Fragen und Antworten

Helfer bringen eine dekontaminierte Leiche für die Beerdigung zurück zu seiner Familie.  | Bildquelle: dpa

FAQ Was ist Ebola?

Stand: 22.10.2015 15:19 Uhr

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist außer Kontrolle. Tausende Menschen sind bereits an der Fieberkrankheit gestorben. Warum ist dieser Ausbruch so massiv? Lässt sich die Epidemie überhaupt bekämpfen? tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Was ist Ebola genau?

Ebola ist eine Fiebererkrankung, die durch Viren übertragen wird. Sie ist in etwa 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich. Vor fast 40 Jahren, 1976, wurde die Krankheit erstmals in Zaire entdeckt, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Die Krankheit tritt in Wellen auf, der größte bisher registrierte Ausbruch hält Westafrika seit März dieses Jahres in Atem.

Was sind typische Ebola-Symptome?

Typische Anzeichen für eine Ebolaerkrankung sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) starke Schwäche, Fieber, Kopf- und Halsschmerzen sowie Muskelschmerzen. Später kann es zu Erbrechen, Durchfall und Hautausschlag kommen, auch Nieren- und Leberfunktionen können beeinträchtigt sein. In manchen Fällen leiden Erkrankte unter inneren und äußeren Blutungen. Die Symptome treten etwa zwei Tage bis drei Wochen nach der Ansteckung auf.

Wie wird Ebola übertragen?

Das Virus wird durch direkten Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten übertragen. Dazu gehören Blut, Speichel, Urin, Durchfall oder Sperma. Deshalb sind besonders Personen anfällig, die in engem Kontakt mit Erkrankten stehen, also Familienmitglieder, Ärzte oder Pflegepersonal. Auch Tiere können Menschen mit dem Virus anstecken. Risikotiere sind Affen, Fledermäuse (vor allem Flughunde) und Antilopen. Bislang ist nicht nachgewiesen, dass Ebola von Mensch zu Mensch durch die Luft übertragen wird. In Studien wurde allerdings festgestellt, dass Tiere sich auch auf dem Luftweg infizierten.

Wie sind die Überlebenschancen?

Es gibt fünf verschiedene Virenstämme. Vier davon können Menschen gefährlich werden. Je nach Virenstamm und der medizinischen Versorgung sterben etwa 25 bis 90 Prozent der Erkrankten. Bei dem aktuellen Ausbruch liegt die Todesrate nach Angaben der WHO bei 50 Prozent. Die meisten Patienten sterben vermutlich an Organversagen, das durch Blutgerinnung ausgelöst wird.

Weshalb wirkt das Virus im Vergleich zu anderen Viren derart tödlich?

Ärzte können nur Mutmaßungen anstellen - ganz exakt kann die Wissenschaft die komplexe Wirkung des Virus noch nicht erklären, da Ebola im Menschen noch nicht ausführlich erforscht ist. Nach bisherigen Erkenntnissen wirkt das Virus vermutlich so tödlich, weil es im Vergleich zu anderen eine sehr komplexe Reaktion im menschlichen Körper auslöst. Zum einen vermehrt es sich rasend schnell. Gleichzeitig wirkt es schwächend auf das Immunsystem: Die körpereigene Abwehr wird also dadurch bei vielen Menschen deutlich gehemmt, der Körper mit Viren geradezu überschwemmt. Damit einher geht eine starke Entzündungsreaktion im Körper.

Hinzu kommt, dass das Ebola-Virus die Zellen an den Innenwänden der Blutgefäße befällt und die Blutgerinnung durcheinander bringt. Es kommt zu hohem Flüssigkeitsverlust, der zum Schock sowie zum Multiorganversagen des Körpers führen kann. Die sehr hohe Sterblichkeitsrate in Afrika ist jedoch auch Folge der Armut in den betroffenen Ländern: Erkrankte werden spät als solche erkannt und es fehlt an medizinischer Infrastruktur, um etwa durch Infusionen dem Patienten eine höhere Überlebenschance zu geben.

Sind an Ebola Erkrankte bei optimaler medizinischer Versorgung in jedem Fall rettbar?

Nein. Experten vermuten jedoch, dass die Sterblichkeitsrate hierzulande in einer Fachklinik wesentlich niedriger läge - bei vermutlich unter 50 Prozent bei guter Konstitution. Das liegt u.a. daran, dass man bei guter medizinischer Versorgung einen Schock behandeln kann, indem man u.a. den Flüssigkeitsverlust des Körpers durch Infusionen ausgleicht und dadurch Zeit für den Patienten gewinnt. Das körpereigene Immunsystem hat dann mehr Zeit, sich gegen das Virus durchzusetzen. Auch neue Medikamente lassen hoffen.

Wie hoch ist das Risiko für freiwillige Helfer im Krisengebiet?

Ein Restrisiko bleibt. Von hier aus entsandte freiwillige Helfer wären in jedem Fall stark gefährdet, sobald sie sich infiziert hätten. Denn selbst bei optimaler und rechtzeitiger medizinischer Versorgung ist das Sterblichkeitsrisiko nicht ganz in den Griff zu kriegen. Jedoch ist insgesamt das Risiko nach Auskunft von Fachärzten und WHO relativ gering. Denn man kann sich als Helfer mit Schutzausrüstung sehr effizient - auch vor Ort im Krisengebiet im Kontakt mit Ebola-Patienten - vor einer Ansteckung schützen. Das Risiko ist vermutlich vergleichbar mit dem Risiko, als Helfer vor Ort Opfer einer Gewaltat oder eines Autounfalls zu werden.

