Der mexikanische Drogenboss Guzmán | Bildquelle: dpa

"El Chapo" an USA überstellt Perspektive: lebenslänglich

Stand: 20.01.2017 21:44 Uhr

Aus seinem neuen Gefängnis dürfte kein Tunnel hinausführen: Mexiko hat den Drogenboss "El Chapo" an die USA ausgeliefert. In New York wartete eine ganze Heerschar von Staatsanwälten und Ermittlern auf ihn - mit einer langen Anklageliste.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Über ein Dutzend Staatsanwälte, Drogenfahnder und Ermittler sind in New York aufmarschiert. Lange haben sie auf diesen Moment gewartet - und auf diesen Mann.

Seit den 1990er-Jahren fordern die USA die Auslieferung von Joaquin Guzman, genannt "El Chapo", genannt aber auch "El Rapido", "Shorty" und selbst "Inge". So heißt es in der 33 Seiten umfassenden Anklageschrift, die dem ARD-Studio New York vorliegt. Nun haben sie ihn bekommen.

Vom Tumor zum Flächenbrand

Robert Capers führt als Staatsanwalt für das östliche New York, das auch El Chapos künftigen Gerichtsort Brooklyn umfasst, die Gruppe der Ermittler an. Guzmans "zerstörerischer und mörderischer Aufstieg" als ein internationaler Drogenhändler entspreche "dem von einem kleinen Tumor hin zu einem Flächenbrand", sagt er.

Der gemeinsame Auftritt soll zeigen: Hier gibt es kein Kompetenzgerangel, alle Ermittler gehen gemeinsam gegen Guzman vor. Und er soll die Entschlossenheit der US-Regierung zeigen, "solche internationalen Drogenhändler zu verfolgen, die unsere Nachbarschaften zerstören", sagt Staatsanwalt Wifredo Ferrer aus Florida.

Die Liste der Anklagepunkte ist lang

New Yorks Staatsanwalt Capers listet insgesamt 33 Anklagepunkte auf. Allein 17 davon richteten sich gegen die "fortgesetzte kriminelle Unternehmung" des Drogenbosses, wie es im Juristen-Englisch heißt. Sie deckten die Jahre 1989 bis September 2014 ab, seine Führung des so genannten Sinaloa-Kartells und Verschwörungen, Rivalen umbringen zu lassen.

Hinzu kämen weitere 16 Punkte - unter anderem Schusswaffengebrauch und Geldwäsche. Im Fall einer Verurteilung drohe "El Chapo" zwingend lebenslänglich, so der Staatsanwalt.

Dazu kämen weitere lebenslängliche Strafen zwegen Drogenverbrechen. Neben den Ermittlern zeigt ein Schaubild eine Drogenroute als dicken roten Pfeil von Mexiko an die Ostküste der USA und damit auch nach New York. "Wir sehen Guzman im Zusammenhang mit über 7,5 Tonnen Kokain und Heroin, die in den USA beschlagnahmt wurden - darunter vier Tonnen allein in Brooklyn, Queens und Long Island."

Auslieferung zum interessanten Zeitpunkt

Einen Meilenstein der Strafverfolgung nennt Capers die Auslieferung Guzmans an die USA. Es ist zugleich ein Meilenstein zu einem interessanten Zeitpunkt: Will Mexiko mit dem Termin Barack Obama eine Art Abschiedsgeschenk machen? Oder ein Zeichen des guten Willens an den neuen Präsidenten Donald Trump richten, der eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten will? Oder geht es darum, genau den Moment dazwischen treffen, um beiden gerecht zu werden?

Für Staatsanwalt Capers ist etwas anderes ausschlaggebend. "Sein Leben steht ausschließlich für Kriminalität, Gewalt, Tod und Zerstörung - und jetzt bekommt er die Antwort darauf."

New Yorker Staatsanwalt: 33 Anklagepunkte und lebenslänglich für „El Chapo"
K. Clement, ARD New York
20.01.2017 21:50 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2017 um 20:00 Uhr.

Korrespondent

Darstellung: