Übergewichtige Kinder in den USA Wenn keine Diät mehr hilft

Stand: 14.08.2014 12:59 Uhr

Auch wenn inzwischen US-Kleinkinder weniger Übergewicht als noch vor zehn Jahren haben - bei vielen Teenagern ist Fettleibigkeit ein großes Problem. Krankheiten schon in jungen Jahren sind die Folge - und manchmal hilft nur noch eine OP. Doch ist das wirklich der letzte Ausweg?

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Kira ist ein extremes Beispiel: Sie ist 16 Jahre alt und wiegt 170 Kilo."Ich möchte nicht zu den Menschen gehören, die früh sterben", sagt sie. Deshalb hat sie sich zu einer Magenverkleinerung entschlossen. Der amerikanische Fernsehsender ABC hat sie dabei begleitet.

Ein chirurgischer Eingriff ist für manche fettleibigen Kinder in den USA der letzte Ausweg, gesund zu werden. Alle Diäten haben versagt. Sie können nicht mehr richtig laufen, viele haben Diabetes, Rücken und Gelenke, das Herz, die Psyche, alle leiden unter der schweren Last.

"Die Leute starren nur noch, sie sehen nur noch das Gewicht", sagt Kiras Mutter. Die gesamte Familie ist extrem übergewichtig.

Übergewicht nimmt bei Kleinkindern ab...

Michelle Obama und eine Schülerin bei der Gartenarbeit im Küchengarten des Weißen Hauses
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Michelle Obama versucht, Schüler zu motivieren, mehr Sport zu treiben und mehr frisches Obst und Gemüse zu essen.

First Lady Michelle Obama setzt sich für diese Familien besonders ein. Sie tanzt, macht Liegestützen im Fernsehen, pflanzt, kocht alles mit dem Ziel, amerikanische Kinder dazu zu bewegen, sich gesünder zu ernähren.  Ihre Anstrengungen tragen Früchte. Laut amerikanischer Gesundheitsbehörde hat das Übergewicht bei Kleinkindern deutlich abgenommen. Unter den zwei bis fünfjährigen haben heute 43 Prozent weniger Übergewicht als noch vor zehn Jahren.

...bei Teenagern nicht

Bei den Älteren hat sich dagegen weniger getan. Stellt man drei amerikanische Teenager nebeneinander, ist einer zu dick, oft viel zu dick. Besonders gefährdet sind afro-amerikanische Mädchen und Teenager aus Lateinamerika. Für William Klish von der Kinderklinik in Texas ist das ein Thema, das ganz Amerika betrifft:"Meiner Einschätzung nach ist das das größte Gesundheitsproblem, das wir heute in den USA haben."

Aus dicken Kindern werden oft dicke Erwachsene

Die Folgen für die Gesellschaft sind gravierend. Aus dicken Kindern werden oft dicke Erwachsene. Ihre gesundheitlichen Probleme werden die Krankenkassen in den nächsten Jahren Milliarden kosten. "Wer unter 14 Jahren Diabetes 2 bekommt, hat eine bis zu 27 Jahre geringere Lebenserwartung,“ sagt Kinderarzt Klish. Die Generation der dicken Kinder könnte erstmals eine geringe Lebenserwartung haben als ihre Eltern.

Trotz der berühmten Vorturnerin Michelle Obama, umsteuern ist schwer und sie weiß auch warum: "Wir sind nicht die einzigen, die das Essen unserer Kinder beeinflussen", sagt sie bei einem ihrer vielen Vorträge zu diesem Thema. "Jeden Tag sind unsere Kinder umgeben von Essenswerbung, im Fernsehen, im Internet, auf Werbetafeln."

Übergewichtige in den USA
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Viele Teenager in den USA sind übergewichtig. Krankheiten wie Diabetes und Herzprobleme bereits in jungen Jahren sind die Folge.

Schön fettig

Die amerikanische Lebensmittelindustrie hat in den vergangenen Jahren den Amerikanern immer mehr Kalorien auf den Teller geschaufelt. Hühnerschenkel verschwinden unter einem Teigmantel, knusprig frittiert, Maccaroni ersticken unter einer Käsedecke. Low-Fat Produkte haben alles nur noch  schlimmer gemacht, sagen Gesundheitsexperten heute. Damit der Joghurt ohne Fett noch schmeckt, hat die Industrie Zucker hineingeschüttet und der ist ungesünder als der natürliche Fettgehalt.

2780 Kalorien in einem Gericht

Die Organisation Wissenschaft für die Öffentlichkeit vergibt jedes Jahr den Preis für das Gericht mit den meisten Kalorien. In diesem Jahr gewann das "Peanut Butter Chocolate Cheese Cake" mit 2780 Kalorien, zu bestellen in der Cheese Cake Faktory.

 

Dieser Beitrag lief am 13. August 2014 um 22:49 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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