Seitenueberschrift
Tausende auf der Straße
"Russland ohne Putin" - Protestmarsch in Moskau
In Moskau protestieren wieder tausende Menschen gegen Präsident Putin. Doch der Widerstand gegen den Kremlchef hatte zuletzt nachgelassen. Die Opposition ist zerstrittener denn je. An der heutigen Demo nehmen einige gemäßigte Politiker nicht einmal teil.
Von Heide Rasche, ARD-Hörfunkstudio Moskau
"Russland ohne Putin!" Dieser Schlachtruf vereinigt die Demonstranten auch heute. Doch erstmals verzichten eher gemäßigte Politiker auf eine Teilnahme an dem Protestzug durch Moskau.
Zu einseitig sei der Marsch ausgerichtet, kritisiert der Vorsitzende der liberalen Partei Jabloko. Im Organisationskomitee seien nicht mehr alle oppositionellen politischen Kräfte vertreten; Linksradikale und Nationalisten gäben den Ton an.
Tausende protestieren in Moskau gegen Putin
H. Rasche, ARD Moskau
15.09.2012 13:01 Uhr
"Ich nehme an dieser Demo nicht teil"
Und auch der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Milliardär Michail Prochorow sagte sein Kommen ab: "Ja, es ist wahr - ich werde an dieser Kundgebung nicht teilnehmen. Als die Kundgebungen aktuell waren, als die Aufrufe wirklich ein Gebot der Stunde waren, da habe ich an drei teilgenommen. Heute gibt es Aufrufe, die ich absolut nicht unterstütze."
Als Beispiel nennt er den Appell für "soziale Gerechtigkeit". "Worum soll es da überhaupt gehen? Meint Gennadi Sjuganow, man solle den Reichen das Geld wegnehmen und unter den Armen aufteilen?", fragt er und meint den Vorsitzenden der Kommunisten, die dieses Mal erstmals offiziell als Mitveranstalter auftreten.
Teilnehmerzahlen gehen weit auseinander
"Die Macht den Millionen - nicht den Millionären" - mit diesem Banner führen die Vertreter der linken Front ihren Protestzug an. Die erhofften Zigtausend sind bislang noch nicht gekommen, die Moskauer halten sich eher noch zurück. Die offiziellen Angaben über die Teilnehmerzahl gehen traditionell weit auseinander.
Staatliche Nachrichtenagenturen sprechen von 1000 Teilnehmern, einer der Veranstalter von 15.000 bis jetzt. Die Veranstalter, darunter der bekannte Internet-Blogger und Rechtsanwalt Alexej Nawalny setzen darauf, dass die Menschen sich nicht vom regnerischen Wetter abhalten lassen. "Ich bin ganz sicher, dass genug Menschen auf die Straße gehen, so dass man sagen kann, dass die Protestwelle nicht zurückgegangen ist. Aber diese Arithmetik ist sehr relativ."
"Putin, du bist ein Lügner"
Diejenigen, die gekommen sind, unterstützen die Forderungen der Organisatoren, tragen Anti-Putin-Plakate mit Parolen wie "Putin ist eine Gefahrenquelle" oder "Putin, du bist ein Lügner". Das verschärfte Demonstrationsrecht und der Druck auf Regierungskritiker haben sie eher noch beflügelt. "Wir sind hergekommen, weil wir zeigen wollen, dass wir kein Angst vor Repressionen haben, dass wir keine Angst vor Putin haben", sagt eine Demonstrantin. "Unser Land bewegt sich jetzt leider in Richtung Diktatur. Unser politisches System verändert sich dahin."
Am Ende der Kundgebung am Nachmittag soll eine Resolution verabschiedet werden, in der es neben politischen Veränderungen auch um soziale Reformen geht.
Stand: 15.09.2012 13:57 Uhr
