Neu-Delhi erstickt im Smog Schuld ist verbranntes Stroh - angeblich

Stand: 11.11.2012 11:54 Uhr

Atemnot und brennende Augen: Die Menschen in Indiens Hauptstadt leiden unter Smog. Durch die gelb-graue Luft sind weder Neu-Delhis Wahrzeichen noch die Sonne zu sehen. Schuld daran sind laut Regierungschefin jedoch nicht Verkehr und Industrie, sondern das Verbrennen von Stroh.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Der Verkehr steht. Da hilft auch das Dauer-Hupen nichts, aber es gehört einfach zum indischen Straßenverkehr - vor allem im Dauer-Stau. Die dicke Morgenluft brennt in der Lunge. Die Augen tränen. Die Sicht in der Hauptstadt Neu-Delhi ist schlecht, sehr schlecht. Seit Tagen schon. Das Fernsehen meldet ungewöhnlich hohe Smogwerte.

Die Wahrzeichen Delhis sind im Smog kaum zu sehen. | Bildquelle: dapd
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Die Wahrzeichen Delhis sind im Smog kaum zu sehen.

Atemnot und Kopfschmerzen

Eigentlich setzt der Winter-Smog in Neu Delhi erst im Dezember ein, doch in diesem Jahr ist es im Norden Indiens ungewöhnlich früh kalt geworden. Niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und Windstille sorgen für einen gefährlichen Cocktail aus Feinstaub, Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Ozon und Benzol.

Die Schadstoffe verwandeln die Luft in einen milchig-gelben Nebel, der wie eine Dunstglocke über der Mega-Metropole liegt. Immer mehr Menschen klagen über Atemnot und Kopfschmerzen.

1000 neue Autos täglich

Die Lage ist ernst, bestätigt Anumita Roychowdhury vom Zentrum für Wissenschaft und Umwelt: "Die Luftverschmutzung steigt ständig. Wir haben es einfach nicht geschafft, das Wachstum der Stadt vernünftig zu steuern, vor allem den Bedarf nach Mobilität." Jeden Tag kämen rund 1000 neue Autos dazu. Der Verkehr fließe bereits jetzt extrem langsam, zu Stoßzeiten nur um fünf bis sieben Kilometer pro Stunde.

Die Mega-Millionen-Metropole Delhi mit ihren Satellitenstädten wie Gurgaon oder Noida wächst rasend schnell. Immer mehr Menschen, immer mehr Autos, zunehmende Industrialisierung. Nach Messungen des Zentrums für Wissenschaft und Umwelt ist die Feinstaubkonzentration in den letzten zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen.

Schuld am Smog soll verbranntes Stroh sein

Doch die einflussreiche Regierungschefin der Hauptstadt-Region, Sheila Dikshit, macht alleine Bauern für die bedrohlichen Smogwerte dieser Tage verantwortlich - Bauern aus den angrenzenden ländlichen Bundesstaaten, die Strohreste verbrennen, um ihre Felder zu düngen.

Im dichten Abgas-Nebel spielt Neu Delhis Jugend Fußball. | Bildquelle: dapd
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Im dichten Abgas-Nebel spielt Neu Delhis Jugend Fußball.

Umweltexpertin Roychowdhury treibt das die Zornesröte ins Gesicht. Sie fordert politische Führung und ein klares Bekenntnis zu einer radikal anderen Verkehrspolitik. Dazu gehören für sie andere Autos, streng regulierte Neuzulassungen, Fahrverbote und der massive Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs.   

Die Fehler des Westens nicht wiederholen

"Wir müssen ja nicht Eure Fehler wiederholen und immer neue Autos zulassen, um anschließend zu versuchen, die Folgen in den Griff zu bekommen. Wir haben die Option, es anders zu machen", sagt Roychowdhury. In Indien habe die Diskussion um den Klimawandel gerade erst begonnen.

"Viele glauben, dass sie das nichts angeht, weil sie nichts damit zu tun haben. Aber jetzt spüren wir es am eigenen Leib durch den giftigen Smog." Daraus ergebe sich die unmittelbare Herausforderung, neue Wege zu gehen. "Jede lokale Aktion hilft auch global."

In den reichen Industrieländern kommen auf 1000 Einwohner zwischen 600 und 800 Autos. In Indien mit seiner wachsenden Milliardenbevölkerung sind es erst rund sieben Autos auf 100 Einwohner. Tendenz steigend.

Dieser Beitrag lief am 9. November 2012 um 05:25 Uhr im Deutschlandfunk.

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