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Je weniger illegale Migranten nach Italien oder Malta übersetzen, desto mehr bleiben in Libyen. Doch dort gibt es keine Arbeit und die Lage für die vielen Menschen ist katastrophal. Einige wollen deshalb in ihre Heimat zurückkehren - unterstützt von der Internationalen Organisation für Migration IOM, die dafür aber viel zu wenig Geld hat.
Von Esther Saoub, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Maurizio Santicola führt durch ein Zentrum für illegale Migranten in Tripolis. Das Haus in einem Vorort wurde aufgebaut von der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Hier werden Migranten beraten, die sich entschieden haben, in ihre Heimat zurückzukehren. Heute wartet eine Gruppe Äthiopier auf die Befragung durch freiwillige Helfer. Jeder von ihnen hat eine berührende Geschichte zu erzählen.
[Bildunterschrift: Reinigungskräfte auf dem Flughafen in Tripolis: Libyen ist auf Arbeitsmigranten angewiesen. (Foto: Esther Saoub) ]
Nureddin Gamal etwa ist seit sechs Jahren in Libyen. Seine Reise durch die Wüste bis hierher dauerte fast einen Monat. In Libyen arbeitete er als Fahrer und in der Landwirtschaft, zeitweise 20 Stunden am Tag. Nicht immer bekam er Gehalt - wer keine Papiere hat, der wehrt sich nicht. Mehrmals wurde er festgenommen, einmal saß er sechs Monate im Gefängnis, ohne Gerichtsurteil. Nureddins Frau, eine Äthiopierin, die er in Tripolis geheiratet hatte, versuchte weiterzukommen, übers Mittelmeer nach Europa. "Ich hatte kein Geld für die Überfahrt, aber meine Frau wollte es versuchen", erzählt Nureddin. "Also habe ich für sie gesammelt. Von Italien aus wollte sie mir dann Geld schicken, damit ich nachkommen kann. Frauen finden ja leichter einen Job. Ich habe gewartet. Aber sie ist im Meer ertrunken."
Auch der 25-jährige Musfin versuchte die Fahrt übers Meer, kam aber nicht weit. Kurz nach dem Ablegen wurde er festgenommen und landete im Gefängnis. Sechs Monate blieb er in Haft, ohne Urteil. Es ist ihm anzusehen, dass er gelitten hat. Er ist dünn, sieht älter aus, als er ist. "Wir waren 120 Leute in einer Zelle", erzählt er. "Niemand konnte sich hinlegen oder schlafen. Das Essen war schlecht, mein Körper ist immer noch ganz ausgelaugt. Die Polizisten haben mich geschlagen bei der Festnahme und auch im Gefängnis. Was willst du machen - Gott ist gnädig."
[Bildunterschrift: Gestrandet in Tripolis: "Wer ohne Papiere erwischt wird, den nehmen sie mit." (Foto: Esther Saoub) ]
Ein kürzlich erschienener Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf libyschen Sicherheitskräften vor, Migranten willkürlich gefangen zu halten und zu misshandeln. Im vergangenen Jahr waren von mehr als 500 Todeskandidaten in libyschen Gefängnissen die Hälfte Einwanderer. Libyen hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterschrieben. Im Juni schloss die Regierung zudem das Büro der Flüchtlingsorganisation UNHCR.
Die einzig verbliebene Anlaufstelle für Einwanderer und Asylsuchende ist damit die IOM. Deren Büroleiter in Tripolis, Laurence Hart, tut sich schwer damit, Zahlen zu nennen: "Die einzige offizielle Zahl, die wir haben, besagt, dass die Ankünfte in Europa in den vergangenen zwölf Monaten um 90 bis 95 Prozent zurückgegangen sind. Das liegt an den gemeinsamen Patrouillen und Abkommen zwischen Libyen und Italien. Die Ankünfte in Libyen dagegen sind nach wie vor zahlreich: Afrikanische Botschafter hier haben dies bestätigt, obwohl es sich herumgesprochen hat, dass Libyen ein schwieriger Ausgangspunkt nach Europa geworden ist. Manche Beobachter bezeichnen Libyen als Sackgasse."
Die Zahl der illegalen Einwanderer insgesamt schätzt Laurence Hart auf anderthalb Millionen. Immer wieder werden größere Gruppen in ihre Heimatländer abgeschoben. IOM versucht Rückkehrwillige zu unterstützen, doch seit Beginn dieses Programms vor einigen Jahren konnte gerade einmal 5000 Menschen geholfen werden. Für mehr reichen die Mittel nicht.
Die 35-jährige Dibiana hofft auf eine solche Rückkehrhilfe. Deshalb sitzt sie im Wartesaal des IOM-Rückkehrzentrums in Tripolis. Drei Jahre war sie in Libyen, auch sie wurde bei dem Versuch verhaftet, übers Meer nach Europa zu fahren. Nun sitzt sie auf einem Plastikstuhl, über dem Kopf ein buntes Tuch, auf dem Schoß ihre ungefähr zweijährige Tochter. Sie sieht müde aus. "Es gibt keine Arbeit hier, kein Essen, ich kann keine Milch kaufen für meine Tochter", klagt sie. "Wir sind erschöpft. Dies ist nicht mein Land. Wir sind hergekommen, um nach Europa zu fahren. Die Schlepper haben unser Geld genommen. Der Weg nach Europa ist versperrt. Also gehen wir nach Hause."
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