Deniz Naki (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / INSIDE-PICTUR

Deniz Naki droht Haft in der Türkei Der Staatsfeind vom Bolzplatz

Stand: 08.11.2016 03:44 Uhr

Er spielte für die deutsche U21-Nationalelf, den FC St. Pauli und den SC Paderborn - jetzt steht Deniz Naki in der Türkei vor Gericht. Der Vorwurf: Terrorpropaganda. Der 27-Jährige erklärte sich auf Twitter und Facebook solidarisch mit türkischen Kurden.

Von Reinhard Baumgarten, ARD Studio Istanbul

"Ich habe überhaupt keine Angst", betonte Deniz Naki, der Star des türkischen Fußballteams Amedspor, dem Drittligisten aus Diyarbakir. Dabei hätte der 27-Jährige gute Gründe, Angst zu haben. Denn ab heute steht er vor Gericht.

Seit der vergangenen Saison werde eine Lynchkampagne geführt, sagte Soran Haldi Mızrak, der Anwalt des Angeklagten. Deniz Naki hatte Nachrichten auf Twitter und Facebook abgesetzt. Einen wichtigen Sieg seiner Mannschaft widmete er darin den Menschen, die "in 50 Tagen Unterdrückung getötet oder verletzt wurden.“ Naki spielte damit auf die blutigen Auseinandersetzungen im kurdischen Südosten der Türkei an und - wie er betont - die vielen zivilen Opfer.

alt Deniz Naki | Bildquelle: Deniz Naki / Facebook

Zur Person

Deniz Naki, geboren 1989 in Düren, spielte in der Jugend bei Bayer Leverkusen und in den DFB-Nationalmannschaften. Von 2009 bis 2012 war er beim FC St. Pauli, danach in Paderborn. 2013 wechselte Naki in die Türkei, wo er mittlerweile bei Amed SK in Diyarbakır spielt.

Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft

Ohne dass man ihn angehört habe, ohne zu verstehen, was er sagen wolle, habe man seinen Mandanten deswegen für zwölf Spiele gesperrt, erklärte Anwalt Mızrak. Doch das allein reichte der Obrigkeit nicht. Deshalb muss Naki nun auch noch vor Gericht.

"Ich gehe vom Schlimmsten aus", sagte der Fußballer. "Von ein bis fünf Jahren Haft. Früher in Deutschland habe ich geträumt. In der Türkei geht das nicht. Hier darfst du nicht träumen." "Azadi", ist auf seinen Arm tätowiert. "Azadi" heißt auf kurdisch Freiheit. "Kämpfe, um zu leben", steht auch auf seinem Arm. "Meine Familie macht sich Sorgen", so Naki. Aber er habe ihr gesagt, dass er nicht nach Deutschland zurückkehren werde.

Deniz Naki ist Deutscher

Deniz Naki ist deutscher Staatsbürger. Er ist in Düren geboren worden und hat in der deutschen U21-Nationalmannschaft gespielt. Er hätte längst nach Deutschland zurückgehen können. "Ich bin im Recht und ich habe nichts Falsches gemacht", erklärte der Fußballer. "Deshalb sehe ich keinen Grund dafür, das Land zu verlassen."

Die Entwicklungen der vergangenen Monate, Wochen und Tage deuteten nicht auf einen für ihn positiven Ausgang des Prozesses hin, räumte der Star von Amedspor zugleich nüchtern ein. "Der Staatsanwalt, der Richter das sind alles Leute von Recep Tayyip Erdogan. Er stellt seine eigenen Leute ein", so Naki. Und wenn "der Kopf des Systems entscheidet", dann glaube er nicht, "dass ein Richter sagt, das wird nicht so gemacht."

Der Fußballrasen, erklärte er kürzlich nach einem historischen Sieg seiner Mannschaft im westtürkischen Bursa, der Fußballrasen sei zu einer Verlängerung des Schlachtfeldes im Kurdenkonflikt geworden. Und der gebürtige Kurde Naki steht mittendrin.

Deniz Naki | Bildquelle: Deniz Dersim Naki /Facebook
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In der Anklage geht es unter anderem um diesen Facebook-Eintrag von Deniz Naki. (Screenshot, tagesschau.de hat die Gesichter der getöteten Kinder unkenntlich gemacht)

Deniz Naki - Der Staatsfeind vom Bolzplatz
R. Baumgarten, ARD Istanbul
08.11.2016 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichteten Deutschlandradio Kultur am 07. November 2016 um 22:52 Uhr und NDR Info am 08. November 2016 um 07:38 Uhr.

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