Gericht prüft vorzeitige Haftentlassung von Kindermörder Dutroux' Gnadengesuch als Provokation

Stand: 04.02.2013 01:28 Uhr

Marc Dutroux hat Mädchen entführt, vergewaltigt und gefoltert - vier mussten sterben. Dafür wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Brüsseler Gericht berät nun über den Antrag des Kindermörders auf vorzeitige Haftentlassung. Eine Entscheidung soll es Mitte Februar geben.

Von Leon Stebe, RBB, ARD-Hörfunkstudio Brüssel

Marc Dutroux
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Kindermörder Dutroux während der Gerichtsverhandlung in Arlon 2004

Der Fall Dutroux lässt die Belgier immer noch nicht los. Es gibt Demonstrationen. Es fliegen Steine und Flaschen gegen ein belgisches Nonnenkloster, das Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin des Kindermörders, nach ihrer vorzeitigen Haftentlassung aufgenommen hat. Das war vor einem halben Jahr. Genau zu diesem Zeitpunkt hat auch Marc Dutroux beantragt, freigelassen zu werden.

Die Angehörigen der Opfer können es nicht fassen. Paul Marchal ist der Vater von Ann, jenem Mädchen, das der Kinderschänder in einem Keller verhungern ließ. "Das ist ein Schlag ins Gesicht. Nach Michelle Martin - jetzt Marc Dutroux. Ich kann das nicht zulassen. Ich will das nicht. Martin hat es geschafft, freizukommen und plötzlich scheint alles möglich."

Vor neun Jahren wurde Dutroux verurteilt und sitzt seitdem eine lebenslange Haftstrafe ab. Der Kindermörder will vorzeitig seine Zelle verlassen. Er stellt sich ein Leben mit einer elektronischen Fußfessel vor. So hat er es beantragt. Und das ist völlig legal. Aus all seinen Strafen und nach den Urteilen haben Juristen errechnet, dass Dutroux theoretisch ab April 2013 freigelassen werden kann.

Der belgische Richter Freddy Pieters sagt, die Justiz müsse dieses Anliegen von Dutroux prüfen: "Der Antrag wurde gestellt und das Gericht kann die Freilassung erwägen. Allerdings kann es auch entscheiden, dass die Tat solch einen Schock in der Gesellschaft ausgelöst hat, dass der Frieden in diesem Fall noch nicht eingekehrt ist."

Dass er sich verändert hat, glaubt auch sein Anwalt nicht

Dass kein Frieden in der Gesellschaft einkehren kann, liegt zu allererst an Dutroux selbst. Er beschwerte sich über die Haftbedingungen. Aber ein Wort der Reue, eine Entschuldigung an die Eltern der Kinder gab es von ihm nicht. Dass er sich im Gefängnis verändert hat, glaubt noch nicht einmal sein Anwalt. Ein Antrag auf Hafturlaub wurde vor kurzem abgelehnt, mit dem Hinweis, er sei stark rückfallgefährdet.

Dutroux darf sich daher wenig Hoffnungen machen, bald freigelassen zu werden. Für die Angehörigen ist dieses Gnadengesuch vor allem eine Provokation. Es sei aber auch keine Überraschung, sagt Jean-Denis Lejeune: "Ich habe den Antrag auf vorzeitige Haftentlassung sogar noch viel früher erwartet. Als seine Ex-Frau Michelle Martin freigekommen ist, dachte ich, Dutroux würde es auch versuchen. Und siehe da, es dauerte nur einen Monat."

Angehörige der Opfer wehren sich

Lejeunes achtjährige Tochter Julie ist in der Gewalt des Ehepaars Dutroux gestorben. Seitdem kämpft er um die Rechte der Opfer und will zusammen mit anderen Angehörigen den belgischen Staat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagen. Die betroffenen Familien wehren sich dagegen, dass sie nach belgischem Recht bei einem Antrag auf Freilassung des Täters nicht ausreichend gehört werden. Sie wollen - so wörtlich - keine "Zimmerpflanzen" in dem Verfahren sein, sondern aktiv mitreden, wenn die Justiz über Dutrouxs Zukunft entscheidet.

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