Überschwemmungen in Paraguay | Bildquelle: AFP

Unwetter in Südamerika El Niño bringt schwere Überschwemmungen

Stand: 29.12.2015 00:16 Uhr

Das Wetterphänomen El Niño sucht Südamerika mit Dürren und Überschwemmungen heim. Besonders schwer betroffen ist Paraguay. Allein dort mussten 140.000 Menschen fliehen. In den nächsten Tagen soll es weitere Niederschläge geben.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Südamerika

In Südamerika hat El Niño, das Christkind, etwa 180.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Vor allem Paraguay ist betroffen: In der Nähe der Hauptstadt Asunción fließen zwei Hochwasser führende Flüsse zusammen, ganze Stadtteile sind in den schlammigen Fluten versunken. Allein dort mussten sich rund 140.000 Menschen in Sicherheit bringen.

 In Banado Norte, einem Armenviertel im Norden der Hauptstadt, schimpfen die Menschen, die Regierung habe sich nur um sie gekümmert, als der Papst im Juli kam, jetzt komme keine Hilfe an: "Als der Papst kam, wurde alles in Bewegung gesetzt, selbst der Präsident kam. Alles wurde hergerichtet, damit es schön aussieht, alles war gut organisiert. Aber jetzt leben die Menschen auf der Straße und es kommt kaum Hilfe an."

Überschwemmungen in Paraguay | Bildquelle: AFP
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Die Menschen beklagen, dass die Regierung ihnen nicht hilft.

Die Regierung habe nur Sperrholzplatten geliefert, damit sie sich behelfsmäßige Hütten zusammenzimmern können, erzählen die Bewohner. Die stehen jetzt anklagend mitten im Regierungsviertel neben dem Parlament. Es könnte Wochen oder gar Monate dauern, bis das Wasser abfließt.

Die Gesundheitsbehörden warnen bereits vor Krankheiten. Agueda Cabello vom Nationalen Gesundheitsdienst sagt, schon vor den jüngsten Überschwemmungen habe es eine wachsende Zahl an Fällen von Dengue-Fieber und Tropen-Krankheiten gegeben, die durch Mückenstiche übertragen werden: "Das dürfte mit dem Phänomen El Niño zusammenhängen, und das schon im Vorgriff auf die eigentliche El Niño-Saison."

Dürre und Überschwemmungen

Das Wetterphänomen El Niño tritt mehr oder weniger regelmäßig auf und sorgt weltweit, je nach Region, für Dürren und Waldbrände oder für katastrophale Niederschläge.

El Niño, das Christkind heißt es, weil sich in Südamerika die schlimmsten Folgen meistens in der Weihnachtszeit zeigen. Kolumbien meldet Dürre und Waldbrände. In Paraguay und den Nachbarländern hat es so viel geregnet wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Schwere Überschwemmungen in weiten Teilen Südamerikas
tagesschau24 14:00 Uhr, 29.12.2015, Ben Buck, ARD-aktuell

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Verbindung nach Argentinien in Gefahr

Noch können Lastwagen die Brücke bei Puerto Falcon passieren, die Paraguay mit Argentinien verbindet. Aber die Angst ist groß, dass diese wichtige Verbindung unterbrochen wird, auch wenn der Zöllner Carlos Nunez im Fernsehsender ABC beruhigen will: "Die Grenze ist nicht geschlossen, man kann ganz ruhig über die Straße fahren. Da stehen vielleicht 30 oder 40 Zentimeter Wasser auf der Straße auf 500 Metern Länge. Da können die Kleinbusse aber ohne Probleme durchfahren."

Auch der Süden von Brasilien, der Norden von Argentinien und Uruguay sind betroffen. In Argentinien mussten rund 20.000 Menschen rund um die Stadt Concordia am Rio Uruguay ihre Häuser verlassen.

Unwetter Paraguay | Bildquelle: REUTERS
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Argentiniens Präsident Mauricio Macri machte sich vom Hubschrauber aus ein Bild von der Lage.

Die argentinische Regierung gesteht sogar ein, dass das Land auf solche Notsituationen schlecht vorbereitet ist: "Diese El-Niño-Lage war seit Monaten bekannt. Wir müssen die Fähigkeit des Staates, auf solche Notfälle zu reagieren, sie vorherzusehen und ihnen vorzubeugen, enorm verbessern",  sagt Marcos Pena, der Kabinettschef von Argentiniens Präsident Mauricio Macri. Damit schiebt er die Schuld der Vorgängerregierung von Ex-Präsidentin Cristina  Kirchner zu, denn Macri ist erst seit zwei Wochen im Amt.

Immerhin: In Argentinien steigen die Wasserstände im Moment nicht mehr. Aber für Paraguay gibt es noch lange keine Entwarnung, im Gegenteil: Der Wetterdienst sagt für die nächsten Tage weitere ergiebige Regenfälle voraus.

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