Cumhuriyet-Chefredakteur Dündar

Ex-Chefredakteur Dündar kritisiert die Bundesregierung "Besorgt sein hilft uns türkischen Journalisten nicht"

Stand: 02.11.2016 06:53 Uhr

Nach der Festnahme mehrerer Mitarbeiter der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" zeigt sich der ehemalige Chefredakteur Dündar enttäuscht über die Bundesregierung. Deren Reaktion sei "wirklich schwach", sagte Dündar der "Welt". Von Europa erwarte er ein klares Signal für die Demokratie.

Der ehemalige Chefredakteur der türkischen Oppositionszeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, hat sich enttäuscht über die Reaktion der Bundesregierung auf die Verhaftungen in der Türkei gezeigt. "Die Reaktion der deutschen Regierung war wirklich schwach", sagte Dündar der "Welt". "Auch im Vergleich mit anderen westlichen Partnern der Türkei, wie etwa der Reaktion der USA".

Nach den Festnahmen der 13 Mitarbeiter der Zeitung hatte die Bundesregierung über ihren Sprecher Steffen Seibert ihre Sorge "über das Vorgehen gegen Presse in der Türkei und gegen Journalisten in der Türkei" geäußert.

Berlin habe die Verhaftungen damit nicht einmal verurteilt, so Dündar, der im Exil in Deutschland lebt. "Besorgt sein hilft uns türkischen Journalisten nicht."

Von den europäischen Regierungen erwarte er ein klares, mutiges Signal für die Demokratie in der Türkei.

"Hier geht es auch um grundlegende Prinzipien Europas, um grundlegende Menschenrechte. Seit Jahren sind die Europäer dauernd besorgt. Aber das ändert nichts."

Am Montag hatten die türkischen Behörden die Mitarbeiter, darunter auch "Cumhuriyet"-Chefredakteur Murat Sabuncu, wegen angeblicher Unterstützung einer terroristischen Organisation festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Zeitung vor, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen unterstützt zu haben. Die Redaktion wies die Vorwürfe entschieden zurück und kritisierte die Festnahmen als rechtswidrig.

Medien an der Kandare

Scharfe Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan äußerte die Organisation "Reporter ohne Grenzen". Er kontrolliere im Zuge des derzeitigen Ausnahmezustands einen Großteil der relevanten Nachrichtenmedien in der Türkei.

Außerdem seien dort mindestens 130 Journalisten im Gefängnis, mindestens 140 Medien seien geschlossen worden, teilte die Organisation zum UN-Welttag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten mit. Aus diesem Anlass nahm sie Erdogan in die neue Liste der "Feinde der Pressefreiheit" auf.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 31. Oktober 2016 um 18:15 Uhr

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