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Viele US-Landkreise sind Katastrophengebiet
Dürre treibt Getreide- und Fleischpreise in die Höhe
Die USA leiden derzeit unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten. In den vergangenen sechs Wochen legten die Preise für Mais und Weizen schon um rund 50 Prozent zu. Auch Fleisch kostet mehr, denn die Preise für Viehfutter steigen ebenfalls. Viele Viehzüchter verdienen gut damit, und auch sonst sind die Landwirte vorteilhaft abgesichert. Die Rechnung der Krise zahlen meist andere.
Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington
Thommy Bowles baut Viehfutter an. Sein Maisfeld ist ein Trauerspiel. Der Farmer aus Maryland zeigt dem amerikanischen Fernsehsender CNN seine magere Ernte. Die Kolben sind klein, verschrumpelt und ein bisschen braun. Nicht prall und gelb, wie sie der Amerikaner gerne auf dem Grill hat. Statt Sojabohnen hat er nur trockenen Staub in der Hand.
Seit zwei Wochen hat dieser Boden keinen Tropfen Wasser gesehen. "Es ist die schlimmste Dürre, die ich je erlebt habe", sagt Bowles, "ich habe auch meinen Vater gefragt, der hat so etwas zuletzt 1948 gesehen. Es tut weh."
Dürre gefährdet Lebensmittelversorgung
S. Fritz, SWR Washington
03.08.2012 01:59 Uhr
Hälfte der Landkreise zum Katastrophengebiet erklärt
Seit Wochen liegen die USA unter einem Hitzeschirm. Besonders vertrocknet sind Mais und Sojabohnen, es fehlt an Heu für die Tiere. Die Hälfte der Landkreise in den Vereinigten Staaten sind inzwischen zum Katastrophengebiet erklärt worden.
Die Farmer dort kommen leichter an Kredite. Die teuren Prämien für die Ernteausfallversicherung müssen nicht gleich gezahlt werden. Es gibt Heu für die Rinder aus zusätzlichem Weideland.
Die Dürre so schreibt die US-Regierung hat den größten Einfluss auf die Landwirtschaft seit 1988. Landwirtschaftsminister Tom Vilseck sagte: "Es ist eine sehr schwierige Zeit für die Getreidebauern. Viele sehen die harte Arbeit des Frühjahrs durch das extreme Wetter beschädigt. Die Viehbauern sind besonders betroffen, weil sie nicht genügend Heu haben und die Kosten für das Viehfutter ansteigen."
Lieber schlachten, statt teuer füttern
Es ist eine Kettenreaktion die in der Landwirtschaft abläuft: Es gibt nicht genügend Futter für die Tiere. Weil das Viehfutter deshalb so teuer ist, schlachten viele Rinderzüchter lieber ihre Kühe.
Das Angebot an Fleisch wird knapp, Steaks und Hamburger werden teurer. "Schwein wird um zwei bis drei Prozent teurer, Rindfleisch um drei bis vier Prozent", schätzt Ricky Volpe vom US-Landwirtschaftsministerium.
Auswirkungen in anderen Ländern spürbar
Doch die magere Ernte trifft nicht nur die amerikanischen Verbraucher. Die USA sind der größte Getreidelieferant der Welt. China, Kanada, Mexiko und Japan halten die Hände auf, um Weizen, Mais und Soja aus den USA zu empfangen.
Landwirtschaftsminister Vilseck verspricht, dass die USA weiter liefern werden: "Ich hatte ein Gespräch mit dem chinesischen Landwirtschaftsminister und habe ihm versichert, dass wir ein verlässlicher Lieferant bleiben werden, trotz der Dürre. Dank neuer Technologien und weil wir zusätzliche Flächen angebaut haben, werden wir vielleicht in diesem Jahr trotzdem eine der zehn besten Ernten einfahren können."
Die Rechnung zahlen die Armen
Also, alles nicht so schlimm? Die Getreidebauern sind ganz gut abgesichert. 85 Prozent des Anbaugebietes sind durch eine Ernteausfallversicherung abgedeckt. Da die Fleischpreise so hoch sind, machen viele Rinderzüchter in diesem Jahr einen satten Gewinn. Es sind die anderen, die die Rechnung bezahlen.
Der Chef der Weltbank, Jim Yong Kim, schrieb in dieser Woche: "Die Dürre in Amerika hat einen großen Einfluss auf die Ärmsten in der Welt. Die Getreidepreise auf dem Weltmarkt sind um 20 bis 30 Prozent gestiegen. Höhere Lebensmittelpreise bedeuten für manche Familien, sie können ihre Kinder nicht mehr in Schulen schicken, und sie essen weniger gesunde Nahrung. Dies hat einen lebenslangen Einfluss auf die soziale und körperliche Situation von Millionen Jugendlichen."
Stand: 03.08.2012 02:28 Uhr
