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Fischen unter Strom EU-Parlament für Verbot der Elektrofischerei

Stand: 16.01.2018 23:42 Uhr

Das EU-Parlament hat entschieden: Es soll kein EU-weites Elektrofischen geben. Jetzt muss der Rat der EU-Staaten einen Kompromiss finden. Nicht ganz einfach, denn die Haltungen der EU-Länder zum Fischen unter Strom sind sehr unterschiedlich.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Es war eine lange und mühsame Abstimmung. Am Ende siegten die Gegner der Elektrofischerei. Das EU-Parlament hat mehrheitlich dafür gestimmt, dass die elektrische Fischfangmethode in der Europäischen Union verboten wird.

Das sei bedauerlich, findet die SPD-Europaabgeordnete Ulrike Rodust, denn es sei sowieso nur ein kleiner Teil der südlichen Nordsee und der Fangflotte betroffen gewesen, vor allem sei es um die wissenschaftliche Erforschung dieser relativ neuen Fangmethode gegangen. "Man wollte weiter forschen. Ich halte das für sinnvoll, weil sich in der Vergangenheit sehr deutlich gezeigt hat, dass dort, wo Pulsfischerei stattgefunden hat - zum Beispiel in der Krabbenfischerei - auch weniger Beifänge waren", so Rodust.

Bei der Elektrofischerei werden Fische und Krabben, die sich am Meeresboden befinden, durch elektrische Netze aufgeschreckt und dann gefangen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Netze über dem Grund schweben und ihn nicht umpflügen, wie es die schweren Schleppnetze bei der herkömmlichen Fischerei tun. Durch die Elektrofischerei werde der Meeresgrund zu etwa 50 Prozent weniger zerstört, sagt Professor Doktor Adriaan Rijnsdorp von der niederländischen Universität Wageningen, die seit drei Jahren eine große Untersuchung über Elektrofischerei leitet.

Eu-Parlamentarier Lambert und Keller protestieren gegen Elektrofischen | Bildquelle: AFP
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EU-Parlamentarier Lambert und Keller mit einem Plakat gegen das Elektrofischen

Elektrofisch-Gegner: Brutale Stromschlag-Methode

Gegner des Elektrofischens befürchten dadurch eine noch stärkere Überfischung der Meere, weil die Methode effektiver ist. Und sie verteufeln die Stromschlag-Methode als brutal. Tiere könnten durch zu starke Stromschläge verletzt werden. Bei größeren Rundfischen wie dem Kabeljau komme es in einigen Fällen zu so starken Muskelkrämpfen, dass dadurch das Skelett breche, sagt Forschungsleiter Rijnsdorp.

Unterschiedliche Haltungen der EU-Länder

Die Haltungen der EU-Länder zur Elektrofischerei ist sehr unterschiedlich. Vorreiter sind die Niederländer. Sie testen das Elektrofischen bereits seit drei Jahren und ziehen eine positive Bilanz. Vor allem die Franzosen sind gegen die Elektrofischerei. Sie setzten bislang überhaupt nicht auf die elektrische Technik und befürchten daher Wettbewerbsnachteile. Es gab in den vergangenen Wochen hier sehr viel Lobbyarbeit aus Frankreich, sagt die SPD-Europaabgeordnete Rodust. "Die Franzosen haben kein ökologisches Interesse, sondern ein rein ökonomisches Interesse. Sie haben sich bei der Forschungsarbeit nicht beteiligt. Ihre Flotte ist gänzlich ohne Pulsfischerei. Und somit haben sie natürlich - ökonomisch gesehen - größere Verluste", sagt sie weiter.

Die Fischereiminister haben noch ein Wort mitzureden

In Kürze werden die Dreierverhandlungen beginnen - zwischen Vertretern der EU-Länder, der Kommission und des EU-Parlaments. Dort haben auch die Fischereiminister noch ein Wort mitzureden, von denen viele die Elektrofischerei weiterhin erlauben wollten, sagt der CDU-Europaabgeordnete Werner Kuhn. "Ich denke, man wird sich darauf einigen, dass wir diese Forschungsprogramme weiter durchführen werden. Und fünf Prozent der Flotte, auch mit diesen innovativen Fischereimethoden der Pulsfischerei ausrüsten wird", so Kuhn.

Im Sommer nächsten Jahres sollen die Ergebnisse der niederländischen Studie veröffentlicht werden. Dann wird man wohl genauer wissen, wie gefährlich oder ungefährlich die Elektrofischerei für Tiere und Umwelt ist.

EU-Parlament für Verbot der Elektrofischerei
Karin Bensch, WDR Brüssel
16.01.2018 16:00 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 16. Januar 2018 NDR Info um 16:20 Uhr und MDR aktuell um 17:10 Uhr.

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