Das Atomkraftwrerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze | Bildquelle: dpa

Frankreich beschließt Energiewende Mehr Öko und ein bisschen weniger Atom

Stand: 22.07.2015 22:11 Uhr

Mehr Wind und Sonne - weniger Atomkraft und Öl. Frankreich geht auf Ökokurs. Die Nationalversammlung hat ein Gesetz zur Energiewende beschlossen. Bis 2050 soll der Energieverbrauch halbiert werden und ein Drittel des Bedarfs aus erneuerbaren Energien kommen.

Frankreich will seine Energieversorgung radikal umstellen. Nach langem Streit beschloss die Nationalversammlung in Paris das geplante Gesetz zu einer nationalen Energiewende. Es sieht unter anderem vor, den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu reduzieren, weniger Energie zu verbrauchen und mehr Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Hollande
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Präsident Hollande erfüllt ein Wahlkampfversprechen.

Umstrittenstes Vorhaben von Präsident François Hollande ist wohl der Plan, den Anteil der Atomkraft am Strommix in zehn Jahren von heute 75 auf 50 Prozent zu senken. Nach Meinung der französischen Atomlobby ein unrealistisches Ziel. Denn ohne ihre Kernkraftwerke sei wiederrum die geplante Verringerung der Treibhausgase nicht zu erreichen.

58 Reaktoren - ein internationaler Spitzenwert

Im verabschiedeten Gesetz ist nicht genau festgelegt, ob Atommeiler abgeschaltet werden müssen und auch nicht welche und wann. Der WWF und andere Umweltorganisationen nennen das "le grand flou" - "die große Unschärfe". Eine klare Grenze enthalten die Regelungen allerdings: Die Höchstleistung aller französischen Kernkraftwerke wird auf das derzeitige Maß begrenzt.

Mangels großer Kohle- und Ölreserven stützt Frankreich seine Stromversorgung seit den 1970er-Jahren auf einen der größten Atomparks der Welt: 58 Reaktoren decken rund drei Viertel des Bedarfs - im internationalen Vergleich ein Spitzenwert.

Frankreich verabschiedet Programm zur Energiewende
tagesschau 12:00 Uhr, 23.07.2015, Ellis Fröder, ARD Paris

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400 Millionen Euro Förderung für erneuerbare Energien

Im Jahr 2030 sollen erneuerbare Energien 32 Prozent der französischen Stromproduktion ausmachen, der Anteil fossiler Energieträger wie Erdöl soll bis dahin um 30 Prozent gesenkt werden. Der Ausstoß von Treibhausgasen soll bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent reduziert werden.

Windräder auf einem Feld in Deutschland | Bildquelle: dpa
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Windräder, wie hier in Deutschland, könnten bald Frankreichs Landschaft durchziehen.

Um diese Ziele zu erreichen, werden in dem Gesetz eine ganze Reihe von Maßnahmen festgeschrieben: Mit 400 Millionen Euro soll der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden, vorgesehen sind unter anderem neue Offshore-Windparks.

Haus- und Wohnungsbesitzer sollen künftig verpflichtet werden, bei Arbeiten an Fassade und Dach energetische Sanierungen vorzunehmen. Für solche Sanierungen sollen zugleich neue Steuererleichterungen eingeführt werden.

Parallelen zur deutschen Energiewende

Das Papier zeigt nach Ansicht von Experten frappierende Ähnlichkeit mit der deutschen Energiewende. Ein drastischer Unterschied: Deutschlands Atomkraftwerke sollen bis zum Jahr 2022 allesamt vom Netz gehen.

Kritiker warnen - wie auch in Deutschland - vor einer starken Erhöhung der Strompreise. Die sozialistische Regierung betont im Gegenzug immer wieder, dass zusätzliche Investitionen in erneuerbare Energien und die Renovierung alter Gebäude auch das Wachstum ankurbelten.

Eine große Symbolwirkung hat das Gesetz auf jeden Fall. Wenige Monate vor dem Weltklimagipfel in Paris will der Gastgeber mit gutem Beispiel vorangehen.

Energiewendegesetz in Frankreich verabschiedet
B. Kostolnik, ARD Paris
23.07.2015 03:43 Uhr

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