Ein Schriftzug "SOS" ist auf dem Display eines Bordcomputers mit Touchpad eines Volkswagen Fahrzeuges zu sehen. | Bildquelle: dpa

eCall wird Pflicht Autos rufen selber Hilfe

Stand: 31.03.2018 10:53 Uhr

Alle in der EU neu zugelassenen Automodelle müssen von nun an eCall haben. Das Notrufsystem wählt bei einem Unfall selbstständig die 112. Die EU hofft auf halbierte Rettungszeiten und bis zu 2500 Tote weniger pro Jahr.

Autos die bei einem Unfall selbstständig den Notruf wählen - das ist ab heute in der EU Pflicht. Das Notfallsystem eCall muss in allen neu zugelassenen Modellen eingebaut sein. "eCall hat das Potenzial, viele Menschenleben zu retten, indem es die Reaktionszeit der Rettungsdienste verkürzt", erklärte der Vorsitzende des europäischen Herstellerverbands, Erik Jonnaert.

Das neue System stellt nach einem Unfall automatisch eine Sprachverbindung zur nächsten Rettungsleitstelle her. Falls die Insassen nicht reagieren, können auf Grundlage von GPS-Daten direkt Rettungsdienste zum Unfallort geschickt werden.

Eingehender Notruf in einer Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes
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Bei den Rettungsdiensten geht der vom Auto abgesetzte Notruf unverzüglich ein. So sollen Helfer schneller am Unfallort sein.

Rettungszeiten sollen halbiert werden

Die EU hofft, dass sich die Reaktionszeiten der Rettungskräfte auf dem Land um 50 und in der Stadt um 40 Prozent verringern. Der Berufsverband Rettungsdienste weist darauf hin, dass diese Erwartungen für Deutschland wohl schwer zu erfüllen seien. Im bundesweiten Durchschnitt dauert es laut dem Vorsitzenden Marco König derzeit knapp zehn Minuten, bis nach einem Notruf ein Retter am Unfallort ist. Eine Verringerung um 50 Prozent würde bedeuten, dass es nur noch fünf Minuten wären. Kaum realistisch, meint König. Da spielten ganz andere Faktoren eine Rolle als nur der rasche Anruf bei der Leitstelle, etwa die Logistik der Rettungswagen. In anderen EU-Staaten dauert es dagegen länger, bis Hilfe kommt - laut dem österreichischen Roten Kreuz bis zu 20 Minuten.

Experten zufolge sinkt die Überlebenschance bei lebensgefährlich Verletzten pro Minute um zehn Prozent. Die EU-Kommission rechnet vor, dass europaweit mit eCall bis zu 2500 Menschenleben pro Jahr gerettet werden könnten. Das Europaparlament geht von bis zu 1500 aus. Derzeit sterben jährlich etwa 25.000 Menschen auf europäischen Straßen.

Einführung des Notrufsystems "eCall"
01.04.2018

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Wie funktioniert das System?

Das Notrufsystem funktioniert über eine im Auto eingebaute Sim-Karte. Wenn es kracht und etwa der Airbag ausgelöst wird, wird automatisch die europäische Notrufnummer 112 gewählt und die Position des Fahrzeugs an die Rettungsdienste übertragen. Fahrer können den Notruf auch selbst über einen Knopf wählen, wenn sie etwa Zeugen eines Unfalls werden oder eine Herzattacke erleiden. Der Notruf ist kostenlos. Abgesichert ist das System durch einen Notakku, falls die Autobatterie beim Unfall ausfällt.

Die Positionsdaten werden erst im Fall eines Unfalls übermittelt. Eine dauerhafte Überwachung soll durch eCall nicht möglich sein.

EU schreibt ab 1. April Notrufsystem "eCall" in Neuwagen vor
Pascal Lechler, SWR Brüssel
31.03.2018 23:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. März 2018 um 08:12 Uhr.

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