Machtkampf in der Elfenbeinküste Die Bevölkerung leidet unter der Anarchie

Stand: 08.04.2011 13:53 Uhr

Outtara-Soldaten in Abidjan | Bildquelle: dapd
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Outtara-Soldaten in Abidjan: Der Präsidentenpalast bleibt in der Hand des Gegners.

Angesichts der Kämpfe um die Residenz des abgewählten ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo bleibt die Lage in der Metropole Abidjan angespannt. Leichen lägen auf den Straßen und Milizen machten weiter die Straßen unsicher, berichteten Einwohner. Der international anerkannte Präsident Alassane Ouattara erklärte das Gebiet um die Residenz zum Sperrgebiet und versprach für Ordnung zu sorgen.

Rund um das Anwesen ist es Augenzeugen zufolge ruhig. Noch in der Nacht waren Explosionen und Schüssen zu hören gewesen. Den Truppen Ouattaras gelang es bisher nicht, die Anlage zu erobern, in der sich der langjährige Präsident mit einigen Getreuen in einem Bunker verschanzt hat.

Einwohner klagen über Nahrungsmittelknappheit

Einwohner von Abidjan berichteten, Nahrungsmittel würden knapp, und die Strom- und Wasserversorgung sei unregelmäßig. Seit Tagen machten bewaffnete Milizen die Straßen unsicher. Die meisten Anwohner verharren aus Angst seit Tagen in ihren Häusern.

Das Bundesentwicklungsministerium stellt eine Million Euro für Flüchtlinge und Vertriebene in dem westafrikanischen Krisenland bereit. Die Nahrungsmittelvorräte seien erschöpft, internationale Unterstützung sei dringend erforderlich, sagte Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz. Man unterstütze das UN-Welternährungsprogramm kurzfristig bei der Versorgung der Flüchtlinge in der Elfenbeinküste und in Liberia mit jeweils 500.000 Euro.

Outtara-Soldaten und eine Zivilistin mit Kind in Abidjan | Bildquelle: dapd
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Die Zivilbevölkerung leidet unter der zusammengebrochenen Infrastruktur.

Weitere Massaker-Opfer entdeckt

UN-Ermittler entdeckten unterdessen im Westen des Landes die Leichen von mehr als hundert Opfern offenbar ethnisch motivierter Gewalt. Sie seien in Duékoué sowie den umliegenden Städten Guiglo und Blolequin gefunden worden, erklärte das UN-Menschenrechtskommissariat. Rund um Duékoué hatte es laut UN vergangene Woche beim Einmarsch der Truppen Ouattaras Massaker gegeben.

Der UN-Sonderbotschafter Youssoufou Bamba sagte, es werde keine weiteren Verhandlungen mit Gbagbo geben. Dieser werde früher oder später gefasst und vor Gericht gebracht. "Es wurde bereits zu viel Blut vergossen", sagte Bamba. "Wir werden Herrn Gbagbo nicht den Luxus erlauben, ein Märtyrer zu werden. Er wird lebend gefangen und sich für seine Verbrechen vor der Justiz verantworten."

Ouattara will Gbagbo aushungern

Ouattara hatte gestern erstmals seit der Eskalation des Machtkampfs in einer Fernsehansprache an das Volk gewandt. Er kündigte an, Berichten über von seinen Anhängern verübte Massaker im Westen des Landes nachzugehen. Ouattara rief alle Landsleute zur Versöhnung auf und versicherte, die Elfenbeinküste sei unteilbar.  

Er versprach, für Ordnung und Sicherheit zu sorgen, und forderte seine eigenen Truppen zu "vorbildlichem Verhalten" auf. Zugleich verkündete er eine Blockade um die Residenz Gbagbos. Diese solle die Anwohner vor den Kämpfen mit Gbagbo und seinen letzten Getreuen schützen. Dann werde man warten, bis Gbagbo Wasser und Nahrungsmittel ausgingen.

Außerdem teilte Ouattara mit, Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erholung des Landes eingeleitet zu haben. Unter anderem habe er die EU um Aufhebung ihrer Sanktionen über die Häfen des Landes gebeten. Der Sprecher der EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die Anfrage werde geprüft.

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