Elefanten im Tsavo-Nationalpark in Kenia | Bildquelle: dpa

Illegaler Elfenbeinhandel Das schmutzige Geschäft mit dem weißen Gold

Stand: 21.12.2016 21:00 Uhr

Der Elfenbeinhandel in Asien boomt. Der illegale Handel mit Roh-Elfenbein wird immer professioneller, auch Deutschland fungiert zunehmend als Drehscheibe. Jetzt fordern die Grünen, auch den Handel mit verarbeitetem Material zu verbieten.

Von Elisabeth Weydt, NDR Info

630 Kilogramm Elfenbein, aufgeteilt auf elf Pakete und so dicht gepackt, dass ein Durchleuchten nicht mehr möglich war. Die Sendung ging dem Zoll im Frühjahr am Flughafen Berlin-Schönefeld ins Netz und führte ihn zu einer Elfenbeinschnitzerei in Rheinland-Pfalz, wo die Beamten weitere 570 Kilo Elfenbein sicherstellten. Bislang ist unklar, ob es sich bei dem Fund um Altbestände oder um gerade erst geschossene Stoßzähne handelt.

Schmuggler werden immer professioneller

Für Wolfgang Schmitz, Sprecher der Zollfahndung, ist dieser Fund ein Indiz dafür, dass Europa und Deutschland für den illegalen Elfenbeinhandel immer attraktiver würden. In seinen Augen spricht das hohe Entdeckungsrisiko, das die Täter eingegangen seien, weniger für ihre Laienhaftigkeit als vielmehr dafür, dass sie sich recht sicher fühlten, nicht entdeckt zu werden.

Insgesamt werde der illegale Elfenbeinhandel in Deutschland und Europa immer professioneller: "Die Täter arbeiten international, sie arbeiten verdeckt, sie arbeiten definitiv organisiert, mit Zügen von dem, was man auch als Organisierte Kriminalität bezeichnen kann." Für frisch geschossenes Elfenbein nähmen sie immer wieder den Umweg über Deutschland und andere europäische Länder. Das diene dazu, die Transportroute von Afrika nach Asien zu verschleiern, wo die Nachfrage nach Elfenbein stetig ansteigt.  "Die Spinnen im Netz sitzen eher in Europa und organisieren hier den Handel mit Elfenbein in Handelsrichtung Afrika, nach Asien via Europa", so Schmitz.

Grüne fordern komplettes Handelsverbot

Doch nicht nur die Täter rüsten auf: Telefonüberwachung, Observationen, Spezialeinheiten. Mittlerweile bekämpfe die Zollfahndung den Elfenbeinschmuggel mit Methoden, die man sonst eher gegen Rauschgift- und Waffenhändler einsetze, so Schmitz.

Für die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Steffi Lemke, reicht das allerdings nicht aus. "Diese Schlupflöcher müssen geschlossen werden, wenigstens hier in Deutschland, in Europa, wo wir ein relativ dichtes Kontrollnetz haben, wo wir eine funktionierende Behördenstruktur haben." Lemke fordert deshalb eine öffentlichkeitswirksame Zerstörung des sichergestellten Elfenbeins, bessere Zollkontrollen und ein komplettes Handelsverbot von sämtlichem Elfenbein, egal ob roh oder verarbeitet.

Ein komplettes Handelsverbot würde auch den Handel mit Antiquitäten betreffen. In deutschen Haushalten gibt es bis zum heutigen Tag tonnenweise Amulette, Statuen und andere Schnitzereien. Ein Verkaufsverbot sei wichtig, da auch mit diesen Altbeständen der asiatische Markt weiter angeheizt würde, so Lemke.

Auch Bundesregierung setzt auf Exportstopp

Ganz so weit will die Bundesregierung nicht gehen. Dennoch sieht auch sie mittlerweile Handlungsbedarf. Das geht aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor, die NDR Info vorliegt. Darin erklärt das Umweltministerium, die Regierung wolle sich künftig auf europäischer Ebene dafür einsetzen, die Elfenbein-Ausfuhr gesetzlich stärker einzuschränken.

In Thailand beschlagnahmtes Elfenbein | Bildquelle: dpa
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In Thailand beschlagnahmtes Elfenbein: Verbot von Export nur in sieben EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland

Bisher ist lediglich der Export von Roh-Elfenbein verboten und das lediglich in sieben EU-Mitgliedsländern, darunter Deutschland. Europa ist noch immer der größte Exporteur von legalem Elfenbein, sagt Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz. Seit 25 Jahren setzt er sich für den Artenschutz ein: "Wenn wir den Elefanten als Art verlieren, verlieren wir das größte Landsäugetier der Erde. Was das für überragende Geschöpfe sind! Und wenn die weg sind, sind die weg. Die kommen auch nicht mehr wieder!"

Jahr für Jahr 20.000 tote Elefanten

Franz Böhmer hält trotzdem nichts von einem Komplettverbot des Handels. Vielmehr sei es wichtig, dass Staatsanwälte und Richter strenger durchgriffen, härtere Strafen verhängten. Auch die Einrichtung einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Artenschutzdelikte sei wünschenswert.

Schätzungen der Umweltorganisation WWF zufolge werden Jahr für Jahr etwa 20.000 Elefanten getötet, um ihre Stoßzähne als Statussymbole nach China, Vietnam und Thailand zu verkaufen. In Tansania und in Zentralafrika haben Wilderer in den vergangenen Jahren die Elefantenpopulation um mehr als die Hälfte dezimiert.

Grüne fordern komplettes Verbot des Elfenbeinhandels
E. Weydt, NDR Info
22.12.2016 18:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Dezember 2016 um 06:23 Uhr

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