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Emir zu Besuch in Gaza

Emir von Katar bei Hamas-Regierung

Erster Staatschef besucht den Gazastreifen

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Hamas hat der Emir von Katar den Gazastreifen besucht - als erstes Staatsoberhaupt. Im Gepäck: 250 Millionen Dollar für die am Boden liegende Wirtschaft. Mit dem Besuch erkennt der Scheich die Hamas-Regierung faktisch an.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Ismail Hanija, der in Gaza regierende Hamas-Führer, musste fünf Jahre auf diesen Moment warten. Endlich darf er ein Staatsoberhaupt in seinem palästinensischen Gebiet empfangen: den Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Kalifa al Thani. Der reiche Emir vom Persischen Golf stattet dem verarmten und zerbombten Gazastreifen einen Besuch ab. Er reist von Ägypten aus über den Grenzübergang Rafah ein, schreitet dort mit Hanija über den roten Teppich. "Sie sind hier unter Millionen Menschen ein willkommener Gast, ein großer Gast, ein geliebter Gast", sagt Hanija zur Begrüßung.

Faktische Anerkennung der Hamas-Regierung

Der Emir von Katar und Ismail Hanija
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Roter Teppich und militärische Ehren für den Emir.

Mit seinem Besuch erkennt der Emir von Katar faktisch die Hamas-Regierung in Gaza an. Die Islamisten hatten die Macht im Juni 2007 mit Gewalt an sich gerissen. Sie hatten die Vertreter der mit ihnen gemeinsam regierenden Fatah aus Gaza vertrieben und mehrere von ihnen getötet. Seit dem vergangenen Jahr bemühen sich die im Westjordanland regierende Fatah-Partei und die Hamas um eine Versöhnung - bislang erfolglos.

Um so wichtiger ist der Besuch des Emirs von Katar. Hamas-Führer Hanija feierte den Besucher als Helden: "Mit Ihrem Besuch hier in Gaza brechen Sie offiziell die wirtschaftliche und politische Blockade, die über den Gazastreifen verhängt wurde, und mit deren Hilfe man versucht, unseren Standpunkt zu ändern und unseren Widerstand zu brechen. Dies ist nicht gelungen - und heute sind Sie hier, um uns zu helfen." Scheich al Thani bringt 250 Millionen Dollar mit nach Gaza, um die Wirtschaft des Küstenstreifens anzukurbeln. Allein 150 Millionen Dollar sollen in den Bau von Wohnungen in der Nähe der Stadt Chan Junis im Süden des Landstreifens fließen. Der Emir legte den Grundstein für die Wohnanlage.

Emir von Katar besucht als erstes Staatsoberhaupt die Hamas-Regierung
tagesschau 20:00 Uhr, 23.10.2012, Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv

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Ramallah: Dank für Hilfe, Warnung vor Spaltung

Palästinenserpräsident Machmud Abbas begrüßte den Besuch des Emirs von Ramallah aus. Abbas würdigte den Willen des Emirs, der Bevölkerung in Gaza zu helfen. Aus Ramallah kommt aber auch Kritik: Jassir Abed Rabbo, Mitglied des Exekutivausschusses der Palästinensischen Befreiungsorganisation, PLO, sieht die Visite als ein einmaliges Ereignis. Er warnte davor, dass der Besuch die Spaltung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland vertiefen könnte.

Scharfe Kritik kam aus Israel. Jigal Palmor, Sprecher des israelischen Außenministeriums, sieht in dem Besuch des Emirs eine Legitimierung von Terroristen: "Niemand versteht, warum er für die Hamas Partei ergreift, warum er nicht den Palästinensern insgesamt, sondern der Hamas Hilfe und Unterstützung bietet", so Palmor. "Niemand versteht, warum er eine Organisation finanziert, die für Selbstmordanschläge und das Abschießen von Raketen auf die Zivilbevölkerung bekannt ist. Mit der Umarmung der Hamas hat der Emir den Frieden über Bord geworfen."

Hamas feiert Staatsbesuch als Ende ihrer Isolation
S. Engelbrecht, ARD Tel Aviv
23.10.2012 17:28 Uhr

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Geringes Interesse bei Gazas Bevölkerung

In Gaza sind die Straßen mit den Fahnen Palästinas und des Emirats Katar geschmückt. Aber die Bevölkerung kann sich nicht so recht begeistern. Der Auftritt von Scheich Hamad Bin Kalifa al Thani in einem Fußballstadion in Gaza-Stadt wurde kurzfristig abgesagt. Es hatten sich nur etwa 600 Zuschauer eingefunden. Die Tribünen blieben weitgehend leer.

Stand: 23.10.2012 17:29 Uhr

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