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Debatte in Frankreich über Depardieu

"Wegen der Steuern wird man doch kein Russe"

Er liebe Russland, es sei eine große Demokratie. Das schreibt der Schauspieler Depardieu in einem offenen Brief, in dem er sich bei Kremlchef Putin für den russischen Pass bedankt. Die Franzosen reagieren mit Befremden. Alle? Nein. Einige verstehen den Frust über die geplante Reichensteuer.

Von Daniela Kahls, MDR-Hörfunkstudio Paris

Depardieu hält sich zurzeit in Paris auf. Das Foto zeigt ihn beim Verlassen seines Anwesens.
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Depardieu hält sich zurzeit in Paris auf. Das Foto zeigt ihn beim Verlassen seines Anwesens.

Die Causa Depardieu spaltet Frankreich immer mehr. Dass der berühmteste französische Schauspieler nun offenbar Russe werden will, irritiert die Franzosen schon. Für Befremden sorgen vor allem die Passagen eines Briefes, den französische Medien heute zitieren. In dem schreibt Depardieu, dass er Russland liebe und dass Russland eine große Demokratie sei.

Doch dass der hochdotierte Schauspieler und erfolgreiche Unternehmer Depardieu, der in Paris Restaurants betreibt, Weinberge besitzt und insgesamt mehr als 80 Menschen beschäftigt, das Land verlassen will, das verstehen viele. Die steigenden Steuern sind eben vielen ein Dorn im Auge: "Ich finde das, was Depardieu macht, mutig - und es ist gut für Frankreich", sagt ein Pariser Passant. Er verstehe zwar, dass manche Leute davon geschockt seien. "Aber würden wir auf Kuba leben und 90 Prozent Steuern zahlen müssen, dann wäre er doch ein mutiger Oppositioneller."

Reichensteuer sorgt für heftige Debatten

François Hollande
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Seine geplante Reichensteuer von 75 Prozent sorgt für Debatten im Land: Frankreichs Staatschef Hollande

Frankreichs Regierung hatte eine Reichensteuer von 75 Prozent für Einkommen über eine Million Euro geplant. Dieses symbolträchtige Projekt von Francois Hollande ist vorerst vom Verfassungsrat gestoppt worden. Doch Hollande will weiter an der Umsetzung arbeiten. Laut Umfragen ist die Mehrheit der Franzosen sogar für die Reichensteuer. Aber sie sorgt für heftige Debatten im Land.

Schauspieler Gerard Depardieu
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"Russland ist eine große Demokratie": Schauspieler Gerard Depardieu

Depardieu ist mit seinen Plänen, deshalb das Land zu verlassen, zu einer Gallionsfigur des Protestes geworden: "Ich finde, das ist eine gute Botschaft für Präsident Hollande, der seit sechs Monaten eine desaströse Politik für die französische Wirtschaft betreibt", so die Meinung eines weiteren Passanten auf den Straßen von Paris.

"Die Reichen klüngeln alles unter sich aus"

Nicht nur die Reichen in Frankreich beschweren sich über eine hohe Steuerlast. Auch die Normalverdiener beklagen immer steigende Abgaben. Aber dem eigenen Land deshalb den Rücken zu kehren, das finden nicht alle gut. "Wir sind schon sehr stark besteuert in Frankreich, aber es ist doch auch nicht normal, deshalb Russe zu werden", sagt eine Pariserin, die gerade zu ihrer Arbeit hetzt. Und sie fügt hinzu: "Die Reichen und Mächtigen klüngeln das doch alles unter sich aus."

Russlands Präsident Putin
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Ein Freund, ein guter Freund? Russlands Präsident Putin will Depardieu beim Sparen helfen.

Wie und wo Depardieu nun in Zukunft leben wird, ist noch nicht klar. Ende letzten Jahres hatte er sich gerade erst ein Haus in Belgien gekauft und offenbar Pläne geschmiedet, in das französische Nachbarland überzusiedeln. Wenn er nun Russe wird, müsste er theoretisch ein Visum beantragen, um in Belgien einzureisen.

Und noch hat Depardieu ohnehin Verpflichtungen in Frankreich. Am Montag muss der umstrittene Schauspieler sich nämlich in Paris vor Gericht verantworten. Weil er im November mit 1,9 Promille im Blut in Paris von seinem Motorroller gestürzt war.

Wird aus Depardieu nun Depardjew? - Reaktionen aus Frankreich
D. Kahls, MDR-Hörfunkstudio Paris
04.01.2013 17:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Januar 2013 um 14:38 Uhr.

Stand: 04.01.2013 15:19 Uhr

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