Karte: Somalia

Rotkreuz-Mitarbeiterin Deutsche in Somalia entführt

Stand: 03.05.2018 01:19 Uhr

In der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes von bewaffneten Männern verschleppt worden. Bei der Geisel handelt es sich um eine deutsche Krankenschwester.

Eine deutsche Mitarbeiterin des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) ist in der somalischen Hauptstadt Mogadischu entführt worden. Das teilte die Hilfsorgansiation mit. "Wir sind sehr besorgt über die Sicherheit unserer Kollegin", so Daniel O'Malley, stellvertretender Leiter der Somalia-Mission. Bei dem Opfer handle es sich um eine Krankenschwester.

Nach Angaben von Mitarbeitern der Hilfsorganisation wurde die Frau gegen 20 Uhr Ortszeit von Bewaffneten aus dem Rotkreuz-Gebäude verschleppt. Die bislang nicht identifizierten Entführer seien durch einen Hinterausgang mit ihrer Geisel entkommen, um den am Hauptzugang postierten Wachposten zu entgehen. Ein Polizeisprecher erklärte, die Sicherheitskräfte seien festgenommen worden. Auch habe man eine großangelegte Suchaktion eingeleitet. Augenzeugen zufolge wurde das betroffene Viertel weiträumig abgeriegelt.

"Großangelegte Suchaktion"

Das Internationale Rote Kreuz zeigte sich erschüttert. Das Opfer sei "eine Krankenschwester, die jeden Tag dafür arbeite, das Leben und die Gesundheit der Schwächsten in Somalia zu verbessern", hieß es in einer Erklärung. Das Rote Kreuz steht nach eigenen Angaben im Kontakt mit verschiedenen Behörden, um die Freilassung der Frau zu erreichen.

Ein Sicherheitsbeamter der Regierung, Abdirahman Mohammed, sagte: "Wir haben Informationen erhalten, wonach eine weibliche westliche Mitarbeiterin aus dem IKRK-Büro in Mogadischu entführt wurde." Es seien Ermittlungen zu dem Vorfall eingeleitet worden. 

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) würdigte bei einem Besuch in Somalias Nachbarland Äthiopien das humanitäre Engagement deutscher Helfer im Ausland, für das er großen Respekt habe. Zum aktuellen Entführungsfall wollte er sich nicht äußern.

Gefährliches Land für Hilfsorganisationen

Somalia zählt zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. 1991 war in dem Land am Horn von Afrika ein Bürgerkrieg ausgebrochen, seit 2006 kämpfen dort islamistische Aufständische mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida. In der Vergangenheit waren Ausländer, unter ihnen Journalisten und Entwicklungshelfer, von bewaffneten Banden oder Anhängern der radikalislamischen Schabab-Miliz entführt und für Lösegeldforderungen festgehalten worden - einige davon über Jahre.

Bombenanschläge und Morde sind in Somalia häufig. Erst am Dienstag war in Mogadischu eine örtliche Mitarbeiterin der Weltgesundheitsorganisation erschossen worden.

Meist bekennt sich die Schabab-Miliz, welche die international anerkannte Regierung in Mogadischu stürzen will. Internationale Hilfsorganisationen wie das unabhängige, in der Schweiz ansässige IKRK leisten gesundheitliche und andere grundlegende Dienstleistungen und werden von der Schabab als Unterstützer der Regierung angesehen. Andere Aufständische und bewaffnete Gruppen sehen die Hilfsorganisationen als Einnahmequelle an.

Somalia: Deutsche Mitarbeiterin des Roten Kreuzes entführt
Utz Dräger; ARD Nairobi
03.05.2018 06:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Mai 2018 um 06:00 Uhr.

Darstellung: