass die Aufsichtsmaßnahmen nicht gegriffen haben. "Das ist eine erschreckende Situation. Die zwei Fälle von Vermischung mit Pferdefleisch zeigen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass es sich hier um kriminelle und betrügerische Aktivitäten handelt. Es gibt Vorkehrungen, um sicher zu stellen, dass der Inhalt der Packungen mit der Auszeichnung übereinstimmt. Aber diese Vorkehrungen haben in diesen beiden Fällen versagt."
Keine gesundheitlichen Gefahren
Die Lebensmittelüberwachung hatte schon seit einigen Tagen intensiv Produkte getestet. Denn bereits Mitte Januar war in Tiefkühl-Hamburgern von Supermärkten in Großbritannien und Irland Pferdefleisch entdeckt worden. Angeblich sollen die Hamburger aus 100 Prozent Rindfleisch bestehen. Der Hersteller hatte polnische Zulieferer für die verunreinigten Produkte verantwortlich gemacht.
Gesundheitliche Gefahren bestehen durch den Genuss von Pferdefleisch aber nicht, versichert die Lebensmittelbehörde. "Bisher haben sich bei unseren Untersuchungen keine Risiken hinsichtlich der Sicherheit der Lebensmittel gezeigt. Das dürfen wir nicht vergessen", erinnert Rhodes. "Aber es ist wichtig, dass wir unsere Nachforschungen fortsetzen und die Ursache finden. Die Industrie muss sicherstellen, dass die Produkte, die sie herstellen und verkaufen, das enthalten, was auf der Packung steht."
Das Fleisch soll jetzt auch speziell auf mögliche Überreste von Medikamenten geprüft werden, insbesondere Phenylbutazon. Das ist ein Schmerzmittel für Tiere, das für Menschen gefährlich ist. Bei Pferden wird dieses Medikament häufig eingesetzt. Damit behandelte Tiere dürfen nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden.
Stand: 08.02.2013 16:57 Uhr
