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27.05.2012

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Ausland
Ägyptische Sicherheitskräfte in Kairo (Foto: REUTERS)
Nach Angriff auf Israels Botschaft: Ägyptische Regierung unter Druck
Nach Angriff auf israelische Botschaft in Kairo

Ägyptische Regierung in Erklärungsnot

Drei Tote und mehr als 1000 Verletzte: Der Angriff von Demonstranten auf die israelische Botschaft in Kairo wirft Fragen auf - und setzt die ägyptische Übergangsregierung unter Druck. Israels Ministerpräsident Netanjahu sprach von einem "ernsthaften Vorfall". Sein Land halte aber am Frieden mit Ägypten fest. Der israelische Botschafter werde so rasch wie möglich wieder nach Kairo zurückkehren.

Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Soldaten haben vor dem Gebäude der israelischen Botschaft in Kairo Posten bezogen. Der Verkehr auf der Straße davor läuft wieder weitgehend normal. Doch die Blicke der Passanten gehen immer noch nach oben, Richtung Dach. Dort weht seit den Krawallen weithin sichtbar die ägyptische Flagge. Einer der Demonstranten hatte sie unter dem Jubel der Menschenmenge auf dem Botschaftsgebäude platziert, nachdem Israels Fahne abgerissen worden war.

Dass es bei den Protesten jedoch nicht nur um Symbole ging, beweisen eine von Demonstranten teilweise eingerissene Schutzmauer und ausgebrannte Polizeifahrzeuge. Mindestens drei Menschen seien getötet worden, mehr als 1000 verletzt, so die Bilanz des ägyptischen Gesundheitsministeriums, die schwerer wiegt als jeder Sachschaden. 

Friedliche Proteste auf dem Tahrir-Platz - Gewalt vor der Botschaft

Die Fernsehbilder von Freitagabend zeigen, dass sich mehrere tausend Menschen vor der israelischen Botschaft versammelt hatten. Sie waren von der deutlich größeren, aber völlig friedlichen Demonstration auf dem Kairoer Tahrir-Platz, bei dem gegen den machthabenden ägyptischen Militärrat protestiert wurde, weiter gezogen.

Vor der israelischen Botschaft protestierten die Menschen dagegen, dass im August fünf ägyptische Grenzsoldaten von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden waren. Die Israelis hatten im Grenzgebiet militante Islamisten verfolgt. Die tödlichen Schüsse führten zu schweren diplomatischen Spannungen zwischen Ägypten und Israel.

Auch Ägyptens Ministerpräsident Essam Scharaf drohte Israel mit Konsequenzen wegen des Grenzzwischenfalls. "Das Blut der Ägypter ist zu wertvoll, als dass es ohne Antwort vergossen werden dürfte", schrieb er im August auf Facebook.  

Am Freitagabend kam es nun zu erneutem Blutvergießen - in Kairo, vor der israelischen Botschaft. Zur Todesursache der mindestens drei Opfer der Krawalle wurde jedoch noch nichts Genaues bekannt. Ein Mann sei an einem Herzinfarkt gestorben, erklärte der stellvertretende ägyptische Gesundheitsminister Hamid Abasa.

Rauch quillt aus den Räumen der israelischen Botschaft in Kario (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Nachdem Demonstranten Teile des Botschaftsgebäudes verwüstet hatten, quoll Rauch aus dem Gebäude. ]

Dass sich die ägyptische Polizei nach dem Sturm auf die israelische Botschaft irgendwann nicht mehr nur mit Gummigeschossen und Schlagstöcken, sondern auch mit scharfer Munition durchzusetzen versuchte, beweisen leere Patronenhülsen, wie ein junger Ägypter am Morgen erklärt: "Schauen Sie hier, das sind die Hülsen von richtiger Munition. Und hier sind die Tränengaskanister."

Ministerpräsident ruft Sondersitzung ein

Die Eskalation wirft Fragen auf und schwere Vorwürfe gegen die ägyptische Übergangsregierung. Ministerpräsident Scharaf rief sein Kabinett zur Sondersitzung ein. Er habe sogar seinen Rücktritt angeboten, berichtet der Nachrichtensender Al Arabija. Doch der seit dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak herrschende Militärrat habe einen Rücktritt abgelehnt.

Auch außenpolitisch steht Ägypten unter Druck: Nachdem die Mitarbeiter der israelischen Botschaft von ägyptischen Sicherheitskräften in Sicherheit gebracht werden mussten und der Botschafter selbst mit einer israelischen Militärmaschine ausgeflogen wurde, bezeichnete Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu den Angriff als einen "ernsthaften Vorfall".  US-Präsident Barack Obama zeigt sich "sehr besorgt".

Opposition geht auf Distanz zu Randalierern

Die Erstürmung der israelischen Botschaft durch gewaltbereite Demonstranten wirft kein gutes Licht auf das neue Ägypten, das sich seit sieben Monaten mit dem mühsamen Übergang Richtung Demokratie quält. Eine der stärksten oppositionellen Jugendbewegungen Ägyptens namens "6. April" distanzierte sich von den Randalierern.

Sie beschuldigte in einer Erklärung die Anhänger des vor Gericht stehenden, gestürzten Präsidenten Mubarak hinter den Ausschreitungen. Die Kräfte des alten Regimes versuchten, "Ägypten ins Chaos zu stürzen" und das öffentliche Bild der Revolution zu beschädigen.

Stand: 10.09.2011 22:43 Uhr
 

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