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Kampf gegen Kartelle in Mexiko
Drogenboss erschossen, Leiche gestohlen
Es war ein spektakulärer Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle: Soldaten erschossen den berüchtigten Chef des "Los Zetas"-Kartells, Heriberto Lazcano. Doch nur einen Tag später entwendeten Bewaffnete den Leichnam aus dem Beerdigungsinstitut.
Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko-Stadt
Es ist die Nachricht in den mexikanischen Medien: Drogenboss erschossen, Leiche gestohlen. Die Fernsehsender bringen immer wieder Fotos des Toten. Die sollen den Leichnam von Heriberto Lazcano zeigen, einem der zwei berüchtigten Bosses des Drogenkartells Los Zetas. Die mexikanischen Sicherheitsbehörden hatten die Aufnahmen gemacht, kurz nachdem der Mann bei einer Schießerei im Norden des Landes getötet worden.
Der zuständige Staatsanwalt Homero Ramos beschreibt die Ereignisse so: "In der Nähe eines Baseball-Feldes fiel den Streitkräften ein verdächtiges Fahrzeug auf. Als die Soldaten den Befehl zum Anhalten gaben, eröffneten die Insassen des Wagens das Feuer und versuchten zu fliehen. In der anschließenden Schießerei verlor der Fahrer sein Leben. Der andere rannte aus dem Fahrzeug und wurde auf eine Entfernung von 300 Metern niedergestreckt."
Schwer bewaffnetes Kommando beim Bestatter
Einer der Toten war Drogenboss Lazcano. Das habe ein Abgleich der Fingerabdrücke ergeben, so die mexikanischen Sicherheitsbehörden. Die mussten nun aber auch eingestehen: Die Leiche ist weg, gestohlen: "Der Inhaber des Bestattungsinstitutes erklärte der Polizei, dass ein schwer bewaffnetes Kommando aufgetaucht sei. Nachdem die Angestellten festgesetzt wurden, habe man ihn gezwungen, den Toten im Leichenwagen abzutransportieren." Ein spektakulärer Schlag gegen das Drogenverbrechen bekommt damit einen bizarren Beigeschmack.
Drogenboss erschossen, Leiche gestohlen
M. Polansky, ARD Mexiko City
10.10.2012 07:25 Uhr
Die Zetas gelten als das brutalste Kartell Mexikos. Einst wurden sie von ehemaligen Elitesoldaten gegründet, die sich erst dem Golf-Kartell als bewaffneter Arm anschlossen und sich später selbstständig machten. Sie kontrollieren große Teile des Schmuggels von Kokain und anderen Drogen im Norden Mexikos und an der Golfküste. Die Zetas zerstückeln und enthaupten ihre Gegner, nehmen auch keine Rücksicht auf Unbeteiligte. Lazcano hatte den Beinamen "Der Henker". Auf ihn waren mehr als sieben Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt - von den mexikanischen und von den US-Behörden.
Wer ist verantwortlich?
Die beiden Anführer der Zetas waren aber selbst verfeindet und lieferten sich brutale Kämpfe. Diese dürften trotz des Schlages weitergehen. Die mexikanischen Behörden haben zuletzt eine Reihe wichtiger Drogenbosse festgenommen oder getötet - auch aus der Führungsebene der Zetas. Aber über dem Fall des Henkers Lazcano liegt nun ein Schatten. Und viele Fragen stellen sich: Warum wurde der Leichnam in einem einfachen Bestattungsinstitut aufgebahrt, wer ist verantwortlich für das Verschwinden?
Eine absurde Episode in einem Drogenkrieg mit bisher 60.000 Toten; große Teile von Polizei und Justiz sind selbst tief verstrickt in das Verbrechen. Und der verschwundene Leichnam könnte nun einen Mythos entstehen lassen: nämlich den, dass der gefürchtete Drogenboss gar nicht tot ist.
Stand: 10.10.2012 08:25 Uhr
