Catherine Deneuve | Bildquelle: AFP

Nach Kritik an #MeToo-Debatte Deneuve entschuldigt sich - ein bisschen

Stand: 15.01.2018 08:32 Uhr

Aufruf und Gegenaufruf - der offene Brief von Schauspielerin Catherine Deneuve und anderen französischen Prominenten zur #MeToo-Debatte fand ein enormes Echo. Nun hat sich Deneuve bei Opfern sexueller Gewalt entschuldigt - ihre Ansicht aber nicht verändert.

Filmstar Catherine Deneuve hat sich nach ihrer umstrittenen Kritik an Folgen der #MeToo-Debatte bei den Opfern sexueller Gewalt entschuldigt. Allen Betroffenen, die sich von dem von ihr unterzeichneten Aufruf für die "Freiheit zu belästigen" angegriffen fühlten, biete sie ihre Entschuldigung an, sagte Deneuve in einem von der Online-Ausgabe der Zeitung "Libération" veröffentlichten Brief.

Zugleich verteidigte die 74-Jährige darin ihre Unterzeichnung des Aufrufs, der in dieser Woche einen Sturm der Entrüstung entfacht hatte. In dem Aufruf werde sexuelle Belästigung in keinster Weise gerechtfertigt, ansonsten hätte sie ihn nicht unterschrieben, erklärte die Schauspielerin. Den Vorwurf, keine Feministin zu sein, wies sie zurück.

Plakat prangert an, dass 215.000 Frauen im Jahr in Frankreich Opfer sexueller Gewalt werden. | Bildquelle: AFP
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215.000 Frauen im Jahr werden in Frankreich Opfer sexueller Gewalt - darauf weist dieses Plakat hin.

Französische Feministinnen empört

Deneuve war ins Visier französischer Feministinnen geraten, als sie vor knapp einer Woche gemeinsam mit rund 100 weiteren Frauen einen Artikel unterzeichnet hatte, der unter anderem von der Schriftstellerin Catherine Millet (69) verfasst worden war. Der Text kritisiert, die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung habe eine "Kampagne der Denunziation" nach sich gezogen, und warnt vor einem "Klima einer totalitären Gesellschaft".

Die Unterstützerinnen erkannten an, dass es notwendig gewesen sei, ein Bewusstsein für sexuelle Gewalt gegen Frauen zu schaffen. Sie verteidigten aber "eine Freiheit, jemandem lästig zu werden, die für die sexuelle Freiheit unerlässlich ist" - "hartnäckiges Flirten" sei kein Delikt.

Französische Frauenaktivistinnen veröffentlichten daraufhin ihrerseits einen offenen Briefauf der Webseite von Franceinfo. Die Stellungnahme sei "ein bisschen wie der peinliche Arbeitskollege oder anstrengende Onkel, der nicht versteht, was passiert", schrieben die Feministin Caroline De Haas und über 30 weitere Personen in einem Text,

Wie Frankreich die US-Debatte aufnahm

Die #MeToo-Debatte um Sexismus und sexuelle Übergriffe war ins Rollen gekommen, als im Oktober Vorwürfe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein bekannt wurden. In Frankreich sorgen die Vorwürfe gegen Weinstein für große Aufmerksamkeit. Unter dem Hashtag #balancetonporc (Verpfeif' das Schwein) berichteten im Kurzbotschaftendienst Twitter Tausende Frauen über Anmache oder Missbrauch - ähnlich wie in den USA unter dem Schlagwort #MeToo (Ich auch).

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Januar 2018 um 14:00 Uhr.

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