Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Australien gehen langsam aber sicher die Fachkräfte aus. Der zuständige Minister Evans will mit einer Änderung der Einwanderungsbestimmungen gegensteuern. Seit Jahren gilt eine Liste mit bevorzugten Berufsgruppen, die ins Land gelassen werden. Diese wird mit sofortiger Wirkung abgeschafft.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien
[Bildunterschrift: Neue Bestimmungen bei Arbeitsvisa sollen Fachkräfte ins Land locken ]
Künftig würden mehr Fachkräfte für die Branchen ins Land geholt, in denen Arbeitskräfte benötigt werden, sagte Einwanderungsminister Chris Evans im australischen Rundfunk. Gesucht würden Bergbau-Ingenieure, Ärzte und Krankenschwestern statt Köche und Frisöre: "Die Liste war schon längst nicht mehr aktuell. Es waren viel zu viele Berufe auf dieser Liste, die schon längst nicht mehr dem Bedarf der australischen Wirtschaft entsprachen." Stattdessen soll es nun eine viel kürzere Liste geben, mit jenen Berufen, die die Wirtschaft braucht und die Australiens eigenes Bildungssystem nicht zur Verfügung stellen kann. "Diese Reform bedeutet ein Einwanderungsmodell, das nicht angebotsorientiert ist, sondern nachfrageorientiert," erläutert Evans.
Die Neuregelung trifft vor allem private Bildungseinrichtungen und ausländische Studenten, die dort eingeschrieben sind. Nach Einschätzung der australischen Regierung hatten diese die bisher gültige Liste der Berufe genutzt, um sich für leicht zugängliche Ausbildungsprogramme an Schulen und Hochschulen in Australien einzuschreiben. So wollten sie leichter eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. 20.000 solcher Anträge, die bereits vor 2007 eingereicht worden waren, wurden jetzt unter den neuen Bestimmungen abgelehnt. Bereits bezahlte Gebühren sollen den Antragstellern erstattet werden - insgesamt 14 Millionen Dollar.
[Bildunterschrift: Australiens Einwanderungsminister Evans: "Bildungspolitik und Einwanderungspolitik waren nicht im Einklang." ]
Der private Bildungssektor ist eine der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Zeitungsberichten zufolge werden in jedem Jahr umgerechnet acht Milliarden Euro mit privaten Bildungsangeboten in Australien umgesetzt. Die Branche befürchtet dramatische Auswirkungen durch die neuen Visa-Bestimmungen und Verärgerung bei den Studenten. Andrew Smith, der Vorsitzende des Rates der privaten Bildungseinrichtungen, zeigt dafür Verständnis: "Die ausländischen Studenten hatten zwar nie eine Garantie, dass sie ein Arbeitsvisum bekommen. Aber natürlich hatten sie eine gewisse Erwartung. Und das wird jetzt Verzweiflung und Verärgerung hervorrufen."
Einwanderungsminister Evans verteidigte die neuen Bestimmungen für die Arbeitsvisa, auch gegen die Kritik der Opposition. "Unsere Einwanderungspolitik wird ja nicht für die Interessen der privaten Bildungseinrichtungen gemacht. Eine gute Schule wird sehr schnell in der Lage sein, die Bildung anzubieten, die benötigt wird." Das bisherige Modell habe die Bildungsauswahl der ausländischen Studenten beeinflusst. Sie hätten einfach das gelernt, was auf der Liste stand. "Deshalb hatten wir zehntausende Frisöre und Köche. Damit waren das Bildungsprogramm und die Einwanderungspolitik nicht mehr im Einklang. Und das wollen wir ändern", so Evans.
Medienberichten zufolge wurden allein im vergangenen Jahr 170.000 Anträge für eine Arbeitserlaubnis in Australien gestellt. Nur 108.000 hätten eine Zusage erhalten.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW