Jeroen Dijsselbloem | Bildquelle: AFP

Dijsselbloem im Porträt Vom Greenhorn zum neuen Mister Euro

Stand: 04.12.2017 11:11 Uhr

Beim Amtsantritt im Januar 2013 galt Jeroen Dijsselbloem als politisch unerfahren - doch seither verdiente sich der Niederländer als Sprecher der Eurogruppe Respekt. Heute wird über seine Nachfolge entschieden.

Von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Dass er einmal eine bedeutende Rolle bei der Bewältigung der Finanzkrise spielen würde, wurde Jeroen René Victor Anton Dijsselbloem nicht an der Wiege gesungen. Begonnen hat der 1966 in Eindhoven geborene Sozialdemokrat seine Laufbahn als Agrar-Ökonom.

Doch vor ziemlich genau fünf Jahren, im November 2012, musste er sein liebstes Hobby - die Landwirtschaft - von jetzt auf gleich aufgeben. Der konservative Regierungschef Rutte holte den noch recht jungen Kollegen als Finanzminister in sein Kabinett. Nicht einmal drei Monate später, im Januar 2013, wählte ihn die Eurogruppe überraschend zu ihrem neuen Sprecher. Ein Amt, das vor ihm - acht turbulente Jahre lang - ein gewisser Jean-Claude Juncker bekleidet hatte: DER "Mister Euro" par excellence.

Das Kabinett von Mark Rutte im Jahr 2012 | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Vor fünf Jahren holte der konservative Regierungschef Rutte den noch recht jungen Kollegen Jeroen Dijsselbloem als Finanzminister in sein Kabinett

"Wir waren natürlich sehr verwöhnt von Jean-Claude Juncker, der kompetent die Interessen der Euro-Länder vertreten konnte. Auf der anderen Seite ist das auch Wissen, das man sich auch aneignen kann. Und das traue ich dem Neuen durchaus zu", umschrieb seinerzeit der CSU-Finanzexperte Markus Ferber die großen Fußstapfen, in die das "Greenhorn" Dijsselbloem hineinwachsen musste.

Knallhart in Sachen Haushaltsdisziplin

Seine Blitzkarriere verdankte der Niederländer nicht zuletzt der Tatsache, dass sich zuvor zwei politische Schwergewichte den begehrten Posten des Eurogruppenchefs streitig gemacht hatten: der Deutsche Wolfgang Schäuble und der Franzose Pierre Moscovici. Am Ende machte - wie so oft in der EU - der Kompromisskandidat aus dem kleineren Mitgliedsland das Rennen. Einem Land freilich, das sich in finanzpolitischer Hinsicht nicht hinter den großen Nachbarn verstecken muss.

Knallhart zu sein beim Sparen und in Sachen Haushaltsdisziplin - so lautete von Anfang an das Credo Dijsselbloems. Schulden oder Kredite zwischen Ländern müssten zurückbezahlt werden. Das sei schon immer so gewesen und daran halte er fest. Ein Standpunkt, den der schlaksige Lockenkopf mit der Nickelbrille gegenüber den Krisenländern Südeuropas stets konsequent vertreten hat. Was ihn nicht gerade zu deren bevorzugtem Gesprächspartner machte. Dafür umso mehr zum natürlichen Verbündeten der sogenannten "Geberländer", allen voran Deutschland.

Defizite bei der Verhandlungsführung

Eurogruppenchef Dijsselbloem und Griechenlands Finanzminister Varoufakis
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Im Umgang mit Griechenlands Ex-Finanzminister Varoufakis zeigte sich Dijsselbloem ungeschickt.

In puncto Verhandlungsführung freilich machte sich Dijsselbloems Mangel an Erfahrung unangenehm bemerkbar: Im Frühjahr 2013 etwa wäre die Rettung des hochverschuldeten Zypern beinah am allzu forschen Stil des Niederländers gescheitert. Eher ungeschickt agierte er auch im Umgang mit dem Sorgenkind Griechenland: erst beim Versuch, den neuen, demonstrativ rebellisch auftretenden Kollegen Jiannis Varoufakis bei einer Stippvisite in Athen zur Räson zu bringen - später dann mit der Bemerkung, manche Länder würden ihr Geld nun mal lieber "für Schnaps und Frauen" verprassen.

Immerhin besaß Dijsselbloem die Größe, sich hinterher öffentlich zu entschuldigen - und immerhin konnte er gegen Ende seiner Amtszeit der Athener Regierung zu ersten Erfolgen des harten Reformkurses gratulieren. Unter den Kollegen Finanzministern hat sich der neue "Mister Euro" in fünf Jahren Vorsitz durchaus Respekt verdient. Die regelmäßigen Sitzungen habe er stets gut vorbereitet und effizient geleitet. Seine nüchterne Art und seine Qualitäten als Zuhörer werde man vermissen, heißt es.

Die kann Dijsselbloem künftig im Dienst des Eurorettungsschirms ESM einsetzen. Ab Januar unterstützt er den Fonds als externer Berater. Ein Jobwechsel, der hier und da für Stirnrunzeln sorgt. Der heimischen Politik kehrt der inzwischen 51-Jährige vorerst den Rücken. Bei den Parlamentswahlen im März hatten seine niederländischen Sozialdemokraten ein Debakel erlebt. Und für die Opposition fehlt dem Krisenmanager, wie er selbst bekennt, das "innere Feuer".

Porträt Jeroen Dijsselbloem - Mister Euro mit Startschwierigkeiten
Holger Romann, ARD Brüssel
04.12.2017 10:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Dezember 2017 um 12:30 Uhr.

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