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Parteitag der US-Demokraten in Charlotte
Obamas heiße Wahlkampfphase beginnt
Auf dem Parteitag der US-Demokraten in Charlotte will Barack Obama die Weichen für seine Wiederwahl als US-Präsident in zwei Monaten stellen. Dabei helfen soll ihm auch seine Frau. Sie wird am Abend die Eröffnungsrede halten. Doch es bleibt spannend: Obamas republikanischer Herausforderer Romney liegt in Umfragen gleichauf.
Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington, zzt. Charlotte
Spannender könnte es kaum sein. Pünktlich zum Auftakt des Parteitages der Demokraten hat der republikanische Herausforderer Mitt Romney US-Präsident Obama in den Umfragen eingeholt. Beide liegen jetzt gleichauf bei 46 Prozent.
Die aus allen Teilen Amerikas angereisten Delegierten der Demokraten können die Gegenoffensive ihrer Spitzenpolitiker kaum erwarten. "Die Republikaner haben in Tampa ein Zerrbild des Präsidenten gezeichnet", kritisiert Sandra Keller, eine Demokratin aus Florida. "Dabei hat Obama wirklich viel geschafft. Darüber reden die einfach nicht. Aber jetzt - wenn Obama redet - werden wir es hören."
Parteitag der Demokraten will Wahlprogramm beschließen
M. Ganslmeier, NDR Washington zzt. Charlotte
04.09.2012 18:01 Uhr
First Lady als "Cheerleaderin-in-Chief"
Bevor der Präsident am Donnerstagabend die Abschlussrede im Football-Stadion vor über 70.000 Zuschauern hält, gehört die Aufmerksamkeit heute erstmal seiner Frau: First Lady Michelle Obama hält am Abend die Eröffnungsrede. So wie es Ann Romneys Aufgabe war, ihren Mann menschlicher erscheinen zu lassen, so wird auch Michelle Obama sehr persönlich reden: Wie ihr Mann als Präsident mit den schwierigen Herausforderungen umgeht, die ihm die Republikaner vor vier Jahren überlassen haben. Welche Überzeugungen ihn leiten und welche Ziele ihm für die nächsten vier Jahre am Herzen liegen.
Die First Lady als "Cheerleaderin-in-Chief" - diese Rolle konnte sie Mitte August auf einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa schon mal üben.: "Ob gleiche Bezahlung für Frauen oder eine Gesundheitsversorgung für Familien, ob Unterstützung unserer Veteranen oder unserer Autoindustrie: Dafür hat mein Mann jeden Tag als Präsident gekämpft."
Bevor die Reden beginnen, wollen die demokratischen Delegierten noch ihr Wahlprogramm verabschieden. Wer über 250.000 US-Dollar im Jahr verdient, soll wieder den Steuersatz zahlen, der bis 2001 galt. Die zusätzlichen Einnahmen sollen das Defizit abbauen und die Mittelklasse stärken, vor allem durch Investitionen in Infrastruktur und Bildung. Außenpolitisch bleibt es beim geplanten Ende des Afghanistan-Einsatzes 2014. Außerdem sind die Demokraten für das Recht auf Abtreibung und für die Ehe von gleichgeschlechtlichen Partnern.
Parteitag der US-Demokraten in Charlotte
tagesschau 20:00 Uhr, 04.09.2012, Tina Hassel, ARD Washington
Wenig Aufmerksamkeit für Parteiprogramme
Doch Parteiprogramme finden im amerikanischen Wahlkampf wenig Aufmerksamkeit. Viel wichtiger ist es, dass es den Demokraten in den nächsten Tagen gelingt, die kritische Frage der Republikaner zu beantworten: "Geht es den Amerikanern heute besser als vor vier Jahren?" Vizepräsident Joe Biden brachte die Antwort gestern schon mal auf einen griffigen Nenner: "Osama bin Laden ist tot - und General Motors lebt!"
Nicht nur Biden ist heiß darauf, dass es losgeht in Charlotte. Unter den über 50.000 Besuchern, die die Straßen rund um das Konferenzzentrum füllen, haben sich auch Demonstranten angesagt. In der zweitgrößten Bankenmetropole Amerikas wollen sie dagegen protestieren, dass US-Präsident Obama nach der Finanzkrise zu wenig getan hat, um die Banken zu regulieren. Ein starkes Polizeiaufgebot soll verhindern, dass es zu Auseinandersetzungen kommt. "Wir haben uns eineinhalb Jahre auf diese Parteiversammlung vorbereitet", sagt Polizeioffizier Andrew Brown.
Hohe Arbeitslosigkeit setzt Obama im Wahlkampf massiv zu
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.09.2012, Stefan Niemann, ARD Washington
Zur Verstärkung sind auch Polizisten aus Chicago und Philadelphia gekommen. Auch wenn die Ausstattung der Polizei mit Knüppeln und sichtbaren Waffen respekteinflößend wirkt, hofft Andrew Brown, dass "sich alle frei äußern können und Spaß haben in Charlotte: Wenn es ohne Gewalt ist, kann jeder sagen, was er will."
Das dachte sich wohl auch der demokratische Politiker John Burton aus Kalifornien. Kaum angekommen in Charlotte, verglich er die Wahlkampftaktik der Republikaner mit der Nazi-Propaganda von Joseph Goebbels. Nach heftiger Kritik musste sich Burton öffentlich entschuldigen.
Stand: 04.09.2012 19:12 Uhr
