Wirtschaftliche Folgen der Ebola-Epidemie Sogar Reis wird knapp

Stand: 01.09.2014 17:14 Uhr

Quarantäne-Stationen, Reisebeschränkungen, gekappte Flugverbindungen: Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die ohnehin bettelarmen Staaten Sierra Leone, Liberia und Guinea auch wirtschaftlich von der Ebola-Epidemie hart getroffen werden.

Von Jens Borchers, ARD-Hörfunkstudio Rabat

John Mahama ist zurzeit Vorsitzender der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS. Der Präsident Ghanas bemüht ein altes afrikanisches Sprichwort: "Wenn es im Haus des Nachbarn brennt, muss man helfen. Sonst brennt das Feuer als nächstes Dein Haus nieder!" Das klingt gut, es hapert nur mit der praktischen Umsetzung.

Hinweisschild "Attention! Ebola" (Vorsicht! Ebola!) in Abidjan in der Elfenbeinküste | Bildquelle: dpa
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"Attention! Ebola", "Vorsicht! Ebola!", in Abidjan in der Elfenbeinküste

Denn Mahama zitiert das Sprichwort in Ghanas Hauptstadt bei einem Treffen der westafrikanischen Gesundheitsminister. Aber die Vertreter von Sierra Leone, Liberia und Guinea fehlen bei diesem Treffen. Weil es keine Flugverbindungen nach Ghana mehr für sie gab. Zurzeit bedienen nur noch zwei Fluglinien Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone. "Übertriebene Reisebeschränkungen, geschlossene Grenzen - das wird der Wirtschaft in der Region schaden", fürchtet Mahama.

Bauern trauen sich nicht auf die Felder

Der Internationale Währungsfonds IWF rechnet mit scharf absackenden Wachstumsraten für Sierra Leone, Liberia und Guinea. Damit, dass Lebensmittel knapp werden, dass Löcher in den Staatshaushalten entstehen. Und damit, dass die Beschäftigung vor allem in der wichtigen Landwirtschaft zurückgeht. Jetzt müsste eigentlich geerntet werden. Aber in Sierra Leone trauen sich die Bauern nicht auf die Felder. Sie fürchten, sich bei anderen mit Ebola anzustecken.

Wichtige Rohstoff-Konzerne haben ihre internationalen Mitarbeiter längst abgezogen und die lokalen Kräfte nach Hause geschickt. Eisenerz-Minen sind davon betroffen, Diamanten auch. Die Minen von Sierra Leone liegen in den Epizentren der Ebola-Seuche, die Arbeiter bleiben ängstlich zu Hause. Die Wirtschaftsleistung wird einbrechen, das reißt Löcher in die Staatsbudgets.

Grundnahrungsmittel werden knapp

"Wir werden für Sierra Leone und Liberia wahrscheinlich Budget-Hilfen bereitstellen", sagt der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, Donald Kaberuka. "Die Zuversicht in die Wirtschaftsentwicklung sackt ab, wir wollen deshalb Signale geben, dass diese Länder sich wieder aufrappeln werden. Deshalb müssen auch die Fluggesellschaften wiederkommen."

Momentan deutet aber nichts darauf hin, dass sie wiederkommen. Grundnahrungsmittel wie Reis werden knapp, weil es immer schwieriger wird Importe in die Länder zu bringen.  Und alle starren auf die Entwicklung in Nigeria. Afrikas größte Volkswirtschaft meldete gerade einen Ebola-Toten in der Stadt Port Harcourt. Dort schlägt das Herz der Erdöl-Industrie Nigerias. 90 Prozent der Exporterlöse fließen aus dem Geschäft mit dem schwarzen Gold. Wenn sich das Ebola-Virus in Port Harcourt weiter ausbreiten sollte - es wäre ein Albtraum für die Wirtschaft Nigerias.

Noch scheint das Gesundheitssystem Nigerias eine breite Ebola-Epidemie abwehren zu können. Aber der Afrika-Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO erlaubt sich bereits jetzt den Hinweis: "Dieser Ausbruch zeigt, dass alle afrikanischen Staaten mehr in die Gesundheitssysteme investieren müssen."

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