Seitenueberschrift

Ausstellung und Wissenschaftshaus eröffnet

Auf Werbetour in Indien

Wie erklärt man den Indern Deutschland? Dass beide Demokratien enger zusammenarbeiten sollen, ist für die deutsche Politik und Wirtschaft keine Frage. Nun versucht Deutschland zweifach in Indien für sich zu werben: In Neu-Delhi eröffneten eine Ausstellung und ein Wissenschaftshaus.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Dieser junge Inder ist noch etwas ratlos: "I have no idea." - "Ich habe keine Ahnung, was das hier genau ist", gibt der Mann zu. Er guckt etwas skeptisch, aber durchaus neugierig zu der Zeltstadt hinüber, die die Deutschen hier in Delhi errichtet haben. Tatsächlich sieht es ein wenig so aus, als seien mitten in der indischen Hauptstadt gleich mehrere Ufos gelandet: "Ja, aber sehr sympathische, sehr zugängliche Ufos", beruhigt der Chef des Goethe-Instituts in Neu-Delhi, Heiko Sievers.

Junge Inder zu Besuch beim deutsch-indischen Fest in Neu-Delhi.
galerie

Neugierig und ein wenig skeptisch - junge Inder zu Besuch beim deutsch-indischen Fest in Neu-Delhi.

Die deutschen Zelte, Raumschiffen nicht unähnlich, sollen nicht nur nett aussehen und abends bunt leuchten, sondern letztlich eine Mischung aus Vergnügungs- und Wissenspark bilden, am Ende also mehr anbieten als Bierstand und Torwand: "Eine Firma präsentiert ihren Ansatz zur Lösung von Verkehrsproblemen, eine andere ihren Ansatz zur Lösung von Umweltproblemen. Da können Kinder lernen, wie man mit wenigen Handgriffen schmutziges Wasser sauber machen kann", erläutert Sievers.

Deutsche Lösungen für indische Probleme

Indien hat schon jetzt in seinen Mega-Städten wie Delhi, das mehr als 15 Millionen Einwohner beherbergt, eine wachsende Zahl von Problemen zu bewältigen. Das Atmen fällt zu bestimmten Jahreszeiten schwer, jeden Tag werden in Delhi 1000 neue Fahrzeuge zugelassen, Wasser aus der Leitung zu trinken ist mutig, weil gefährlich.

Bei der Lösung dieser Probleme habe Deutschland eine ganze Menge zu bieten. Das wolle man zeigen, erklärt der Botschafter Deutschlands in Indien, Michael Steiner: "Aber im Grunde genommen geht es darum, dass wir uns kennenlernen. Wir wollen die Inder näher bringen an Deutschland, dass sie mehr wissen über Deutschland und dass sie auch sehen: Wir können genau auf den Feldern zusammenarbeiten, die auch für die Inder von zentraler Bedeutung  sein werden."

Wie erklärt man Indern Deutschland?
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
28.10.2012 07:01 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Skepsis bei jungen Indern

In einer globalisierten Welt könne man sich nicht mehr leisten, nichts voneinander zu wissen, betont Steiner. Dass die Inder mehr über die Deutschen erfahren, soll mit einer zweiten Maßnahme erreicht werden: In Delhi öffnet zeitgleich zur Ausstellung ein Wisschenschaftshaus. Damit soll die deutsch-indische Zusammenarbeit beim Thema Forschung vertieft werden.

6000 Inder kamen im vergangenen Jahr als Studierende nach Deutschland. Noch immer aber orientieren sich die Jung-Akademiker auch aus sprachlichen Gründen eher in Richtung USA, Großbritannien oder Australien. Das soll sich ändern.

Studenten im indischen Bundesstaat Rajastan
galerie

Indische Studenten, hier im Bundesstaat Rajastan, könnten Fachkräfte in Deutschland werden.

Ein junger Inder meint: "Ich liebe es, Dinge zu erkunden. In einem anderen Land zu arbeiten, wäre eine neue Erfahrung für mich. Die Deutschen sind verrückt nach Technologie. Wenn wir über Autos reden, dann steht fest: Deutsche Autos sind die besten." Er kann sich vorstellen, in Deutschland zu studieren oder zu arbeiten. Andere sind da zögerlicher.

"Indien ist doch selber gut", sagt ein Mann, "was soll ich da in Deutschland?" Aber vielleicht können als Lockmittel das Wisschenschaftshaus und auch die Wissen vermittelnden Raumschiffe ein wenig helfen. Ein Land wie Deutschland, das dringend nach Fachkräften sucht, könnte den indischen Nachwuchs jedenfalls gut gebrauchen.

Dieser Beitrag lief am 27. Oktober 2012 um 06:19 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 28.10.2012 03:43 Uhr

Darstellung: