Diyarbakirs Bürgermeister Kisanak und Anli | Bildquelle: AFP

Vorwurf der PKK-Unterstützung Bürgermeister von Diyarbakir festgenommen

Stand: 26.10.2016 05:42 Uhr

Die beiden Bürgermeister der Kurdenmetropole Diyarbakir sind festgenommen worden. Die türkischen Behörden werfen ihren Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei PKK und deren Unterstützung vor.

Die beiden Bürgermeister der Kurdenmetropole Diyarbakir im Südosten der Türkei sind im Zuge von Anti-Terror-Ermittlungen festgenommen worden. Gültan Kisanak wurden nach Angaben von Sicherheitsbehörden an Flughafen der Stadt in Gewahrsam genommen, ihr Co-Bürgermeister Anli in seiner Wohnung. Im Umfeld des Rathauses waren dutzende Polizisten, gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer im Einsatz.

Kisanak und Anli üben gemeinsam das Bürgermeisteramt der Stadt aus, die immer wieder von Kämpfen zwischen türkischen Sicherheitskräften und Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK erschüttert wird. Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu werden Kisanak Verbindungen zur PKK vorgeworfen, die die Türkei, die EU und andere Staaten als Terrororganisation einstufen. Ein Anklagevertreter beschuldigte auch Anli, die PKK durch Aussagen in Reden unterstützt zu haben.

Die Regierung in Ankara hatte im September 28 gewählte Bürgermeister abgesetzt. 24 von ihnen wurden wegen mutmaßlicher Kontakte zur PKK aus dem Amt entfernt, die vier übrigen wegen Verbindungen zur Gülen-Bewegung. Die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen wird von der Regierung in Ankara für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli verantwortlich gemacht. Der mehrheitlich kurdische Südosten der Türkei kommt seit dem Ende eines Waffenstillstands zwischen der PKK und der Armee im Juli 2015 nicht mehr zur Ruhe. Seither wurden mehr als 600 Mitglieder der Sicherheitskräfte und mehr als 7000 PKK-Kämpfer getötet.

alt Ein vermummter Kämpfer der PKK

Die PKK

Die PKK kämpft für einen eigenen Staat der Kurden oder zumindest ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. In einem Guerillakrieg sind seit 1984 laut Schätzungen 40.000 Menschen getötet worden. Das Hauptquartier der PKK befindet sich in den nordirakischen Kandil-Bergen. Mit der türkischen Regierung wurde ein Waffenstillstand vereinbart, den aber beide Seiten inzwischen wieder aufkündigten. Die Beziehungen zur AKP-Regierung sind angespannt.

Die EU, die USA, die Türkei, der Irak und weitere Staaten stufen die PKK als terroristische Vereinigung ein. Die deutsche Organisation der PKK wurde 1993 vom Bundesinnenministerium verboten.

Weitere kurdische Bürgermeister festgenommen
R. Baumeister, ARD Istanbul
26.10.2016 19:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 25. Oktober 2016 um 23:00 Uhr.

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