Ein Mann liest eine salvadorianische Zeitung. | Bildquelle: AP

El Salvador Entsetzen nach Trumps Abschiebe-Drohung

Stand: 09.01.2018 18:37 Uhr

Die Ankündigung von US-Präsident Trump, 200.000 Salvadorianer abzuschieben, hat das kleine mittelamerikanische Land geschockt. Die Rückkehr so vieler Bürger würde das Land vor unlösbare Probleme stellen.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Entsetzte Gesichter auf den Titelblättern der Tageszeitungen, Sondersendungen im Fernsehen - El Salvador kann noch nicht glauben, was die US-Regierung angekündigt hat: Das Schutzprogramm für 200.000 Einwanderer soll enden. Doch El Salvador lebt von seinen Auswanderern in den USA. Die mit 70 Prozent größte Devisenquelle des kleinen mittelamerikanischen Landes sind ihre Rücküberweisungen in die Heimat. Jede fünfte Familie hängt davon ab.

Marilenis Ramirez‘ Ehemann wanderte vor 18 Jahren in die USA aus und schickt seitdem jeden Monat Dollar. "Ich kann nicht akzeptieren, was der US-Präsident gesagt hat", erklärt sie. "Ich mache mir große Sorgen, aber mein Mann sagt, er bleibt so lange, bis sie ihn rauswerfen."

Wendy Guillen studiert in der Hauptstadt San Salvador und blickt in eine unsichere Zukunft, weil ihre Ausbildung ohne die Überweisungen des Vaters gar nicht möglich wäre. "Ich bin traurig und besorgt", sagt sie. "Wenn sie meinen Vater zurückschicken, kann ich nicht weiter studieren. Ich weiß nicht, ob er hier eine Arbeit finden würde."

Schutzprogramm nach Katastrophenjahr

El Salvador ist etwa so groß wie Hessen und hat knapp siebeneinhalb Millionen Einwohner. Mehr als zwei Millionen Bürger leben in den USA. Das Land erlebte mehrere Ausreisewellen. Vor allem nach dem Bürgerkrieg, der erst Anfang der 1990er-Jahre endete, und nach dem Katastrophenjahr 2001 mit zwei Erdbeben und anschließendem Kaffeepreisverfall wanderten viele in die USA aus. Dort bekamen sie dank des US-Schutzprogramms TPS die Erlaubnis zu bleiben. Nach 16 Jahren, in denen viele eine Familie gegründet haben, befürchten sie nun, dass sie abgeschoben werden.

El Salvadors Regierung bemüht sich darum, die Wogen zu glätten. Außenminister Hugo Martínez erklärt, welche Verhandlungserfolge mit der US-Regierung erzielt worden seien.

Demonstranten halten Schilder hoch, auf denen steht: "Defend TPS". (TPS steht Temporary Protective Status, zu deutsch: Zeitweiliger Schutzstatus.) | Bildquelle: AP
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Auch in den USA protestierten viele gegen die Entscheidung, das Schutzprogramm TPS (Temporary Protective Status, zu deutsch: Zeitweiliger Schutzstatus) zu beenden - wie hier im Lafayette Park in Washington D.C.

"Wir konnten eine Verlängerung  von maximal 18 Monaten aushandeln", berichtet Martínez. "Bis zum 9. September 2019 können die Betroffenen also weiter in den USA arbeiten. In diesen 18 Monaten werden wir unermüdlich mit dem Kongress der USA zusammenarbeiten,  um eine dauerhafte Lösung  für unsere Landsleute zu finden."

Hohe Mordrate

Die US-Regierung begründet ihre Entscheidung damit, dass die Bedingungen in El Salvador heute andere seien als nach den Naturkatastrophen von 2001. Fluchtgründe gibt es aber immer noch reichlich: In keinem Land gibt es so viele Gewaltdelikte außerhalb von Kriegsgebieten wie in El Salvador.

2015 maß das Land die höchste Mordrate der Welt. Extreme Armut und Ungleichheit führen zu großen sozialen Problemen. Auch Bandenkriminalität  treibt viele in die Flucht in den Norden, wo bereits viele Angehörige leben.

El Salvador muss den größten Schlag der Trump-Regierung gegen Einwanderer mit besonderem Schutzstatus verkraften. Zuvor traf es etwa 60.000 Haitianer, die seit dem verheerenden Erdbeben von 2010 in den USA leben durften, und 5300 Nicaraguaner, die nach Hurrikan "Mitch" im Jahr 1998 aufgenommen wurden.

El Salvadors Reaktion auf Trumps Abschiebungsdrohung
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko City
09.01.2018 17:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Januar 2018 um 06:51 Uhr.

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