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Massenpanik in der Neujahrsnacht
Mindestens 60 Tote bei Unglück in der Elfenbeinküste
Bei einer Massenpanik an Silvester sind in der Elfenbeinküste mindestens 60 Menschen getötet worden. Mehr als 200 wurden verletzt. Das Unglück ereignete sich am Eingang eines Stadions in Abidjan, wo die Menge mit Feuerwerken und einem Konzert den Jahreswechsel feierte. Weitere Opfer werden befürchtet.
Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat
Gleich am ersten Tag des neuen Jahres muss die Moderatorin des ivorischen Fernsehsenders RTI traurige Nachrichten verkünden, und sie muss warnen - vor den grauenhaften Bildern, die dann gezeigt werden: Eine Straße ist übersät mit Leichen, Berge von Schuhen und zerfetzten Kleidungsstücken sind zu sehen, Rettungskräfte versorgen Frauen und Kinder, einige Menschen irren umher, auf der Suche nach ihren Angehörigen.
Mindestens 60 Tote, mehr als 100 Verletzte - das ist die bittere Bilanz der Massenpanik, die sich in der Silvesternacht im Zentrum von Abidjan ereignet hat. In der Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste sollen mehr als zwei Millionen Menschen unterwegs gewesen sein, um auf den Straßen den Jahreswechsel zu feiern.
Mehr als eine halbe Million waren es offenbar allein im Zentrum: In den engen Straßenschluchten der Hochhäuser auf dem sogenannten Plateau hatten sie das große Feuerwerk verfolgt. Dann, gegen drei Uhr früh, kam es zur Katastrophe. Nach Angaben der Polizei herrschte nach dem Feuerwerk dichtes Gedränge - einige zehntausend Menschen waren aus dem Plateau in andere Stadteile unterwegs, andere Gruppen wollten aber genau dorthin.
Ursache für Massenpanik unklar
tagesschau 12:00 Uhr, 02.01.2013, Peter Schreiber, ARD Nairobi
Besucher stürzten in eine Baugrube
Am Rande einer schlecht gesicherten Baustelle, heißt es in einem Bericht der Militärfeuerwehr, seien Menschen in eine Baugrube gestürzt. Dann sei es zur Massenpanik gekommen, sagt Robert Beugré Mambé, Gouverneur des Distrikts von Abidjan: "Die schiere Masse von Menschen hat hier zu einer großen Panik geführt, zwischen dem Stadion Houphouet-Boigny und dem Parlament. Viele Menschen wurden von der Menge zu Tode getrampelt oder sind erstickt."
Noch werden nach Angaben des Universitätskrankenhauses von Abidjan 50 Verletzte versorgt. Unter den Todesopfern seien vor allem Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Opfer, so hieß es, könne noch weiter steigen. Präsident Alassane Ouattara, der sich am Neujahrstag zum Unglücksort begab, sprach von einem "Drama" und rief eine landesweite Staatstrauer aus.
Tragischer Neujahrsbeginn in der Elfenbeinküste
A. Göbel, ARD Rabat
01.01.2013 19:37 Uhr
Suche nach den Verantwortlichen
Innenminister Hamed Bakayoko sagte im Staatsfernsehen, die Behörden hätten einen Krisenstab eingerichtet. Die Verantwortlichen für mögliche Versäumnisse bei den Sicherheitsmaßnahmen würden zur Rechenschaft gezogen: "Die genauen Umstände dieses tragischen Unglücks werden derzeit genau untersucht. Die Regierung der Elfenbeinküste spricht allen Angehörigen der Opfer ihr tiefstes Beileid aus - und sie wünscht den Verletzten, dass sie bald wieder gesund werden."
Die Feierlichkeiten zum neuen Jahr mit Feuerwerk und festlicher Straßenbeleuchtung hatte sich die Elfenbeinküste einiges kosten lassen. Sie sollten ein Symbol sein für den Neubeginn in dem krisengeschüttelten Land, das Bürgerkrieg und blutige Machtkämpfe mit vielen tausend Toten hinter sich hat: Präsident Ouattara hatte noch am Silvesterabend eine optimistische Fernsehansprache gehalten. Doch das neue Jahr begann für die Elfenbeinküste mit einer Tragödie.
Inzwischen ist eine Debatte über die Sicherheitsmaßnahmen entbrannt: Gerade erst hatte Abidjan die Kora Awards ausgerichtet, die Verleihung des wichtigsten afrikanischen Musikpreises, gleichbedeutend mit dem Grammy. Kritiker behaupten, dafür seien auf Kosten der Elfenbeinküste US-Stars in Privatjets eingeflogen worden - an der Sicherheit der Silvesterfeiern habe die Regierung jedoch möglicherweise gespart.
Stand: 01.01.2013 18:58 Uhr
