Ditib-Flagge vor Moschee in Mannheim | Bildquelle: picture alliance / Winfried Roth

Nach Durchsuchungen Kritik aus der Türkei an Ditib-Razzien

Stand: 16.02.2017 17:02 Uhr

"Inakzeptabel" und "politisch motiviert": Türkische Politiker haben die Durchsuchungen bei mehreren Ditib-Imamen in Deutschland scharf kritisiert. Justizminister Bozdag warf Deutschland zudem vor, mit den Razzien gegen die Verfassung zu verstoßen.

Die Razzien in Deutschland gegen mehrere Ditib-Imame wegen Spionageverdachts sind in der Türkei auf scharfe Kritik gestoßen. Justizminister Bekir Bozdag verurteilte einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP zufolge die Durchsuchungen als "klaren Verstoß gegen internationale Abkommen und die deutsche Verfassung". Schließlich sei die Religions- und Glaubensfreiheit dort festgeschrieben, sagte Bozdag demnach dem Sender CNN Türk.

Die Ermittlungen zeigten, wie leicht Deutschland "den Behauptungen von Terroristen Glauben schenkt", sagte der Justizminister und warf den deutschen Behörden indirekt vor, unter dem Einfluss der Gülen-Bewegung zu handeln.

Der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu bezeichnete die Durchsuchungen "wegen sogenannter Spionagevorwürfe" als "politisch motiviert". "Die Razzien in den Häusern der Ditib-Imame in Deutschland sind inakzeptabel", sagte Yeneroglu. Er äußerte sich zudem besorgt über die Zukunft der türkischen Gemeinde in Deutschland.

Lückenlose Aufklärung gefordert

Mehrere Imame werden verdächtigt, im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet in ihren Gemeinden Informationen zu Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen gesammelt zu haben, der in der Türkei für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli verantwortlich gemacht wird. Zuvor waren in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die Wohnungen von vier Geistlichen des türkischen Moscheeverbands Ditib durchsucht worden. Ausgelöst wurden die Ermittlungen laut Bundesanwaltschaft durch eine Strafanzeige des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck sowie Erkenntnisse von Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga hatte eingeräumt, dass "einige wenige Imame" sich falsch verhalten haben.

Unterdessen erhöhte die Bundesregierung den Druck auf den Islamverband. "Ditib muss die Ernsthaftigkeit der Vorwürfe endlich begreifen und darauf reagieren", mahnte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, in den "Ruhr Nachrichten". "Der Verband muss mit all seinen Möglichkeiten die Ermittlungen unterstützen, damit alle Vorwürfe schnell aufgeklärt werden können."

Auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, forderte eine lückenlose Aufklärung der Affäre. Zugleich warnte er vor einer Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Ditib. "Ein Abbruch der Kontakte wäre kontraproduktiv", sagte Sofuoglu den "Ruhr Nachrichten". Ditib sei "die einzige gemäßigte islamische Organisation in Deutschland."

Durchsungen bei mehreren Ditib-Imamen
B. Wolf, SWR
16.02.2017 17:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2017 um 23:49 Uhr.

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