Viele Dorfbewohner warten darauf Essen an einem offiziellen Verteilerpunkt zu erhalten.  | Bildquelle: REUTERS

Dürre in Äthiopien Eine Hungersnot mit Ansage

Stand: 03.02.2016 18:38 Uhr

In Äthiopien bedroht eine Dürre große Teile der Bevölkerung. Das Welternährungsprogramm der UN rechnet mit bis zu 15 Millionen Hungernden. Die Instrumente zur Bekämpfung der Krise wären zwar vorhanden, es mangelt aber an Geld.

Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Es ist eine Krise mit Ansage. Schon vor Monaten haben UN-Organisationen vor einer Dürrekatastrophe in Äthiopien gewarnt. Auch beim Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen wusste man, welche Folgen das Klimaphänomen "El Niño" haben würde.

"Es hat schon im März 2015 begonnen und wird bis Mitte 2016 dauern. Die Folgen aber werden noch bis ins Frühjahr 2017 spürbar sein", sagt Rogiero Bonifacio, Klimaexperte im WFP-Hauptquartier in Rom. "El Niño" habe schon früh Einfluss auf die Vegetationsperiode in Zentralamerika und eben auch in Äthiopien gehabt, wo eine der trockensten Perioden der letzten 50 Jahre gemessen werde, so der Klimaexperte.

Ein Junge in Äthiopien läuft durch ein verdürrtes Feld | Bildquelle: AP
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Nicht nur die Ernte fällt in vielen Regionen aus, auch viele Tiere fallen der Dürre zum Opfer.

15 Millionen Hungernde werden Nahrungshilfen brauchen

Bei mehreren Millionen Betroffenen in Äthiopien schlagen die Vereinten Nationen Alarm: Angesichts von trockenen Feldern und vielen toten Tieren werden fast viermal so viele Menschen wie vor einem Jahr in den kommenden Monaten auf Nahrungshilfen angewiesen sein. Die Fachleute rechnen mit bis zu 15 Millionen Hungernden.

Das Tragische ist, dass Äthiopien in den Augen der Fachleute große Fortschritte gemacht hatte. Vieles hat sich seit Mitte der 1980er-Jahre verbessert. Damals waren bis zu eine Million Menschen am Hunger gestorben. Aber die aktuelle Krise übertrifft eben vieles, was bisher passiert ist, sagt auch WFP-Direktorin Ertharin Cousin: "Das ist ein anderes Äthiopien als 1984. Aber wir brauchen eine internationale Gemeinschaft, die anerkennt, dass wir nicht mehr warten dürfen, bis Babys verhungern."

Bei der UN-Welternährungsorganisation mit Sitz in Rom denkt man trotz der akuten Notlage eher langfristig. Dort hat man Konzepte entwickelt, die künftig die Folgen der Dürre abmildern sollen. Die müssen jetzt schleunigst auf den Weg gebracht werden, damit die nächste Ernte deutlich besser wird, sagt Shukri Ahmed, der das Programm koordiniert: "Es gibt einen sofortigen Handlungsbedarf, wir müssen in den nächsten Wochen dort sein, damit die Bauern und Hirten wieder mit der Landwirtschaft beginnen können", meint er. Der Hilfsbedarf sei sehr dringend.

Dürre im Westen Afrikas | Bildquelle: WFP/Phil Behan
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Infolge des Klimaphänomens "El Niño" traf eine Dürre Äthiopien - dort droht jetzt eine Hungersnot.

Vage Hilfszusagen statt reale Spenden

Das Problem ist nur, dass das noch nicht alle begriffen haben. Für die Soforthilfen und auch für die langfristigen Projekte wird dringend Geld gebraucht. Das WFP rechnet mit 300 Millionen US-Dollar, sofort. Aber die UN-Organisation finanziert sich nur durch Spenden. An vagen Zusagen mangelt es nicht, tatsächlich aber ist nur etwa ein Drittel des Hilfsbedarfs bis zum Sommer finanziert.

Dabei sind Fachleute, wie Shukri Ahmed von der Welternährungsorganisation sicher, dass auch die kurzfristigen Hilfsgelder in Äthiopien einen langfristigen Effekt haben können: "Das geht, indem wir Gemeinschaften und Lebensgrundlagen schaffen, die gegen die Trockenheit resistent sind. Es wird weiter diese Dürren geben, durch den Klimawandel vielleicht sogar öfter, und wir können das nicht aufhalten. Aber wir können verhindern, dass aus so einer Dürre eine Krise, eine Verwüstung wird." Die Instrumente sind da, nur das Geld fehlt. Und wenn das so bleibt, kommt die nächste Dürrekrise mit Ansage ganz bestimmt.

Dürre in Äthiopien: UN Organisationen schlagen Alarm
J.-C. Kitzler, ARD Rom
03.02.2016 17:28 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 03. Februar 2016 um 17:50 Uhr bei Inforadio.

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