Eisberge in der Weddell-See in der Antarktis | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/M

Kampf gegen Wassermangel Das Eisberg-Projekt von Kapstadt

Stand: 29.05.2018 10:57 Uhr

Eisberge aus der Antarktis nach Kapstadt schleppen und vor der Küste schmelzen - im Kampf gegen den Wassermangel. Diese Idee wurde erst belächelt. Jetzt wurde ein Investor gefunden.

Von Andreas Herrler, ARD-Studio Johannesburg

Wenn irgendwo in den Weltmeeren ein größeres Schiff kentert oder eine Bohrinsel in Flammen aufgeht, ist Nicholas Sloane zur Stelle. Der 56-jährige Südafrikaner hat seit 30 Jahren eine Firma für Schiffsbergungen und kann Einsätze in solchen Größenordnungen bewältigen. Er hat weltweit nicht einmal zehn Konkurrenten.

Vor der Küste Italiens hat er die Bergung des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia geleitet. Derzeit aber ist kein Schiff zu bergen - und so hat Nick Sloane neue Pläne: "Jedes Jahr brechen etwa 140.000 Eisberge aus der Antarktis ab, treiben durch den Südlichen Ozean und schmelzen. Unsere Idee ist es, diese Eisberge mit Satellitentechnik zu lokalisieren, sie bei Gough Island - etwa 2500 Kilometer südwestlich des Kaps - einzufangen und dann zum Benguelastrom zu schleppen." Diese Meeresströmung fließt direkt an Kapstadt vorbei.

Nicholas Sloane | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Nicholas Sloane hat die Bergung der "Costa Concordia" geleitet - jetzt will er Eisberge einfangen.

Investor ist interessiert

Seine Idee wurde zunächst von vielen belächelt. Aber nun hat Sloane tatsächlich einen Investor gefunden: ein Schweizer Unternehmen, das 130 Millionen Dollar investieren will, um Eisberge nach Kapstadt zu bringen. Dort herrscht immer noch Wasserknappheit.

"Wir machen nördlich von St. Helena Bay fest, rund 40 Kilometer vor der Küste. Wir können 70 Prozent des Wassers vom Eisberg nutzen, das sind 130 bis 150 Millionen Liter am Tag - und das ein Jahr lang. Das entspricht 20 bis 25 Prozent dessen, was Kapstadt braucht", so Sloane.

Auf dem Eisberg würde dann eine Mulde ausgegraben, um geschmolzenes Wasser zu sammeln, in Tanker zu pumpen und dann per Unterwasserleitung an Land zu schicken. Die Stadt Kapstadt wollte davon zunächst nichts wissen. Zu teuer, zu kompliziert, zu riskant sei das Ganze. Aber nun, da es einen Investor gibt, ist man auf einmal anderer Meinung. Sowohl die Stadt, als auch die Provinz und der Staat sagen: Vielleicht wäre das doch eine Idee.

Startet das Projekt im Juli?

"Wir sind sehr glücklich, dass die Stadt Kapstadt, die Provinz und auch die nationale Regierung daran interessiert sind und mehr darüber erfahren wollen. In der ersten Juliwoche haben wir noch mal ein Seminar mit Klimaexperten. Dann werden wir auch wissen, wie die Regenfälle im Winter waren und was wir tun müssen, um Wasser nach Kapstadt zu bringen. Vielleicht wäre das Eisberg-Projekt eine dieser Möglichkeit. Wir glauben, dass wir ab Juli einiges zu tun haben."

Dafür eignet sich aber nicht jeder Eisberg, sagt Sloane. "Es muss ein Eisberg sein, der 80 bis 100 Millionen Tonnen wiegt, 800 bis 1000 Meter lang ist, 400 bis 450 Meter breit und 220 Meter tief."

Wenn alles gut geht, soll der erste Eisberg im Dezember eingefangen werden - gerade noch rechtzeitig, wenn das Wasser wieder knapp wird. Denn im Dezember ist in Südafrika wieder Sommer.

Das Eisberg-Projekt von Kapstadt - kommt es nun doch?
Andreas Herrler, ARD Johannesburg
29.05.2018 09:50 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. Mai 2018 um 21:30 Uhr - ausgestrahlt auf tagesschau24. Am 29. Mai 2018 berichtete Deutschlandfunk um 06:26 Uhr in den "Informationen am Morgen".

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