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Streit um Schwangerenberatung Bischöfe reichen Donum Vitae die Hand

Stand: 26.01.2018 09:22 Uhr

Positive Signale im jahrzehntelangen Streit um die Schwangerenkonfliktberatung. Die katholische Kirche erkennt an, dass sich der Verein Donum Vitae für den Schutz des Lebens einsetzt.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Erleichterung bei vielen engagierten Katholiken. Ein jahrzehntelanger Streit mit den Bischöfen scheint beigelegt. Diese würdigen erstmals ausdrücklich die Arbeit des Vereins Donum Vitae, Geschenk des Lebens. Elfriede Schießleder vom Katholischen Deutschen Frauenbund hat sich von Anfang an auch bei Donum Vitae engagiert: "Endlich, endlich! Das war wirklich die erste Reaktion. Festzustellen, dass die Bischöfe von ihren harten Reaktionen abrücken, in dem Moment, wo sie merken, dass wir jahrzehntelang gute Arbeit gemacht haben."

Um zu verstehen, was diese Annäherung zwischen den Bischöfen und Donum Vitae bedeutet, muss man 20 Jahre zurückblicken. Damals ordnete Papst Johannes Paul II. den Ausstieg der deutschen Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung an. Kirchliche Beratungsstellen durften den für eine straffreie Abtreibung nötigen Schein nicht ausstellen.

Bischöfe: Schein verwässert Schutz des Lebens

Engagierte Katholiken gründeten daraufhin 1999 den Verein Donum Vitae und stellten sich damit ausdrücklich gegen ihre Bischöfe. Denn bei Donum Vitae erhält man den Beratungsschein. Schießleder erinnert sich: "Die Bischöfe sind davon ausgegangen, es verwässert die kirchliche Lehre, den Schutz des Lebens, wenn man diesen Schein ausstellt. Ohne diesen Schein kann sich die Frau nicht frei entscheiden. Wenn es keinen Schein gibt, kann sie keine Abtreibung vornehmen. Wir müssen der Frau die Chance lassen, dass sie ihre Entscheidung trifft. Ich kann kein Leben retten ohne die Mutter."

Doch die Bischöfe setzten auf Abgrenzung, sie bezeichneten Donum Vitae als einen bürgerlichen Verein außerhalb der Kirche. Sie untersagten kirchlichen Angestellten die Mitarbeit bei Donum Vitae. Bis zuletzt waren die Gräben tief. Beim Katholikentag 2014 in Regensburg hatte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer versucht, Donum Vitae aus dem offiziellen Katholikentagsprogramm zu streichen: "Ich dulde die Präsenz von Donum Vitae in Form eines Standes. Ich möchte aber ein Forum haben, auf dem die gegenseitigen Gründe abgewogen werden. Wo aber auch die Position der Kirche deutlich wird, dass wir die Frauen nicht im Stich lassen, sondern dass wir sagen: Es muss das Problem gelöst, aber nicht beseitigt werden."

Kardinal Marx erkennt Erfolge an

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Kardinal Marx: Donum Vitae setzt sich für den Schutz des Lebens ein.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, stellt nun in einem Schreiben fest, dass sich auch Donum Vitae für den Schutz des Lebens einsetze und Erfolge in der Konfliktberatung erziele. Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken Thomas Sternberg freut sich über diese Anerkennung: "Diese Tätigkeit wird jetzt anerkannt als Tätigkeit für das Leben. Ich glaube, das ist jetzt wichtig, dass wir die alte Einigkeit, die wir in der katholischen Kirche in Deutschland hatten, in der Frage des Lebensschutzes zurückgewinnen."

Konsequenz der Annäherung: Beraterinnen, die sich bei Donum Vitae engagieren, dürfen nun auch wieder für die katholische Kirche arbeiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Januar 2018 um 05:56 Uhr.

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