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Bericht der Weltwetterorganisation
So warm wie 2012 war es selten
Um den Nordpol herum gibt es in diesem Jahr so wenig Eis wie noch nie, in anderen Regionen gab es mehr schwere Stürme als in den Vorjahren. Die Wissenschaftler der Weltorganisation der Meteorologen, WMO, haben in Doha ihren Bericht vorgestellt. Ihr Fazit: Der Temperaturanstieg geht weiter.
Von Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion, zzt. in Doha
Auch das Jahr 2012 wird zu den zehn wärmsten Jahren gehören - seit Beginn der Aufzeichnungen um 1850. Die Welt-Wetterorganisation WMO hat die ersten Daten für das laufende Jahr bei der Klimakonferenz in Katars Hauptstadt Doha vorgelegt. Der Rekord des Jahres: So wenig Eis rund um den Nordpol war noch nie. Jeremiah Lengoasa von der WMO stellt fest: "Die arktische Seeeisfläche war am 16. September soweit abgetaut wie noch nie seit dem Beginn der Messungen."
Beeindruckender noch: Im August sei täglich eine Eisfläche von der Größe Portugals weggeschmolzen, sagte Lengoasa. Es sei nur noch halb so viel Fläche rund um den Nordpol zugefroren wie im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte. Die Wetterforscher notierten weitere Anomalien in diesem Jahr. Unter anderem haben es mehr schwere Stürme als in den Vorjahren gegeben. Hurrican Sandy sei nur einer von bisher 81 gewesen. Zwei Drittel der USA waren nach Angaben der Forscher im Sommer von Dürre betroffen, Teile Afrikas - und jetzt auch Großbritanniens - von Überschwemmungen.
Ein Vorgeschmack auf das Klima der Zukunft
Bisher sei 2012 das neuntwärmste Jahr seit Beginn der Messungen gewesen. Die Meteorologen glauben aber, dass es bis zum Jahresende noch weiter nach vorne rücken wird. Bis zum April habe nämlich noch ein natürliches Wetterphänomen für Abkühlung gesorgt: La Nina, eine Störung im Pazifik. Längst seien aber solche natürlichen Schwankungen kein Grund mehr, am Klimawandel zu zweifeln, sagt Lengoasa: "Was wir ja sehen, ist, dass solche Effekte viel schwächer sind als der grundsätzliche und langfristige Temperaturanstieg, den der Mensch verursacht."
Und auch der Leiter des Weltklimaforschungsprogramms, Ghassim Asrar, verweist auf immer höhere Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Er kommt zu dem Schluss: Der Temperaturanstieg geht definitiv weiter. "Wir haben viel Klimagas in der Atmosphäre und die Erwärmung betrifft sowohl die Ozeane, als auch die Pole und alle anderen Systeme der Erde." Jeremiah Lengoasa von der WMO ergänzt: "Was wir in diesen Jahren erleben, das kann durchaus ein Vorgeschmack auf das Klima der Zukunft sein."
Jugendliche Betroffene ergreifen das Wort
Dieser Vorgeschmack reicht vielen Betroffenen mehr als aus. Jugendliche versuchen bei der Klimakonferenz auf das Wesentliche aufmerksam zu machen, zum Beispiel Amanda Nesheiwat aus New Jersey. Sie berichtet vom Hurrikan Sandy: "Niemand in unserer Gemeinde hat jemals so einen Sturm erlebt." Viele Menschen lebten noch in Hotels, andere hätten noch immer keine Heizung. Vielen müsse immer noch geholfen werden. 40 bis 50 Milliarden Dollar werde es kosten, das Zerstörte wieder aufzubauen. "Jedes Land, das sich um seine Wirtschaft kümmert, muss sich auch mit dem Klimawandel beschäftigen", findet Nesheiwat.
Queen Agbonma Ehirim berichtet vor einer Weltkarte der Klimakatastrophen aus ihrer Heimat Nigeria. Gerade habe die Flut das Land verwüstet. "Das liegt alles am Klimawandel", sagt sie. Es gebe Dürren und Hitzewellen, dann regne es wieder wie niemals zuvor. Die Menschen verlören ihre Häuser und ihr Ackerland. Die Delegierten aus aller Welt wissen das, aber bisher jedenfalls beschleunigt dieses Wissen die trägen Verhandlungen nicht.
Stand: 28.11.2012 20:59 Uhr
