"Earth Overshoot Day": Wir verbrauchen 1,5 Erden

Sicht aus dem Weltraum auf die Erde (Bildquelle: picture alliance / dpa)

"Earth Overshoot Day"

Wir verbrauchen 1,5 Erden

"Ab heute leben wir auf Pump!", heißt die Botschaft von Umweltaktivisten. Sie errechneten den 20. August als Tag, an dem die Menschheit so viel natürliche Ressourcen verbraucht hat, wie die Welt in einem Jahr regenerieren kann. Ausgerufen wird der "Earth Overshoot Day", auf Deutsch etwa "Erdschuldentag", vom Global Footprint Network, einer Umweltorganisation mit Hauptsitz im kalifornischen Oakland.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Es ist wie beim Kontoauszug: Da gibt es Einnahmen und Ausgaben. Und wer mehr ausgibt, als er einnimmt, der rutscht in die roten Zahlen, in die Schulden.

Und genau da sind wir mit der Welt ab heute. Das sagen zumindest die Umweltaktivisten vom Global Footprint Network. Sie berechnen dafür den sogenannten "ökologischen Fußabdruck" der Menschheit.

Earth Overshoot Day - "Ab heute leben wir auf Pump"
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
20.08.2013 04:21 Uhr

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Seit 25 Jahren über die Verhältnisse gelebt

Um unseren Verbrauch an Nahrungsmitteln und Energie zu decken, braucht es Acker- und Weideland, Fischgründe und Wälder. Was geerntet und gefangen wird, wächst normalerweise auch wieder nach. Normalerweise. Denn seit Mitte der 1980er-Jahre schon lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse, verbraucht also mehr, als nachwächst oder sich regeneriert.

Netz eines Krabbenkutters (Bildquelle: picture alliance / WILDLIFE)
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Ernte (Bildquelle: dpa)
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Hochsaison: Getreideernte in Deutschland

Ums mit dem Kontovergleich zu sagen: Um unsere Schulden zu bezahlen, müssen wir an die Ersparnisse der Erde ran. Wälder schrumpfen, Arten sterben aus, Ökosysteme kollabieren. Rechnet man den weltweiten Ressourcenbedarf nun auf ein Jahr um, dann gibt es irgendwann den Tag, an dem wir das Angebot verbraucht haben - und das Jahr ist noch nicht zu Ende.  

Das Datum ist nur ein ungefährer Wert, aber die Tendenz ist klar: Der erste Earth Overshoot Day war 1987 noch am 19. Dezember. Bis 2011 war der Tag dann schon in den September gerutscht, und nun also der 20. August.

Drei Erden für die Europäer, fünf für die Amerikaner

Sicht aus dem Weltraum auf die Erde (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Eine Erde reicht nicht mehr. Die Menschen verbrauchen zu viele Ressourcen.

Zur Zeit liegen wir nach den Berechnungen des Global Footprint Networks bei 1,5 Erden, die nötig wären, um unseren jährlichen Bedarf zu decken, ohne dass die Erde Schaden nimmt. Und das ist nur ein Durchschnittswert.

Wenn jeder so leben würde wie die Europäer, bräuchte man demnach drei Erden, bei den Amerikanern sind es sogar fünf. Ob der Earth Overshoot Day daran etwas ändert, ist fraglich.

Der Schweizer Mathis Wackernagel, Gründer des Global Footprint Network, macht sich da wenig Hoffnung: Selbst wenn man die vorsichtigen Schätzungen der Vereinten Nationen zu Grundlage lege, sei klar, dass die Menschheit 2050 im Jahr doppelt so viel Ressourcen verbraucht, wie die Erde wiederherstellen kann.

Dieser Beitrag lief am 20. August 2013 um 11:40 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 20.08.2013 04:59 Uhr

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