Eine Weltkarte der ILGA zur rechtlichen Lage von Homosexuellen.

Rechtslage von Homosexuellen Deutschland - eher ein Nachzügler

Stand: 28.06.2017 13:38 Uhr

In Deutschland dürfen Homosexuelle bislang nicht heiraten, sondern nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Andere Länder sind da schon weiter - auch solche, von denen man es nicht erwarten würde. Ein Überblick über die Rechtslage in der Welt.

Anders als Deutschland haben rund 20 andere Länder weltweit die Ehe für alle bereits eingeführt. Darunter sind unter anderem Länder wie Argentinien, Uruguay, Brasilien und Kolumbien. In allen vier Ländern dürfen die verheirateten homosexuellen Paare zudem Kinder adoptieren. Auch in Taiwan dürfen Homosexuelle seit Mai 2016 heiraten - das entschied der Oberste Gerichtshof des Landes.

Selbst konservatives Spanien ist dabei

Weltweit Vorreiter für die gleichgeschlechtliche Ehe waren die Niederlande. Sie waren das erste Land, in dem 2001 die Eheschließung vor dem Standesamt auch Homosexuellen zugestanden wurde. Es folgten Belgien, Norwegen, Schweden, Portugal, Island, Dänemark, Frankreich, Großbritannien (ausgenommen Nordirland), Luxemburg und Finnland. Selbst in Staaten wie Spanien und Irland, in denen die katholische Kirche lange Zeit sehr starken Einfluss hatte, ist die Ehe für alle erlaubt - in Irland entschied das Volk sogar per Referendum dafür.

In Deutschland und den umliegenden Staaten wie etwa der Schweiz, Österreich und auch Italien dürfen Homosexuelle nicht heiraten - aber sie können eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Damit bleiben sie hinter den meisten westeuropäischen Ländern zurück.

In Nordamerika führte Kanada 2005 das Recht auf Eheschließung und Adoption für Homosexuelle ein. In vielen Provinzen wurden gleichgeschlechtliche Verbindungen aber bereits vor 2005 erlaubt. In den USA ist die Ehe für alle nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs seit 2015 möglich. Bis dahin hatten noch 14 von 50 Bundesstaaten dies untersagt.

Insgesamt betrachtet ist die rechtliche Situation von Homosexuellen in Europa und Amerika vergleichsweise gut.

alt Ein homosexuelles Paar mit seinen zwei Kindern bei einem Familienausflug | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gleichgeschlechtliche Eltern - kein Nachteil für Kinder

Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern entwickeln sich genauso wie Kinder mit gemischt-geschlechtlichen Eltern. Das belegen nach Angaben der Psychologin Ina Bovenschen vom Expertise- und Forschungszentrum Adoption (EFZA) internationale und nationale Studien. Demnach sei nicht die Familienform für das Kindeswohl entscheidend, sondern die Art und Weise, wie Familie gelebt werde, sagte sie tagesschau24. "Dementsprechend ist es auch so, dass in vielen Ländern gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen."

Laut EFZA erfolgt derzeit jede achte Adoptionsbewerbung in Deutschland durch ein gleichgeschlechtliches Paar oder eine Einzelperson.

In der deutschen Studie habe sich sogar gezeigt, dass sich gleichgeschlechtliche Paare im Gegensatz zu gemischt-geschlechtlichen durch größere Wärme in ihrem Elternverhalten auszeichneten. Festgestellt wurde aber auch, "dass es Hinweise gibt, dass Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Familien aufwachsen, zum Teil mehr Diskriminierungen durch Gleichaltrige ausgesetzt sein können". Durch positives Elternverhalten könne dies jedoch ausgeglichen werden.

Lage in Afrika ist schwierig

Ganz anders sieht die Lage in Afrika aus. Als erstes und bislang einziges Land auf dem Kontinent führte Südafrika im November 2006 die Ehe für Homosexuelle mit Adoptionsrecht ein. Im Sudan wird Homosexualität indes mit der Todesstrafe bestraft. Eine ähnliche Rechtslage herrscht auch in Mauretanien - dort wird die Todesstrafe nach Informationen der internationalen Organisation ILGA nicht vollstreckt.

In weiteren afrikanischen Staaten, wie etwa Sambia, Tansania, Eritrea und Äthiopien drohen Homosexuellen Strafen von 14 Jahren bis hin zu lebenslanger Haft.

Protestaktion gegen das Homosexuellen-Gesetz in Uganda.
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Maskierte Kenianer protestieren im Jahr 2014 in Nairobi gegen die Diskriminierung von Homosexuellen.

Todesstrafe im Nahen Osten

Am kritischsten ist die Situation für Homosexuelle im Nahen Osten. So sehen die Gesetze in Saudi-Arabien, im Jemen, im Irak, im Iran, in Afghanistan und in Pakistan die Todesstrafe für Homosexuelle vor. Vollstreckt wird diese in Saudi-Arabien, dem Irak, Jemen und dem Iran.

In osteuropäischen und vielen asiatischen Staaten ist die rechtliche Lage von Homosexuellen relativ schwammig. In Ländern wie Russland und China werden Homosexuelle im Alltag oft diskriminiert. In Russland gibt es zudem seit 2013 ein Gesetz, das positive und sogar neutrale Aussagen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder in den Medien verbietet. Bei einem Verstoß können Strafen von umgerechnet bis zu 2500 Euro verhängt werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juni 2017 um 15:00 Uhr.

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