Polizisten bei regierungskritischen Protesten in Russland | Bildquelle: REUTERS

Proteste gegen Putin Erste Festnahmen in Russland

Stand: 07.10.2017 14:57 Uhr

Bei Demonstrationen gegen Präsident Putin hat die russische Polizei offenbar mehrere Menschen festgenommen. Zu den Protesten hatte der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny aufgerufen. Beobachter befürchten eine Eskalation der Gewalt.

Vor allem bei Protesten in den russischen Städten Twer und Samara im Zentrum des Landes kam es zu Festnahmen. Das teilten Vertreter der Opposition mit. Zu den Demonstrationen hatte der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny aus Anlass von Russlands Präsident Wladimir Putins 65. Geburtstag aufgerufen. Dabei wollte Nawalny Tausende Anhänger mobilisieren. Der selbsternannte Anti-Korruptions-Kämpfer hatte in den vergangenen Monaten in zahlreichen Video-Clips im Internet angebliche Machenschaften der russischen Führung und ihrer Vertrauten angeprangert. Kundgebungen sind in rund 80 Städten geplant.

Polizeipräsenz in Moskaus Innenstadt verstärkt

Regierungskritische Proteste in Russland | Bildquelle: REUTERS
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Hunderte vor allem junge Menschen beteiligten sich an den Demonstrationen.

Die Behörden in Moskau und St. Petersburg hatten die in den Stadtzentren geplanten Versammlungen verboten. In Moskau versammelten sich dennoch mehrere hundert Demonstranten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Augenzeugen zufolge wurde die Polizeipräsenz im Zentrum der Hauptstadt verstärkt.

Im südrussischen Krasnodar wurde der Stabschef des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny in Gewahrsam genommen, wie russische Medien in der Nacht zum Samstag berichteten. Das Innenministerium bestätigte dies der russischen Agentur Tass.

Nawalny selbst kann nicht demonstrieren

Die größte Kundgebung wird in St. Petersburg erwartet, Putins Heimatstadt. In den meisten Orten sind die Proteste unter dem Motto "Sa Nawalnogo" ("Für Nawalny") nicht erlaubt. Beobachter halten daher Festnahmen und eine Gewalteskalation für wahrscheinlich.

Lediglich in knapp 20 Orten wurden die Proteste zugelassen, etwa in der Millionenstadt Jekaterinburg und in Tscheljabinsk am Uralgebirge. Örtliche Medien berichteten von kleinen Kundgebungen mit einigen Dutzend Teilnehmern in der Provinz.

Polizisten bei regierungskritischen Protesten in Russland | Bildquelle: dpa
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Polizisten nahmen mehrere Menschen fest, die sich an den regierungskritischen Demonstrationen beteiligt hatten.

Bereits im März und Juni Großdemonstrationen

Der Politiker Nawalny selbst kann nicht demonstrieren. Er sitzt wegen des mehrfachen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten für 20 Tage in Arrest. Er war Ende September festgenommen worden. Ein Moskauer Gericht hatte am Freitag eine Berufungsklage abgewiesen.

Nawalny will bei der Präsidentenwahl 2018 antreten, die Wahlkommission will ihn aber wegen einer Bewährungsstrafe in einem Unterschlagungsfall nicht zulassen. "Nawalny hat inzwischen eine Art Popstar-Status unter seinen Anhängern erreicht", erklärte Schulmann. Bereits im März und Juni waren Zehntausende Anhänger Nawalnys auf die Straßen gegangen. Hunderte Menschen wurden festgenommen.

Über dieses Thema berichtete am 07. Oktober 2017 tagesschau24 um 17:00 Uhr und NDR Info um 17:45 Uhr.

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