Mohammed Haydar Zammar  | Bildquelle: AP

Vertrauter der 9/11-Terroristen Kurden nehmen offenbar Zammar fest

Stand: 19.04.2018 09:59 Uhr

Er war ein Vertrauter der Hamburger Attentäter vom 11. September und beschäftigte in den vergangenen Jahren immer wieder die Behörden. Jetzt wurde Zammar offenbar von Kurden festgesetzt.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Der Vertraute der Hamburger Terrorzelle, Mohammed Haydar Zammar, ist offenbar in Syrien festgesetzt worden. Ein kurdischer Kommandeur teilte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP mit, dass Zammar im Norden Syriens derzeit verhört werde.

Zammar war eine enge Kontaktperson jener Gruppe, der auch die Flugzeugattentäter der Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 angehörten. Kurz nach den Anschlägen setzte er sich nach Marokko ab. Von dort verschleppte ihn der US-Geheimdienst CIA zum Verhör nach Syrien.

Zunächst zum Tode verurteilt

Ein syrisches Gericht verurteilte Zammar 2007 wegen Mitgliedschaft in der verbotenen Muslimbruderschaft zunächst zum Tode. Die Strafe wurde später in eine zwölfjährige Gefängnishaft umgewandelt. Im Herbst 2013 konnte Zammar das Zentralgefängnis von Aleppo offenbar durch einen Gefangenenaustausch verlassen. Die islamistische Miliz Ahrar ash-Sham hatte ihn angeblich gegen Offiziere der syrischen Regierungstruppen ausgetauscht.

Das Schicksal Zammars war auch Thema eines Untersuchungsausschusses des Bundestags. Der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte 2008 vor dem Ausschuss vehement den Verdacht zurückgewiesen, die Bundesregierung habe die Verschleppung Zammars durch die CIA in Kauf genommen.

Bundesaußenminister Steinmeier vor dem BND-Untersuchungsausschuss
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Bundesaußenminister Steinmeier wies alle Vorwürfe im Fall Zammar zurück.

Fall ist verjährt

Im Norden Syriens kämpft derzeit eine von den USA unterstützte Koalition gegen die Terroristen vom "Islamischen Staat". Den kurdischen und arabischen Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gelang es nicht nur, die IS-Extremisten aus dem Norden Syriens weitestgehend zu vertreiben, sie haben in den vergangenen Monaten auch mehrmals ausländische IS-Kämpfer festgenommen. Ob Zammar bei seiner Festnahme einer extremistischen Gruppe angehörte, ist allerdings bislang unklar.

Zammar war 1971 im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie von Aleppo nach Hamburg gekommen. Elf Jahre später wurde er Deutscher und verzichtete auf die syrische Staatsbürgerschaft.

In den 1990er-Jahren soll er sich zwei Mal in afghanischen Terrorcamps aufgehalten haben. 1995 kämpfte er in Bosnien gegen die Serben. Nach den World-Trade-Center-Attentaten hatten in Deutschland die Beweise der Bundesanwaltschaft nicht für einen Haftbefehl gereicht. Der Fall ist inzwischen verjährt.

Deutscher Dschihadist Mohammed Zammar in Nordsyrien festgenommen
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
19.04.2018 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 19. April 2018 Deutschlandfunk um 07:26 Uhr und MDR aktuell (Hörfunk) um 09:12 Uhr.

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