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In Elfenbeinküste ist nach einer monatelangen Krise ein neues Parlament gewählt worden. Die Wahl soll einen politischen Neuanfang ermöglichen und die Demokratie festigen - so hofft zumindest Präsident Ouattara. Doch sie könnte Elfenbeinküste auch in eine neue Krise stürzen.
Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat
"Es wird alles dafür getan, dass die Wahlen frei, fair und transparent verlaufen", sagte Präsident Alassane Ouattara am Donnerstag. Er weiß: Die Parlamentswahlen sind eine Nagelprobe für die Elfenbeinküste. Sieben Monate nach der Krise zeigt sich, ob sein Land reif ist für einen Neuanfang - und wie groß Ouattaras Rückhalt wirklich ist. Beobachter rechnen damit, dass seine Regierungskoalition die Mehrheit der Stimmen bekommen wird.
Auch Marie Eugénie, Händlerin aus der Hauptstadt Yamassoukro, will Ouattara ihre Stimme geben: "Ich denke, dass Alassane Ouattara in der Lage ist, dieses Land zu vereinen. Er hat gute Absichten, ich vertraue ihm. Jeder sollte sich nun hinter ihn stellen, damit wir dieses Land wieder aufbauen können."
[Bildunterschrift: Ex-Präsident Gbagbo muss sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. ]
Ende November 2010 war Ouattara zum Präsidenten gewählt worden. Sein Gegner, Laurent Gbagbo, erkannte aber dessen Wahlsieg nicht an. Monatelang stand Elfenbeinküste am Rande eines Bürgerkriegs.
Mindestens 3000 Menschen sollen bei den Kämpfen ums Leben gekommen sein. Mit Hilfe französischer Truppen wurde Gbagbo im April festgenommen. Seit vergangener Woche muss er sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten.
Gbagbos Auslieferung entspannte die Lage in Elfenbeinküste nicht - im Gegenteil. Yao Hervé, Rathausmitarbeiter der Kleinstadt Toumodi im Zentrum des Landes, erzählt: "Als wir die Nachricht bekommen haben, dass Laurent Gbagbo nach Den Haag überstellt wird, haben die Menschen hier den Atem angehalten. Wir hatten befürchtet, dass seine Anhänger Vergeltungsakte planen könnten. Aber glücklicherweise war diese Angst unbegründet."
[Bildunterschrift: Politische Unruhen belasten auch weiter das Land. ]
Trotzdem kam es im Laufe des Wahlkampfs zu einzelnen Scharmützeln, mindestens fünf Menschen wurden getötet. Am Wahltag sollen 25.000 Soldaten für Ruhe und Ordnung sorgen, unterstützt von etwa 7000 UN-Blauhelmsoldaten. Das kritisieren die Anhänger von Gbagbos Partei FPI. Sie werfen Ouattara vor, mit den Soldaten Stimmung machen zu wollen - und kündigten an, die Wahl zu boykottieren.
Das könnte schlimme Konsequenzen haben, fürchtet Thomas Hofnung, Buchautor und Experte für Elfenbeinküste im Fernsehsender TV5 : "Man darf nicht vergessen, dass die Partei von Gbagbo rund 46 Prozent bei der vergangenen Präsidentschaftswahl bekommen hat. Nun wird diese bedeutende politische Kraft nicht in der Nationalversammlung vertreten sein. Die Regierungskoalition muss diese Bewegung wieder schnell einbinden, damit der Versöhnungsprozess wirklich in Gang kommt."
Versöhnung bedeutet allerdings auch, dass die Schuldigen im anderen Lager ebenso zur Verantwortung gezogen werden. Auch Ouattaras Anhänger verübten Gräueltaten, seine Kriegsherren besetzen heute bedeutende Posten in der Armee. Niemand von ihnen wurde bisher zur Verantwortung gezogen. Sollte sich das nicht bald ändern, hat Ouattara ein schweres Glaubwürdigkeitsproblem.
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