Das wilde Flüchtlingslager nahe Calais | Bildquelle: AFP

"Dschungel" von Calais soll geräumt werden "Die Situation ist völlig außer Kontrolle"

Stand: 05.09.2016 01:48 Uhr

"Dschungel" - so wird das wilde Flüchtlingslager außerhalb der Hafenstadt Calais genannt. Die französische Regierung will das Camp nun schrittweise weiter verkleinern - auch auf Druck der Anwohner. Für sie ist die Situation schon lange nicht mehr tragbar.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

"In dieser Situation wissen die Migranten nicht mehr, was sie tun sollen. Sie sind auf das Dach des Lkw gestiegen, haben es geöffnet und sind hineingeklettert". Olivier Beaubart ist einer von vielen Lkw-Fahrern, die regelmäßig Ware vom französischen Calais nach Großbritannien bringen. Doch die Strecke zum Hafen von Calais ist für ihn und für viele seiner Kollegen zum Spießrutenlauf geworden.

Lkw und Migranten vor dem Eurotunnel nahe Calais | Bildquelle: AP
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Lkw warten vor dem Eurotunnel auf die Weiterreise nach Großbritannien. Die Migranten hoffen auf eine Chance, in ihnen mitzufahren - egal wie.

"Unsere Fahrer werden fast jede Nacht von Migranten aufgehalten", bestätigt Sébastien Rivéra vom Verband für Lkw-Fahrer in Calais. "Sie blockieren den Verkehr auf der Autobahn oder auf der Straße zum Hafen mit Reifen oder Baumstämmen. Manchmal zünden sie die Barrikaden auch an. Wenn der Lkw anhält, bedrohen sie den Fahrer. Sie versuchen, in den Anhänger zu gelangen. Sie bringen die Ware durcheinander. Ihr Ziel ist es, sich darin zu verstecken. Die Situation ist völlig außer Kontrolle."

Die Anwohner demonstrieren für den Abriss

Auch aus Sicht von Geschäftstreibenden in Calais und Anwohnern ist die Situation schon lange nicht mehr tragbar. Deshalb demonstrieren sie für den Abriss des "Dschungel" von Calais mit einer Schneckentempo-Aktion, Blockaden auf der Autobahn und der Hafenstraße sowie einer Menschenkette bis zum Hafen.

Auch Landwirt Xavier Fossey wird mit dabei sein. Sein Hof liegt unweit der Autobahn. Er klagt über Tausende Euro Schaden, verursacht von den Bewohnern des Flüchtlingscamps: "Jede Nacht kommen die Migranten auf mein Gelände, um zwei, drei Uhr morgens. Sie verstecken sich im Getreide, damit sie nicht von der Polizei oder den Fernfahrern erwischt werden."

Protestaktionen gegen das Flüchtlingslager in Calais
tagesschau 15:00 Uhr, 05.09.2016, Mathias Werth, ARD Paris

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Es kommen immer mehr Migranten nach Calais

Die Lage in Calais ist explosiv. Im Frühjahr hatte die französische Regierung den südlichen Teil des Flüchtlingslagers abreißen lassen. Doch seitdem sind es nicht weniger Migranten geworden, sondern mehr. 6900 Menschen leben nach offiziellen Zahlen derzeit im Nordteil des Lagers. Hilfsorganisationen gehen sogar von mehr als 9000 Bewohnern aus. Täglich zählen sie bis zu 100 Neuankömmlinge.

Für viele von ihnen ist aber längst nicht mehr Großbritannien das Ziel. Immer mehr Flüchtlinge wollen in Frankreich bleiben. Sie hoffen in Calais jedoch auf eine bessere Betreuung als in Paris oder in anderen Städten.

Calais‘ konservative Bürgermeisterin Natacha Bouchart will nicht mehr länger mit ansehen, wie das Lager immer voller wird. Sie fordert, den Dschungel so schnell wie möglich aufzulösen. "Unsere Wirtschaft leidet weiter. Die Sicherheitskräfte können nicht mehr. Deshalb muss es endlich verbindliche Entscheidungen geben, den ganzen nördlichen Teil des Lagers abzureißen."

200 zusätzliche Polizisten sollen kommen

Dass das geschehen soll, hat Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve bei einem Besuch am vergangenen Freitag in Calais bestätigt. Als ersten Schritt will er für die Flüchtlinge bis Ende des Jahres 8000 neue Unterkunftsplätze in ganz Frankreich schaffen und für mehr Sicherheit rund 200 zusätzliche Polizisten in die nordfranzösische Stadt schicken.

Dem Vorsitzenden eines Bündnisses von Geschäftstreibenden in Calais, Frédéric van Gansbeke, reicht das allerdings nicht. Er droht mit weiteren Aktionen: "Ich verlange von Herrn Cazeneuzve ein konkretes Datum für den Abriss des Dschungels. So lange wir das nicht haben, bleiben wir weiter mobilisiert."

Flüchtlinge in Frankreich: Wie geht es weiter mit dem Dschungel von Calais?
Kerstin Gallmeyer, ARD Paris
04.09.2016 23:59 Uhr

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