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Strafe von Michelle Martin zur Bewährung ausgesetzt
Exfrau von Kindermörder Dutroux kommt frei
16 Jahre nach ihrer Festnahme wird die Exfrau des belgischen Kindermörders Marc Dutroux aus der Haft entlassen. Die 52-Jährige darf in ein Kloster im Süden des Landes ziehen - vorausgesetzt, sie bleibt den Familien der Opfer fern und hält einen strikten Resozialisierungsplan ein. Die Eltern der Ermordeten sind entsetzt.
Von Andreas Reuter, HR-Hörfunkstudio Brüssel
Sie war nicht nur die unbeteiligte Ehefrau des berüchtigten Kinderschänders: Das Gericht hatte Michelle Martin als Mittäterin verurteilt. Sie wusste von den Taten ihres Mannes und hatte ihn dabei sogar unterstützt. Diese Frau jetzt freizulassen, sagt Paul Marchal, Vater eines der ermordeten Mädchen im flämischen Radio, das komme für ihn wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel: "Wenn man sie jetzt freilässt, wen wird man dann überhaupt noch im Gefängnis halten? Und wer wird jemals seine vollständige Haft absitzen müssen?" fragt er. Und fügt hinzu: Dann wird Marc Dutroux selbst ja wohl auch bald freikommen.
Kein Verständnis bei Eltern der Opfer
30 Jahre Haft lautete seinerzeit das Urteil gegen Michelle Martin. Rechnet man die Untersuchungshaft hinzu, dann hat sie 16 Jahre abgesessen. Nach belgischem Recht kommt ihre Freilassung sogar ungewöhnlich spät. Immer wieder waren ihre Anträge auf Entlassung abgelehnt worden. Immer wieder hatten die Angehörigen der Opfer protestiert - so wie Jean-Denise Lejoune, ebenfalls Vater eines der ermordeten Mädchen.
Exfrau von Kinderschänder Dutroux kommt frei
A. Reuter, HR Brüssel
31.07.2012 16:04 Uhr
Nein, diese Frau habe keine Chance auf ein neues Leben verdient, hatte er schon Monate vor der heutigen Entscheidung erklärt: "Sie hat unseren Kindern auch keine zweite Chance gegeben. Am 12. Dezember 1995, als Marc Dutroux eingesperrt wurde, hätte sie tausendmal die Möglichkeit gehabt, die Tür zum Verlies aufzumachen und die Kinder zu befreien." Oder wenigstens ihnen zu essen und zu trinken zu geben - und das habe sie nicht gemacht.
Er sprach von der Zeit, als Marc Dutroux wegen eines anderen Vergehens im Gefängnis saß und Michelle Martin zwei Mädchen, von deren grausamer Gefangenschaft in Dutroux' Folterkeller sie wusste, nicht versorgte, so dass sie elend zu Tode kamen.
Nun aber kommt die 52-Jährige doch frei. Das Gericht sah gute Chancen auf eine Resozialisierung. Immerhin hat sie einen Platz gefunden, wo sie leben kann: ein kleines Kloster im Süden von Belgien.
Stand: 31.07.2012 16:52 Uhr
