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Airbus-Chef Enders rückt an die Spitze des Mutterkonzerns EADS auf. Dort muss er in der schwierigen Eigentümerkonstellation womöglich Qualitäten entwickeln, die er bislang nicht zeigte: diplomatisches Vorgehen. Bisher pflegte er einen hemdsärmeligen Stil mit viel Nähe zu den Mitarbeitern.
Von Johannes Duchrow, ARD-Hörfunkstudio Paris
[Bildunterschrift: 2009 weihte Tom Enders mit großer Inszenzierung ein neues Airbus-Werk ein. ]
Toulouse, im Januar vor drei Jahren: Der drahtige Mann greift zum Spaten, um den Grundstein für ein neues Airbus-Werk zu legen. Es ist eine bombastische Inszenierung - in einer Werkhalle vor Tausend geladenen Gästen wird in einem Kurzfilm der neue Airbus A350 gefeiert. Draußen in der Kälte haben Enders und sein Stab ein Ballett von Straßenwalzen inszeniert.
An solchen Tagen jagen sich die Termine: Verträge unterschreiben, Interviews geben, doch Enders hat immer ein Lächeln auf den Lippen, scheint das Mammutprogramm mit links zu schaffen. "Ich stehe jeden Morgen um 5 Uhr auf, gehe joggen und erledige E-Mails", erzählte der 53-Jährige kürzlich in einem Interview. Mails, die ihm Airbus-Beschäftigte schreiben, beantwortet er immer noch persönlich. Am Anfang traf er sich regelmäßig mit den unterschiedlichsten Mitarbeitern zum Frühstück. Und die schluckten dann in ihrer großen Mehrheit auch die Rationalisierungen, die Enders Airbus seit 2007 verordnet hat. Der ehemalige Fallschirmjäger kann Menschen mitreißen.
Seit seiner Bundeswehrzeit wird er von allen nur Major Tom genannt. Doch anders als der von David Bowie besungene Raumfahrer, schaut Enders nicht von oben herab auf die blaue Erde. Er mischt sich ein, hemdsärmlig und wenig diplomatisch. Als die Regierung in Paris jetzt sein Konzept für die Spitzenpositionen im EADS-Konzern nicht akzeptieren wollte, ließ er durchblicken, dass er sich auch bei der Tochter Airbus ganz wohl fühle und nicht nach ganz oben müsse. Doch das hätte das schwierige deutsch-französische Gleichgewicht im europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen noch weiter durcheinander gebracht. So war er mit seiner Strategie auch hier erfolgreich.
[Bildunterschrift: Enders setzt auf Qualität im Konzern. ]
Der Major der Reserve duldet auch neben sich nur Qualität. Weil er einen spanischen Airbus-Manager feuerte, wurde er zur Zielscheibe der iberischen Medien. Doch er setzt seine Kriterien überall durch. "Da spielt die Nationalität heute keine Rolle mehr", sagt er. "Wir haben gesagt: Wer hat die besten Prozesse? Wer hat die besten Methoden? Und wir haben die Teams integriert."
Zwei große Krisen hat der Sohn eines Westerwälder Schäfers bei Airbus gemeistert: Er hat den Kabelsalat beim Großraumjet A380 entwirrt und den Militärtransporter A400M in die Luft gebracht. Viele Flugzeuge hat er auch verkauft, ohne dass das Unternehmen inzwischen wieder deutlich Gewinn gemacht hätte. Das dürfte jetzt ab Juni sein Job als Chef des Mutterkonzerns EADS sein. In dieser Position wird er vielleicht doch noch zum Diplomaten - als Verhandler zwischen den unterschiedlichen Tochterunternehmen und mit den schwierigen Miteigentümern Deutschland und Frankreich.
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