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Afghanistans neue Eisenbahnstrecke hat ihren ersten Belastungstest bestanden: Gemächlich verließ eine Lok die Provinzhauptstadt Masar-i-Sharif. Mit Hilfe der neuen Route soll die Wirtschaft angekurbelt werden - sie könnte aber auch für den geplanten Abzug der internationalen Kampftruppen eine wichtige Rolle spielen.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Eine Lok und sieben leere Anhänger rollen im Norden Afghanistans gemächlich über die Schienen - heraus aus der Provinzhauptstadt Masar-i-Sharif, in der die Bundeswehr ihr größtes Feldlager hat, in Richtung Hairatan an der afghanisch-usbekischen Grenze.
Ein junger Mann verfolgt die Probefahrt mit glänzenden Augen. Für ihn verbindet die einzige afghanische Eisenbahn seine eingeschlossene Heimat mit der Welt - und er hofft, dass die Bahn eines Tages durch das ganze Land fahren wird.
Irgendwann in der Zukunft, wenn alles gut geht, soll die 75 Kilometer lange Strecke tatsächlich Teil eines großen, zentralasiatischen Schienennetzes sein. Aber bis dahin ist es noch ein langer, weiter Weg. Der neue Teilabschnitt im Norden Afghanistans hat rund 165 Millionen Dollar gekostet - finanziert von der internationalen Staatengemeinschaft.
Haruhido Kuroda, Präsident der Asiatischen Entwicklungsbank, hat schon beim ersten Spatenstich im vergangenen Jahr die enorme Bedeutung des Projekts betont - für die Wirtschaft, für den Abbau von Bodenschätzen: "Das Projekt verkörpert Afghanistans Stellenwert als zentralasiatischer Knotenpunkt für Handel und Gewerbe. Die Bahn wird die wirtschaftliche Entwicklung beschleunigen. Die Eisenbahn drückt den Wunsch der Afghanen aus, eine neue Rolle in der Welt zu spielen."
Bei der ersten, echten Probefahrt mit leeren Wagons ist nichts passiert. Afghanische Soldaten und Polizisten haben entlang der 75 Kilometer-Trasse in regelmäßigen Abständen Stützpunkte errichtet. Doch die Gefahr von Anschlägen bleibt, denn es ist viel leichter und effektiver, einen langsam fahrenden Güterzug anzugreifen als einzelne LKW.
Bislang läuft der Güterverkehr in Afghanistan ausschließlich über die Straße. An den Grenzübergängen bilden sich täglich kilometerlange Staus. Die neue Eisenbahnroute soll die Abwicklung im Norden beschleunigen - und sie soll die große Abhängigkeit von den südlichen Nachschubrouten, die alle aus Pakistan kommen, verringern helfen. Das wäre auch für die Kampftruppen der NATO wichtig, die bis Ende 2014 mit ihrem schweren Gerät das Land verlassen wollen.
Die afghanische Regierung und der Westen beschuldigen Pakistan, Teile der radikal-islamischen Taliban zu unterstützen. Das macht die zentralasiatischen Nachbarn im Norden wie Usbekistan und Tadschikistan umso interessanter.
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