Warum ist das Virus so schwer unter Kontrolle zu bekommen?

In den betroffenen Ländern fehlt die medizinische Ausrüstung, um die Krankheit zu stoppen. Außerdem arbeitet die Bevölkerung nicht gut mit den Hilfskräften zusammen. In Westafrika trauen die Menschen Krankenhäusern nicht und suchen sie daher selten auf. Vielen Menschen muss erklärt werden, wie ein Virus wirkt. In den Dörfern ist es häufig Tradition, die Toten zu berühren und zu waschen. Durch die schlechte Infrastruktur in Westafrika ist zudem die Aufklärung der Bevölkerung schwierig. Außerdem gehen viele Menschen tief in den Wald zum Jagen, so dass das Risiko steigt, mit infizierten Tieren in Kontakt zu kommen.

Wie kann die Epidemie eingedämmt werden?

Vor allem durch bessere Aufklärung der Bevölkerung und dadurch verbesserte Hygienemaßnahmen. Durch weit verbreiteten Analphabetismus und die schlechte Infrastruktur ist das nicht einfach. Außerdem muss lückenlos geklärt werden, mit wem Infizierte in Kontakt waren, so dass diese Personen beobachtet werden können. Mehr Hilfskräfte würden die Situation ebenfalls verbessern, denn Überarbeitung und Übermüdung führen häufig zur Missachtung von Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln.

Die WHO hat Ebola als "internationalen Gesundheitsnotfall" eingestuft. Was bedeutet das?

Die Einstufung stellt eine völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschrift dar. Sie gibt der WHO die Möglichkeit, weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs zu erlassen. Möglich sind unter anderem Quarantäne-Maßnahmen wie die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. Die Seuchenexperten schlugen außerdem Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche in den betroffenen Staaten vor. Dazu gehören: Ausrufung des nationalen Notstands, Einrichtung nationaler Krisenzentren zur Koordinierung von Präventions- und Notfallmaßnahmen, Einbeziehung lokaler Kräfte (Stammesälteste, Clanchefs etc.) und flächendeckende Versorgung mit medizinischen Gütern, insbesondere mit Schutzkleidung.

Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Um sich mit Ebola anzustecken, müssten Reisende mit den Körperflüssigkeiten oder Organen eines Patienten oder infizierten Tieres in Berührung kommen. Selbst wenn das Virus in Deutschland vorkäme, wäre das Verbreitungsrisiko gering. Angehörige müssten die Erkrankten ohne Schutz pflegen oder selbst beerdigen, damit sich Ebola weiter verbreiten kann. Auch die WHO-Einstufung hat für Deutschland keine direkten Folgen. Wie das Robert-Koch-Institut mitteilt, erfüllt Deutschland die WHO-Empfehlungen.

Gibt es begründete Hoffnungen auf ein Gegenmittel?

Die WHO hat die Hoffnungen auf ein bald zur Verfügung stehendes Medikament gegen Ebola gedämpft. Bislang habe bei keinem angewandten Mittel nachgewiesen werden können, dass es gegen die Krankheit wirke, bei einigen könne es gar definitiv ausgeschlossen werden, sagte WHO-Experte Martin Friede Mitte November. Hoffnung hatte etwa das sonst bei HIV-Patienten verwendete Präparat Lamivudine geweckt, nachdem ein Arzt dies benutzt hatte und andere ihm gefolgt waren. Es habe sich aber herausgestellt, dass das Mittel keine Auswirkungen auf Ebola habe. Auch der Erfolg des Medikaments ZMapp der kalifornischen Biotechfirma Mapp Biopharmaceuticals habe bislang nicht nachgewiesen werden können, sagte der Wissenschaftler. Zwei mit Ebola infizierte amerikanische Helfer hatten das Mittel erhalten und sich bald erholt. Der positive Verlauf der Krankheit könne jedoch ebenso ein Ergebnis der guten Pflege der Patienten gewesen sein oder weil die Kranken vor ihrer Infizierung wohlgenährt gewesen seien. Ebenso könnten andere Medikamente eine Rolle gespielt haben, da die Patienten zwei bis vier unterschiedliche Präparate erhalten hätten.

Wie sieht es mit einem Impfstoff gegen Ebola aus?

Auch hier gibt es bislang noch keinen zugelassenen Impfstoff. In mehreren Ländern haben Tests mit potenziell viel versprechenden Stoffen begonnen. Die WHO setzt derzeit vor allem auf die laufenden Tests von zwei möglichen Impfstoffen, die sich in Phase eins der klinischen Studien befinden: der Wirkstoff "ChAd3-EBO-Z", der vom US-Institut für Allergien und ansteckende Krankheiten (NIAID) zusammen mit dem Pharmahersteller GlaxoSmithKline entwickelt wurde, und das Mittel "rVSV-ZEBOV", das von den kanadischen Gesundheitsbehörden entwickelt und vom US-Labor Merck produziert wird.

Zusammengestellt von Alexander Drößler und Corinna Emundts für tagesschau.de

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